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Datenschutz-Einstellungen auf Android

Das Smartphone-Betriebssystem Android von Google hat eher lasche Datenschutz-Voreinstellungen. Standardmässig werden zahlreiche Daten über Ihre Gerätenutzung an Google übermittelt. So schränken Sie die Weitergabe Ihrer Daten ein.

Herstellerin und Betreiberin des am stärksten verbreiteten Smartphone-Betriebssystems Android ist Google, eines der datenhungrigsten Unternehmen der Welt. Das zeigt sich auch in den voreingestellten Datenschutz-Einstellungen. Mit anderen Worten: Wenn Sie die Berechtigungen nicht einschränken, dann werden permanent Daten über Ihren Standort und die Nutzung Ihres Geräts an Google übermittelt. Der Datenfluss wird mit den folgenden Einstellungen zwar nicht komplett gestoppt, aber stark verringert. Damit wird Ihre Privatsphäre unter Android besser geschützt.

Die Datenschutz-Einstellungen befinden sich je nach Android-Version und Smartphone-Herstellerin an unterschiedlichen Stellen. Diese Anleitung bezieht sich auf Android-Version 17 auf einem Google Pixel 10 Pro. Das heisst: In dieser Anleitung werden Datenschutz-Einstellungen für «pures» Android 17 empfohlen. Einige Smartphone-Herstellerinnen wie Samsung verändern die Oberfläche von Android und bauen Zusatzfunktionen und Einstellungen ein. Eine Anleitung zum Deaktivieren der Samsung-Diagnoseberichte finden Sie hier.

Fortgeschrittene Nutzer:innen mit einem Google Pixel Smartphone (Pixel 7 bis 10a) können mit einem Wechsel zu GrapheneOS die Datenverbindungen zu Google kappen. Wer technisch versiert und der englischen Sprache mächtig ist, kann die Installation relativ einfach und in wenigen Minuten per Browser durchführen. Das Betriebssystem kann aber mit manchen Banking-Apps zu Problemen führen, Sie sollten also zuerst prüfen, ob Ihre Bank-Apps unter GrapheneOS funktionieren.

Datenschutz unter Android 17 verbessern

Die Datenschutz-Einstellungen befinden sich bei Android 17 in den «Einstellungen». Die Einstellungen sind danach in unterschiedliche Bereiche aufgeteilt, die wir nun der Reihe nach durchgehen:

Bereich «Google»

Mit einem Klick auf «Alle Dienste» können Sie die Einstellungen zahlreicher Google-spezifischer Dienste anpassen.

Google Suche, Google Assistant und Spracheingabe

Wir empfehlen Ihnen, eine datensparsamere Suchmaschine als die Google Suche zu verwenden. Falls Sie bei der Google Suche bleiben wollen, empfehlen wir Ihnen die folgenden Anpassungen.

Unter «Datenschutz und Sicherheit» empfehlen wir, die Optionen «Suchanpassung» (personalisierte Suche) sowie «Personalisierte Werbung in der Suche» zu deaktivieren. Die Option SafeSearch soll vor betrügerischen oder anstössigen Webseiten schützen. Ihr Surfverhalten wird dabei nicht an Google übermittelt, Sie können die Option also auch aktiviert lassen.

Im Einstellungsbereich «Weitere Einstellungen» empfehlen wir, die Option «Links zu Webseiten kürzen» zu deaktivieren. Das verhindert, dass Sie verwirrende Google-Links an andere Personen senden. Wenn Sie auf der Startseite der Google Suche App keine Artikel zu Ihren Interessen sehen möchten, können Sie diese mit dem Deaktivieren der Option «Discover» loswerden. Zuletzt gibt es auch unter «Einstellungen für automatische Vervollständigung» in Sachen Datenübertragungen Sparpotenzial. Dort empfehlen wir die Deaktivierung aller Optionen.

Bestätigung der Telefonnummer

Falls Sie nicht möchten, das Ihre Telefonnummer Ihrem Google-Konto hinzugefügt wird, können Sie diese Option deaktivieren. Falls Sie sie aktiviert lassen, wird auch die Funktion «Besser Teilen mit Google» aktiviert, womit die Nummer für Videoanrufe und Nachrichten verwendet werden.

