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Online-Ratgeber

So erkennen und vermeiden Sie Zucker

Zucker ist in der Zutatenliste von verarbeiteten Lebensmitteln nicht immer einfach zu erkennen. Er versteckt sich oft hinter unverständlichen Begriffen oder gesund klingenden Zutaten. Fructose, Maltodextrin, Invertzucker oder Apfelsaftkonzentrat und Co. sind alles Begriffe für Zucker: So erkennen und vermeiden Sie ihn.

Schokolade, Kuchen und Bonbons enthalten viel Zucker, das ist allen bekannt. Allerdings ist Zucker auch in Lebensmitteln versteckt, in denen Sie ihn vielleicht nicht vermuten, etwa in Salat- und Grillsaucen, Instantkaffee, Fertiggerichten oder Chips. Und mit diesem versteckten Zucker haben wir am Ende des Tages viel zu viel Zucker gegessen. Die WHO empfiehlt, höchstens 10 % der täglichen Kalorien in Form von Zucker aufzunehmen. Bei 2000 Kalorien Grundbedarf sind das maximal 50 Gramm Zucker.

Aber selbst wenn Sie vorbildlich und aufmerksam die Zutatenliste lesen, ist es nicht immer einfach, den Zucker zu erkennen. Denn dort steht vielfach nicht einfach «Zucker», sondern Bezeichnungen wie Glukose, Fruktose, Maltose, Dextrose, Maltodextrin, Glukosesirup, Zuckercouleur, Invertzucker, Laktose, Raffinade, Sorbit und Xylit. Auch Maissirup, Melasse, Blütennektar, Traubenzucker, Agavendicksaft, Dattelsirup oder Honig sind Begriffe, die Zucker umschreiben. Sie tönen zwar besser als Maltodextrin oder Invertzucker, aber machen Sie sich keine Illusionen – auch sie enthalten nicht mehr wertvolle Inhaltsstoffe als Zucker.

«Ohne Zuckerzusatz»

Das Müesli mit Rosinen oder der Snack mit getrockneten Früchten enthalten von Natur aus Zucker. Die Herstellerinnen schreiben dann unter Umständen gross und deutlich «Ohne Zuckerzusatz» vorne auf die Packung und auf der Rückseite klein und versteckt «Enthält von Natur aus Zuckerarten». Auf der Packung Kinderriegel wird damit geworben, dass diese einen Fruchtanteil von 43 % aufweisen und reich an Ballaststoffen sind. Dass sie aber zu 31 % aus Zucker bestehen, erfährt nur, wer die kleingedruckte Nährwerttabelle auf der Rückseite aufmerksam liest.

So erkennen Sie Zucker

Nährwerttabelle

Der Zucker wird auf der Nährwerttabelle unter den Kohlenhydraten ausgewiesen. Es heisst dann beispielsweise: Kohlenhydrate 22 g, davon Zucker 18 g.

Zutatenliste

Je mehr von einer Zutat in einem verarbeiteten Lebensmittel enthalten ist, umso weiter vorne wird sie in der Zutatenliste aufgeführt. Wenn Zucker nicht weit vorne steht, heisst das aber nicht zwingend, dass wenig Zucker enthalten ist. Werden verschiedene Zuckerarten (siehe Bezeichnungen oben) einzeln aufgeführt, rutschen diese auf die hinteren Plätze der Zutatenliste.

Aber auch die Zutatenliste kann täuschen: Es gibt verarbeitete Lebensmittel, die sehr viel Zucker enthalten, in der Zutatenliste aber nicht als eine Zuckerart aufgeführt sind.

Nutri-Score

Der Nutri-Score gibt nicht über einzelne Zuckerarten oder die Menge zugefügten Zuckers Auskunft, sondern er berechnet anhand eines wissenschaftlich ausgearbeiteten Algorithmus die Zusammensetzung eines Produktes und bewertet diese mittels einer Skala von A bis E. Mehr Informationen dazu finden Sie unter dem Online-Ratgeber-Beitrag «Ausgewogene Ernährung: Was ist der Nutri-Score?».

Zucker durch Süssungsmittel ersetzen?

