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Chips, Brot und Co: Gesalzener Zuckergehalt

Salzig, aber dennoch süss: Wir essen zu viel Zucker, aber nicht nur über Schokolade, Kuchen oder Süssgetränke. In vielen Produkten steckt Zucker drin, bei denen man es nicht erwartet. Auch Chips, Brot oder Pesto schlagen sich auf die tägliche «Zuckerbilanz» nieder. Dies ist nicht nur bei den preisgünstigen, sondern auch bei teureren Produkten der Fall. Das zeigt eine Untersuchung des Konsumentenschutzes.

Bei vielen Lebensmitteln ist klar, dass sie viel Zucker enthalten – bei Gummibärchen, Limonade oder Schokoladenkuchen und Co. überrascht das nicht. Erstaunlich ist jedoch, in wie vielen Produkten Zucker steckt, bei denen man es nicht erwartet. Der Pizza Margherita, dem Sandwich-Brot, Paprika-Chips oder der Guacamole wird Zucker beigefügt. Das zeigt ein Markttest des Konsumentenschutzes. Er hat verschiedene Produkte – von der Tief- bis zur Hochpreislinie – von Coop und Migros auf den Zuckergehalt geprüft.

Gesalzene Zuckerbilanz

Oft sind es wenige Gramm Zucker auf 100 Gramm, doch in der Summe läppert sich das auch zusammen: Wer zwei Naturaplan «Chäschüechli» isst, nimmt 5 Gramm Zucker zu sich, ebenso viel ist es mit einer Portion Ketchup oder Pesto alla Genovese der Budget-Linie der Migros. Mit Annas’s Best Sandwich Poulet Senf (210 Gramm) sind es 11 Gramm Zucker, mit 100 Gramm Zwieback nimmt man je nach Produkt zwischen 2. 4 Gramm (ohne Zuckerzusatz) oder 17 Gramm (Original Zwieback) zu sich – Migros bezeichnet den Zuckergehalt immer noch als «mittel». Ein gesundes Dessert als Abschluss der Mahlzeit? Besser auch nur mit Massen zugreifen: Apfelmus lässt mit 16 Gramm Zucker (bei Coop und Migros) die Zuckerbilanz in die Höhe schnellen.

Wer sich bei Süssgetränken, Schokolade oder Backwaren zurückhält, ist also noch lange nicht davor gefeit, keinen oder wenig Zucker zu sich zu nehmen.

Keine Frage des Preises

Eine Untersuchung von Foodwatch Frankreich im letzten Jahr hat gezeigt, dass der Zuckergehalt auch den Preis beeinflusst: Die günstigeren Produkte enthalten mehr Zucker als die teureren. Zucker ist schliesslich ein guter Geschmacksverstärker und dazu erst noch eine verhältnismässig günstige Zutat.

Mehr Zucker, dafür günstiger – dies lässt sich auf dem Schweizer Markt nicht feststellen: Wohl enthalten bei einer ganzen Reihe von geprüften Produkten die günstigeren am meisten Zucker – etwa bei Guacamole, dort wurde nur der günstigsten Variante Zucker zugefügt. Das Muster zeigt sich auch bei Pesto, Pizza Margherita, Zwieback, Cornflakes oder dem Marmorkuchen. Der Konsumentenschutz fand aber auch Beispiele, bei denen das günstigste Produkt am wenigsten Zucker enthält – etwa bei Coop Blätterteig, Migros French dressing oder dem Apfelmus (bei beiden Anbieterinnen). Das Naturplan Ketchup von Coop – das teuerste im Sortiment – enthält gleich viel Zucker wie das Prix Garantie Ketchup. Und es geht auch umgekehrt: Bei Classic Apfelmus, den Paprika Chips der Migros oder den Coop «Chäschüechli» enthalten die teuersten Marken am meisten Zucker.

Fazit: Der Preis ist kein Indikator, ob einem Produkt Zucker zugefügt wurde. Wer jedoch auf seinen Zuckerkonsum achten will, sollte die Zutaten bei allen Produkten prüfen, damit man am Ende des Tages nicht ungewollt sehr viel Zucker zu sich genommen hat.

Raffiniertes Versteckspiel

Einen zu hohen Zuckerkonsum – das ist in der Schweiz die Regel und nicht die Ausnahme. Rund 100 bis 110 Gramm Zucker isst die Schweizer Bevölkerung durchschnittlich pro Tag. Das ist zu viel. Die WHO empfiehlt, höchstens 10 % der täglichen Kalorien in Form von Zucker aufzunehmen. Bei 2000 Kalorien Grundbedarf sind das maximal 50 Gramm Zucker. Allerdings ist es laut WHO noch besser, lediglich 5 % des täglichen Kalorienbedarfs über Zucker zu decken, also nur 25 Gramm Zucker pro Tag. Wer 3 dl eines Süssgetränkes zu sich nimmt, konsumiert damit in der Regel schon 30 Gramm Zucker.

Die Lebensmittelindustrie kennt einige Tricks, um den Zuckergehalt zu vertuschen:

  • In der Zutatenliste steht nicht einfach Zucker, sondern Begriffe wie Glukose, Fruktose, Maltose, Dextrose, Maltodextrin, Glukosesirup. Damit wird nicht auf den ersten Blick klar, dass es sich um Zucker handelt.
  • Werden die Zuckerarten aufgesplittet, stehen sie nicht mehr prominent vorne in der Zutatenliste – je weniger von einer Zutat drin ist, umso weiter hinten wird sie aufgelistet. Mehrere Zuckerarten rutschen auf der Liste automatisch nach hinten, zusammengezählt können sie aber einen grossen Anteil ausmachen.
  • Dank Claims wie «ohne Zuckerzusatz» oder «mit natürlicher Süsse» wird den Konsument:innen bewusst vermittelt, es sei wenig Zucker drin. Diese Produkte können sehr zuckerhaltig sein – etwa wenn sie viele Früchte enthalten.

In unserem Online-Ratgeber So erkennen und vermeiden Sie Zucker erfahren Sie mehr darüber.