Nutzung & Diagnose

Wir empfehlen Ihnen, hier die gleichnamige Option zu deaktivieren. Die automatischen Diagnosedaten sind sehr umfänglich und können zahlreiche Rückschlüsse auf Ihre Gewohnheiten ermöglichen. Zudem können die Diagnosedaten auch noch an Partnerinnen von Google weitergegeben werden.

Nutzung von geteilten Daten personalisieren

Die hier aufgelisteten Apps oder Quellen werden von Google-Diensten verwendet, um Ihnen personalisierte Vorschläge oder Empfehlungen zu machen. Wir empfehlen grundsätzlich, den Zugriff zu allen Quellen zu deaktivieren. Einzelne Quellen können Sie bei Bedarf auch später wieder aktivieren.

Standortgenauigkeit

Um die Ortung Ihres Geräts zu verbessern, nutzt Google standardmässig zahlreiche Datenquellen. Dazu gehören neben GPS auch naheliegende WLAN-Netze und Mobilfunkmasten. Sie können die Option deaktivieren, damit die Standortbestimmung nur noch per GPS erfolgt. Gerade in städtischen Umgebungen kann die Genauigkeit darunter aber leiden, was Navigations- oder Fitness-Apps ungenauer macht.

Werbung

In diesem Bereich befinden sich die Einstellungen für die personalisierte Werbung. Wir empfehlen, die Option «Werbe-ID löschen» zu verwenden. Damit können Apps nicht auf die Werbe-ID zugreifen, um Ihnen personalisierte Werbung anzuzeigen. Damit blockieren Sie einen Weg für personalisierte Werbung.

Autofill mit Google

Hier werden Daten für die Anmeldung und Autofill-Vorschläge, die mit Ihrem Google-Konto verknüpft sind, angezeigt. Wir empfehlen die Nutzung eines eigenen Passwortmanagers, der nicht mit dem Google-Konto verknüpft ist. Zudem empfehlen wir, die Autofill-Funktion von Google gar nicht oder nur zurückhaltend zu nutzen.

Bestätigungscodes aus SMS

Immer mehr digitale Dienste versenden Codes per SMS, ohne die das Login nicht möglich ist. Solche Codes sorgen für mehr Sicherheit, weil Nutzer:innen neben dem Passwort auch den versandten Code benötigen. Android kann erkennen, wenn eine SMS einen solchen Login-Code enthält und diese automatisch einfüllen. Der Konsumentenschutz empfiehlt, stattdessen sicherere Methoden wie die Zwei-Faktor-Authentifizierung per Authenticator-App, zu wählen.

Passkeys & Geräte

Passkeys sind Alternativen zu den verbreiteten Passwörtern. Diese Schlüssel werden in Passwortmanagern gespeichert und sind oft sicherer als Passwörter. Wir empfehlen die Nutzung von Passkeys mit einem eigenen Passwortmanager, der nicht mit dem Google-Konto verknüpft ist.

Diebstahlschutz

Neben den bekannten Displaysperren, die Sie unbedingt benutzen sollten, gibt es hier Möglichkeiten für den Fall, dass Sie Ihr Android-Gerät verlieren. Die Möglichkeiten laufen über Google-Server oder Ihren Google-Account.

Für die meisten Nutzer:innen macht es dennoch Sinn, das «Sperren per Fernzugriff» zu aktivieren. Damit können Sie im Verlustfall das Android-Gerät via android.com/lock sperren. Ohne Eingabe von PIN oder Passwort kann es dann nicht mehr benutzt werden, sofern es mit dem Internet verbunden war. Zudem können Sie noch eine separate Sicherheitsfrage definieren, die für das Entsperren des Geräts notwendig ist.
Darüber hinaus gibt es die Option «Dein Gerät finden & Daten darauf löschen», mit dem der Standort eines verlorenen Geräts gefunden werden kann oder die Daten auf dem Gerät gelöscht werden können. Diese Möglichkeiten können sowohl beim Verlust als auch beim Diebstahl Ihres Geräts sinnvoll sein, laufen aber über die Google-Server.

