Teuer, rückständig und gefährlich – das Parlament will trotzdem neue AKW
Obwohl erneuerbare Energien stark vorankommen und Atomkraft teuer und riskant bleibt, öffnet das Parlament die Tür für neue Atomkraftwerke (AKW). Für den Konsumentenschutz unverständlich, denn AKW schaden der Umwelt und dem Portemonnaie. Der Konsumentenschutz lanciert daher mit dem breiten Bündnis «Nein zu neuen AKW» das Referendum gegen diesen unsinnigen Entscheid.
Nach einigem Hin und Her, hat das Parlament mit einer knappen Mehrheit entschieden, den Gegenvorschlag zur Blackout‑Initiative zu unterstützen. Damit würde die Schweiz das Verbot für neue Atomkraftwerke kippen. Aus Sicht des Konsumentenschutzes ist das problematisch. Der Ausbau der erneuerbaren Energien macht gute Fortschritte. Neue Atomkraftwerke würden diese Entwicklung bremsen und für Konsument:innen hohe Kosten, teuren Strom und grosse Risiken mit sich bringen.
Warum Atomkraft nicht rentabel ist
Neue Atomkraftwerke lösen weder die aktuellen Herausforderungen der Versorgungssicherheit noch jene der Kostenstabilität. Sie schaffen neue Risiken – finanziell, ökologisch und sicherheitstechnisch – und gefährden den erfolgreichen Ausbau erneuerbarer Energien.
- Fehlende Gelder für die Energiewende: Neue Atomkraftwerke verursachen Kosten in zweistelliger Milliardenhöhe. Diese Gelder fehlen beim Ausbau erneuerbarer und schneller verfügbarer Energien.
- Hohes finanzielles Risiko für den Bund: Aufgrund der hohen Investitionskosten und der langen Vorlaufzeiten sind für den Bau neuer AKW staatliche Gelder nötig. Der Bund müsste Milliarden beisteuern und einspringen, wenn die Kosten explodieren, sich der Bau verzögert oder das Projekt scheitert. Das finanzielle Risiko tragen am Ende die Steuerzahler:innen.
- Fehlende Kostenwahrheit: Externe Kosten von Atomkraftwerken, wie Instandhaltung, Rückbau, Sicherheit und Entsorgung, werden nicht im Strompreis abgebildet. Langfristig tragen Konsument:innen diese Belastungen über Steuern.
- Ungeklärte Atommüllfrage: Radioaktiver Abfall muss über Hunderttausende Jahre sicher gelagert werden. Ein Tiefenlager in der Schweiz ist frühestens ab 2060 in Betrieb und erst um 2125 endgültig verschlossen. Mehr Atommüll verschärft das Problem.
- Sicherheitsrisiken bleiben bestehen: Die Beispiele Tschernobyl und Fukushima zeigen, dass selbst seltene Ereignisse katastrophale Folgen haben können, besonders in einem dicht besiedelten Land wie der Schweiz.
- Die Erfahrung zeigt’s: Neue Reaktoren sind keine Lösung. Neubauprojekte in Frankreich und Grossbritannien sind geprägt von massiven Verzögerungen und Kostenexplosionen im mehrstelligen Millionenbereich. Aber auch die effektiv fertiggestellten AKW im nahen Ausland haben sich als Kostenfallen entpuppt, da ihr Strom zu teuer ist und staatlich subventioniert werden muss. Am Ende zahlen die Konsument:innen.
Der Fokus muss auf den Erneuerbaren liegen
Diesen Kosten und Risiken von AKW stehen die Vorteile von erneuerbaren Energien gegenüber: Die technologischen Entwicklungen schreiten rasant voran, die Kosten fallen. Es fliessen Investitionen und Arbeitsplätze werden geschaffen. Aus Sicht des Konsumentenschutzes muss die Schweiz diese positive Entwicklung unbedingt nutzen. 2017 hat das Volk dafür gestimmt, den Bau neuer AKWs zu verbieten. Nun muss es sich erneut gegen die Pläne des Parlaments wehren, denn der Konsumentenschutz lanciert gemeinsam mit weiteren Organisationen das Referendum. Die Unterschriftensammlung startet am 01. Juli 2026. Unterschriftenbögen zum Download finden Sie hier, ebenso Informationen zum korrekten Unterschriftensammeln sowie ein Argumentarium.
Mehr dazu lesen Sie in diesem Artikel vom März 2025: Kostenfalle Atomkraft: Konsument:innen tragen die Last.