Macht es Sinn, den Zucker durch Süssungsmittel zu ersetzen? Die Allianz Ernährung und Gesundheit ist in ihrer Stellungnahme zu dieser Frage zurückhaltend: «Die Lebensmittelindustrie – insbesondere die Produzentinnen von Süssgetränken – ist bestrebt, einen Teil des Zuckers in ihren Produkten durch Süssungsmittel zu ersetzen. Der Vorteil dieser Süssungsmittel ist zwar, dass sie zahnschonend sind, allerdings sind deren Effekte auf den Stoffwechsel noch unzureichend erforscht. Die Forschung kann über die physiologischen Wirkungen einer regelmässigen Einnahme und die damit möglichen gesundheitlichen Folgen derzeit noch keine abschliessende, fundierte Aussage machen. Bis weitere Studienergebnisse vorliegen, sollte ein chronischer Konsum von Süssungsmitteln in grösseren Mengen zumindest kritisch betrachtet werden. Getränke mit Süssungsmittel sollten nicht als Ersatz für zuckerhaltige Getränke empfohlen werden.»

Auf einen Schluck viel Zucker

Eine bedeutende Zuckerquelle in unserer Ernährung sind Süssgetränke. Fast 40 % des zugesetzten Zuckers in unserer Ernährung stammen durchschnittlich aus Getränken. Es gibt zwar grosse Unterschiede im Zuckergehalt, aber vollständig ungesüsste Getränke findet man kaum in den Regalen der Grossverteilerinnen.
Besonders bedenklich ist, dass Getränke, die sich in der Aufmachung und Werbung speziell an Kinder richten, im Durchschnitt einen höheren Zuckergehalt aufweisen als vergleichbare
Getränke, die nicht die jüngste Konsumentengruppe ansprechen. In den Läden finden Sie darüber hinaus gar keine vollständig ungesüssten Kinder-Getränke.
Diese bedenklichen Tatsachen brachte die Studie «Zucker in gesüssten Getränken» des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) 2021 an den Tag. Die Erklärung von Mailand, eine freiwillige Verpflichtung der Industrie zur Zuckerreduktion, umfasst inzwischen auch die Süssgetränke.

Stevia – ein natürlicher Süssstoff?

«Natürlich gesüsst» mit Stevia. Mit diesem und ähnlichen Slogans bewerben Herstellerinnen ihre Produkte. Doch oftmals sind damit nicht die Blätter der Stevia-Pflanze gemeint, sondern Steviol-Glykoside. Diese sind mittels eines aufwändigen chemischen Prozesses gewonnen worden und damit alles andere als natürlich. Für Konsument:innen gilt: Wo Stevia draufsteht, ist allzu oft Chemie drin.

Süssen ohne Zucker und Chemie – das verspricht die Steviapflanze. Der traditionelle Süssstoff der südamerikanischen Naturvölker soll helfen, auf natürliche Art und Weise Kalorien und Karies zu vermeiden. Die Glykoside aus der Stevia-Pflanze sind dabei bis zu 300-mal süsser als Haushaltszucker und kalorienfrei.

Aber: Die Steviapflanze ist weder in Europa noch in der Schweiz zugelassen. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) begründet dies damit, dass es bei der Steviapflanze Anzeichen gebe, dass gewisse Inhaltsstoffe bei zu hoher Dosierung die Gesundheit der Konsument:innen gefährden könnten. Einzig die Blätter von Stevia rebaudiana Bertoni dürfen seit 2017 in Frucht- oder Kräutertees eingesetzt werden und in dieser Form als Lebensmittel verkauft werden.

Seit 2014 sind hingegen Steviol-Glykoside in der Zusatzstoffverordnung als E960 aufgenommen. Von «natürlich» bleibt allerdings nicht viel übrig: Für die Gewinnung des chemischen Süssstoffes braucht es einen aufwändigen Prozess aus Extraktion, Entfärbung, Absorption, Konzentration und Kristallisation, welcher problematischen Abfall produziert und die Verwendung von verschiedenen alkoholischen Lösungen und Aluminiumsalzen erfordert.

Irreführende Werbung

Die Werbung vermittelt dennoch den Eindruck, dass es sich bei den Steviol-Glykosiden um ein natürliches Produkt handelt. Das ist irreführend. Beispiele sind:

  • Natürlich gesüsst
  • Mit Stevia/natürliches Stevia
  • Natürlicher Süssstoff
  • Mit Steviaextrakt (aus biologischem Anbau)
  • Bilder oder grafische Elemente, welche die Stevia-Pflanze symbolisieren

Lassen Sie sich vom Text und der Abbildung nicht in die Irre führen! Sie kaufen mit Stevia Süssungsmitteln keine natürliche Alternative zu Zucker.

Weitere Informationen finden Sie in unserem Ratgeber!

Der Zucker-Ratgeber des Konsumentenschutzes enthält wichtige Informationen, um Zucker im Essen und in Getränken zu erkennen und zu vermeiden, sowie praktische Tipps und genussvolle Rezepte, damit Sie im Alltag unkompliziert und preiswert Alternativen mit weniger Zucker zubereiten können.
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