Prämienvergleiche: Köder für Verkaufsgespräche und Millionengeschäft
Bis Ende Monat gibt der Bundesrat die Krankenkassenprämien für 2027 bekannt. Hunderttausende werden ihre Prämien vergleichen und einen Krankenkassenwechsel prüfen. Eine Untersuchung des Konsumentenschutzes zeigt: Die meisten Vergleichsseiten zeigen unvollständige Resultate oder sammeln Daten für spätere Verkaufsgespräche. Dabei fliessen Provisionszahlungen in Millionenhöhe. Von zwanzig geprüften Prämienvergleichen sind nur drei tatsächlich unabhängig und vollständig. Diese Missstände beobachtet der Konsumentenschutz seit Jahren, deshalb betreibt er selbst einen unabhängigen, provisionsfreien Prämienvergleich.
Wer sich online einen Überblick über die Krankenkassen-Prämien verschaffen will, findet zahlreiche Seiten, die einen Vergleich anpreisen. Prämienvergleiche im Internet sind längst ein grosses Geschäft. Bei den meisten folgt nach der Eingabe der persönlichen Daten aber nicht die erwartete Liste mit den verschiedenen Preisen, sondern ein Hinweis, dass in Kürze eine Kontaktaufnahme erfolgt. Aus dem Vergleich wird ein Verkaufsgespräch. «Viele dieser Webseiten betreiben Etikettenschwindel: Sie verkaufen sich als Vergleich, sind in Wahrheit aber nur ein Köder für persönliche Daten», warnt Sara Stalder, Geschäftsleiterin des Konsumentenschutzes. «Wer einen Vergleich anklickt, will Zahlen sehen und nicht zu einem Beratungsgespräch gedrängt werden. Das ist ein hinterlistiges System.»
Vier verbreitete Maschen
Bei den 17 irreführenden Webseiten stellte der Konsumentenschutz vier verbreitete Maschen fest, die teilweise auch gleichzeitig eingesetzt werden.

Groupe Mutuel, KPT und Visana als heimliche Betreiberinnen
Vier der untersuchten Seiten gehören zu einer Krankenkasse, ohne dass dies auf den ersten Blick erkennbar wäre. Hinter insurando.ch und krankenkassenversicherung.ch steckt die KPT, mein-krankenkassenvergleich.ch gehört zur Groupe Mutuel und kranken-kassen.ch wird von einer Tochterfirma der Visana betrieben. Einen vollständigen und unabhängigen Vergleich bieten diese Seiten nicht.
Kommerzielle Plattformen verdienen Millionen
Auch grosse Vergleichsdienste wie Comparis oder bonus.ch liefern in der Standardansicht ein falsches Bild: Angezeigt werden nur Angebote, bei denen für Offertenanfragen Provisionen fliessen. Das Geschäft lohnt sich allemal: Comparis erwirtschaftete nach eigenen Angaben 2025 allein mit dem Vergleich der Grundversicherung sechs Millionen Franken Umsatz. «Bezahlt werden diese Provisionen letztlich über die Prämien – also von den Versicherten» sagt Sarah Lengyel, Leiterin Gesundheit beim Konsumentenschutz. «Wir fordern mehr Transparenz bei Vergleichsportalen und eine deutliche Senkung der Provisionen.»
Nur drei Vergleichsseiten empfehlenswert
Von den zwanzig geprüften Seiten arbeiten nur drei transparent, werbefrei und ohne Provisionen (alphabetische Reihenfolge):
- konsumentenschutz.ch/praemienvergleich
- priminfo.ch – der offizielle Vergleich des Bundesamts für Gesundheit
- swupp.ch
Darum betreibt der Konsumentenschutz einen Prämienrechner
Der Konsumentenschutz beobachtet seit Jahren, dass das komplexe Versicherungssystem und die Unsicherheiten der Versicherten ausgenutzt werden. Neben den Krankenkassen selbst drängen sich immer mehr Vermittler:innen auf, die sich ein Stück des Millionengeschäfts mit Gesundheitsversicherungen sichern wollen und dabei vor bewusster Täuschung nicht zurückschrecken.
Der Prämienrechner des Konsumentenschutzes bietet deshalb einen unabhängigen Vergleich ohne Datenspeicherung. Im Vordergrund stehen die transparente Information der Versicherten und die Unterstützung bei einem Krankenkassenwechsel. Er weist aber auch auf mögliche Nachteile bei einem Wechsel zu einer günstigeren Kasse hin.
Weitere Informationen
Tabelle Prämienrechner-Vergleich