Erweiterte Sicherheit

Hier können mit einem Schalter mehrere Sicherheitseinstellungen auf einmal angepasst werden. Wir empfehlen stattdessen die Anpassung der einzelnen Berechtigungen. Viele dieser Anpassungen ergeben für die Mehrheit der Nutzer:innen Sinn.

Warnungen zu sensiblen Inhalten

Diese Einstellungen betreffen regeln den Zugriff der «Android System SafetyCore» App auf Fotos und Videos in Google Messages. Die SafetyCore App soll erkennen, wenn ein Foto oder Video Nacktheit enthält und diese anschliessend verpixeln. Wer solche Funktionen nicht benötigt, kann Sie getrost deaktivieren oder gleich die ganze Android System SafetyCore App deinstallieren.

Bereich «Netzwerk & Internet»

In diesem Bereich können Sie WLAN deaktivieren, den Hotspot aktivieren oder VPN- und DNS-Einstellungen anpassen. WLAN können Sie nach dem Antippen von «Internet» deaktivieren. Beim Menüpunkt «VPN» kann eine neue VPN-Konfiguration hinterlegt werden. Und bei «Privates DNS» kann ein eigener DNS-Server definiert werden, zum Beispiel einer von Quad9. Während das Setzen eines eigenen DNS-Servers immer Sinn macht, ist die Deaktivierung von WLAN für die meisten Nutzer:innen nicht sinnvoll.
Zuletzt empfehlen wir Ihnen, im Menüpunkt «Sicherheit des Mobilfunknetzes» sämtliche Optionen («Netzwerkbenachrichtigungen», «Nur verschlüsselte Netzwerke zulassen» und «Schutz vor 2G-Netzen») zu aktivieren. So können Dritte Sie nicht mit einem IMSI-Catcher belauschen und Sie erhalten eine Meldung, falls ein Netzwerk Ihre Geräte- (IMEI) oder SIM-ID (IMSI) aufzeichnet.

Bereich «Verbundene Geräte»

In diesem Bereich können Sie Bluetooth konfigurieren oder komplett deaktivieren. Neben WLAN können Bluetooth-Tracker genutzt werden, um Ihre Position zu orten, zum Beispiel um Ihr Verhalten in einem Warenhaus zu messen. Bitte beachten Sie, dass zahlreiche Apps die Bluetooth-Berechtigung anfordern, darunter auch beliebte Dienste wie TWINT.

Auch Drucker, Quick Share (zum Teilen von Dateien mit Geräten in der Nähe) und Android Auto können in diesem Bereich nach Ihren Bedürfnissen konfiguriert werden. Da diese variieren, kann der Konsumentenschutz hier keine allgemeingültigen Empfehlungen geben.

Bereich «Apps»

Im Bereich Apps sehen Sie, welche Apps kürzlich geöffnet wurden. Weiter unten im allgemeinen Bereich können Sie «Standard-Apps» definieren. Wir empfehlen hier, mindestens von der standardmässig installierten Browser-App «Chrome» zu einer datensparsamen App wie «Brave» oder «Firefox» zu wechseln. Falls Sie den Google Assistant nicht benutzen, können Sie «Assistent» von Google auf Keine wechseln.

Danach können Sie unter «Spezieller App-Zugriff» Verbesserungen machen. Wir empfehlen Ihnen, unter «Zugriff auf alle Dateien» sämtlichen Apps (auch Google Play-Dienste) den Zugriff zu entziehen. Auch die Berechtigungen zum «Über anderen Apps einblenden», «Premium-SMS» und «Installieren unbekannter Apps» sollten Ihre Apps nur haben, falls Sie diese Funktionen zwingend benötigen. Ansonsten riskieren Sie eine Infektion mit Schadsoftware oder landen womöglich in einer Abofalle. Auch die Berechtigung zu den  «App-Nutzungsdaten» sollten Sie den meisten oder gar allen Apps entziehen. Die Berechtigung erlaubt es Apps zu sehen, welche anderen Apps Sie oft verwenden und welche Mobilfunkanbieterin Sie haben.

Bereich «System»

Deaktivieren Sie «Sicherung», um die automatische Speicherung Ihrer Smartphone-Daten auf Google-Servern zu verhindern. Wenn Sie das machen, sollten Sie aber selbständig Backups Ihrer Daten anlegen, beispielsweise auf einem Computer.

