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Einfach nachhaltig Strom beziehen

Nachhaltigen Strom zu nutzen, ist in der Schweiz einfacher, als viele denken: Wer auf ökologisch zertifizierten Strom, auf Energie aus der Nachbarschaft oder auf separate Herkunftsnachweise setzt, kann seinen Energiekonsum bewusster gestalten, ganz ohne bauliche Massnahmen.

Die Schweiz verfolgt mit der Energiestrategie 2050 ein klares Ziel: weg von fossilen Energien, raus aus der Atomkraft, hin zu erneuerbaren Quellen. Damit das gelingt, braucht es sowohl die Politik als auch die Wirtschaft. Doch auch Sie als Privatperson können viel bewirken: Der Wechsel zu Ökostrom ist ein einfacher, günstiger, aber wirkungsvoller Schritt – auch wenn Sie keine Möglichkeit haben, diesen selbst zu produzieren.

Ökostrom beim eigenen Energieversorger wählen

In der Schweiz können Sie Ihre Stromanbieterin zwar nicht frei wählen, aber fast alle Elektrizitätswerke bieten Ökostromprodukte an. Während der reguläre Strommix meist aus einer Mischung zwischen Wasserkraft (60 %), Atomkraft (30 %) und weiteren erneuerbaren Quellen (10 %) besteht, bieten viele Anbieterinnen auch Produkte mit einem höheren Anteil an erneuerbaren und teils auch lokal produziertem Strom an. Erkunden Sie sich dazu auf der Webseite Ihrer Stromanbieterin. In der Regel können Sie das erneuerbare Stromprodukt unkompliziert online im Kundenportal anpassen. Für eine vierköpfige Familie liegt der Umstieg auf nachhaltigen Strom unter 100 Franken pro Jahr.

Besonders hohe ökologische Anforderungen erfüllt das Gütesiegel «naturemade». Das Label garantiert, dass der Strom vollständig aus erneuerbaren Quellen stammt und Produzent:innen ihn unter strengen Umweltauflagen herstellen. Das «naturemade star» Gütesiegel zeigt zusätzlich, ob sie weitergehende ökologische Massnahmen umsetzen, indem sie Gewässer schützen, Fischtreppen bauen oder Uferbereiche naturnah gestalten. Weiter fliesst für jede verkaufte Kilowattstunde ein Beitrag in ökologische Projekte.
Das Label wird unter anderem vom WWF unterstützt und ist in der ganzen Schweiz verbreitet. Ob Ihre Stromanbieterin naturemade zertifizierten Strom anbietet, sehen Sie hier.

Nachhaltiger Strom durch Herkunftsnachweise

In Mietwohnungen bestimmt oft die Eigentümer:in oder die Verwaltung über den Strommix. Informieren Sie sich daher bei den Verantwortlichen und regen Sie einen Umstieg auf Ökostrom an. Oftmals liegt es auch in deren Interesse, ein Gebäude mit erneuerbarer Energie zu versorgen.
Wenn Sie dennoch nicht Ihren bevorzugten Strommix wählen können, haben Sie die Möglichkeit, Ihren Verbrauch über Herkunftsnachweise ökologisch aufzuwerten. Dabei beziehen Sie weiterhin den «grauen» Strom bei Ihrer lokalen Versorgerin, kaufen aber separat Zertifikate, die garantieren, dass die von Ihnen verbrauchte Menge Ökostrom produziert wurde. Beispielsweise die Stromallmend ermöglicht Ihnen den Kauf solcher Zertifikate, welche sich auf regional produzierten Solarstrom beziehen.

Was ist ein Herkunftsnachweis?

Ein Herkunftsnachweis ist ein digitales Zertifikat, welches belegt, dass eine bestimmte Menge Strom zu einem bestimmten Zeitpunkt aus erneuerbarer Energie produziert wurde. Für jede Megawattstunde erneuerbaren Stroms wird genau ein solcher Nachweis erstellt. Pronovo speichert und verwaltet diese Zertifikate in einem nationalen Register.
Stromversorgerinnen dürfen Strom nur dann als «erneuerbar» verkaufen, wenn sie genau die gleiche Menge Herkunftsnachweise besitzen und entwerten. So wird sichergestellt, dass hinter jedem verkauften Ökostromprodukt tatsächlich erneuerbare Produktion steht.

Für Sie als Kund:in bedeutet das: Obwohl aus Ihrer Steckdose nicht zwingend der ökologisch produzierte Strom fliesst, den Sie gekauft haben, gibt Ihnen das Zertifikat Sicherheit darüber, dass genau diese Menge Ökostrom ins Netz eingespeist wurde. Unabhängig davon, wer den effektiven Strom schliesslich verbraucht, kann so nachgewiesen werden, dass die Nachfrage vorhanden ist und sich die ökologische Stromproduktion für Produzentinnen lohnt. So helfen Sie über Ihren Verbrauch indirekt mit, die Produktion von ökologischem Strom anzukurbeln.

Virtuell Anschluss finden

Eine weitere Möglichkeit, erneuerbaren Strom zu beziehen, ist der virtuelle Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (vZEV). Damit können Sie lokalen Solarstrom nutzen, ohne selbst eine Solaranlage besitzen zu müssen. Das Prinzip ist einfach: Betreiber:innen einer Solaranlage – zum Beispiel Nachbar:innen, ein Landwirtschaftsbetrieb oder ein Gewerbe in der Nähe – bieten ihren überschüssigen Strom in einer vZEV‑Gemeinschaft an. Interessierte Haushalte können sich dieser Gemeinschaft anschliessen und erhalten einen Anteil des Solarstroms zu einem Preis, der häufig unter dem Standardtarif liegt. Die Stromanbieterin deckt dabei weiterhin den restlichen Strombedarf. Der Ökostrom fliesst wie gewohnt in das öffentliche Netz, aus dem Sie Ihren Strom beziehen. Die Verbindung ist also, wie bei den Herkunftsnachweisen, rein virtuell.

Damit Sie an einem vZEV teilnehmen können, benötigen Sie einen Smart Meter, also einen intelligenten Stromzähler. Dieser erfasst Ihren Energieverbrauch und misst, welcher Anteil des Stroms aus der lokalen Solaranlage stammt und welcher aus dem öffentlichen Netz bezogen wurde. Den Smart Meter können Sie von der lokalen Netzbetreiberin installieren lassen.
Eine Gemeinschaft können Sie nur mit Haushalten bilden, welche sich im selben Netzgebiet befinden. Potenzielle Partner:innen finden Sie auf leghub.ch. Zudem führen verschiedene lokale Energieversorger, Gemeinden oder Online-Plattformen für Energie‑Sharing inzwischen Listen bestehender Zusammenschlüsse oder vermitteln Kontakte zwischen Produzent:innen und interessierten Haushalten.

Auch die Menge ist entscheidend

Wer nebst dem Bezug von Ökostrom auf energieeffiziente Geräte und sparsame Beleuchtung setzt, senkt seinen Stromverbrauch deutlich. Mit diesem Ersparnis gleichen Sie die potenziellen Mehrkosten für effizientere Geräte oder Ökostrom schnell wieder aus. Wie Sie in Ihrem Haushalt am effizientesten Strom sparen, lesen Sie in unserem Online-Ratgeber «Energiesparen im eigenen Haushalt».

Auch politisches Engagement bewirkt viel. In Gemeinden mit eigenen Stadtwerken können Sie einen Antrag stellen, damit Ökostrom zum Standardprodukt wird oder lokale Energiegemeinschaften entstehen. So leisten Sie nicht nur im eigenen Zuhause, sondern auch auf kommunaler Ebene einen Beitrag zur Energiewende.

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