Bereich «Datenschutz & Sicherheit»

In diesem Bereich erhalten Sie eine Übersicht über die Sicherheits- und Datenschutzmassnahmen inklusive Empfehlungen. Weiter unten verbergen sich Einstellungen zum Datenschutz.

«Datenschutzeinstellungen»

In den Datenschutz-Einstellungen können Sie wichtige Anpassungen zum Schutz Ihrer Privatsphäre vornehmen. Im «Berechtigungsmanager» können Sie sehen, welche Apps welche Berechtigungen erhalten haben. Wir empfehlen Ihnen, auf diesem Weg zu kontrollieren, ob eine App nicht notwendige Berechtigungen erhalten hat. Beispiel: Eine App, mit der Sie keine Fotos machen oder Fotos hochladen, braucht keinen Zugriff auf Ihre Kamera oder Fotos.
Wenn Sie sämtlichen Apps den Kamera- oder Mikrofonzugriff entziehen möchten, können Sie dazu die Schalter bei Kamerazugriff und Mikrofonzugriff deaktivieren.

Im nächsten Punkt «Werbung» empfehlen wir Ihnen, die Option «Werbe-ID löschen» zu wählen, falls Sie das nicht schon im vorherigen Abschnitt «Google» erledigt haben. Mit der missverständlich formulierten Option deaktivieren Sie die personalisierte Werbung, beziehungsweise die Nutzung der Werbe-ID durch Apps. Alternativ können Sie die Werbe-ID hier auch zurücksetzen oder nach der Löschung eine neue erstellen lassen. In diesen Fällen wird die personalisierte Werbung anhand der Werbe-ID wieder möglich.

Ebenfalls wichtig sind die Einstellungsmöglichkeiten im Punkt «Health Connect». Hier sehen Sie, welche Apps Zugriff auf Ihre Gesundheitsdaten haben, und können diesen bei Bedarf widerrufen.

Ähnlich ist es beim Punkt «Standortzugriff». Hier werden Apps und Dienste angezeigt, die Zugriff auf den Standort haben. Apps, die diesen Zugriff nicht benötigen, sollten Sie die Berechtigung entziehen.

Weitere Einstellungsmöglichkeiten

Im «Privatsphäre-Dashboard» sehen Sie, welche Funktionen des Geräts von welchen Apps in den letzten 24 Stunden verwendet wurden. Falls Ihnen eine unbekannte oder nicht benutzte App auffällt, können Sie dieser die Berechtigung anschliessend entziehen.

Der letzte Punkt «Mehr Sicherheit & Datenschutz» bietet ebenfalls Optimierungspotenzial. Deaktivieren Sie hier die Option «Personalisieren anhand von App-Daten», tippen Sie danach auf «Android System Intelligence» und deaktivieren Sie dort die Option «Mithilfe der Google-Kontodaten die Nutzung anpassen», sofern Sie die Funktion nicht benötigen. Ob Sie den «AutoFill-Dienst von Google» zum Einfüllen von Passwörtern, Kreditkarten und Adressen verwenden wollen, überlassen wir Ihnen. Der Dienst ist zwar praktisch, liefert Webseiten aber womöglich mehr Daten als nötig. Wir empfehlen zum Einfüllen von Passwörtern und Kreditkartendaten einen Passwortmanager. Beim nächsten Punkt «Nutzung & Diagnose» empfehlen wir Ihnen die Deaktivierung der gleichnamigen Option. So erhält Google weniger Daten über Ihre Nutzung des Geräts.

Bereich «Standort»

Wenn Sie die Verwendung des Standorts komplett deaktivieren wollen, können Sie den Schalter bei «Standort verwenden» deaktivieren. Für die meisten Android-Nutzer:innen wird es aber sinnvoller sein, die «Berechtigungen zur Standortermittlung» auf die nötigsten Apps einzuschränken.

Auch hier sind wieder wichtige Einstellungen im leicht übersehbaren Unterbereich «Standortdienste» versteckt:

  • Falls Sie einem Kontakt den Standort freigegeben haben, können Sie das unter «Google-Standortfreigabe» rückgängig machen.
  • Standardmässig nutzt Android zur Bestimmung des Standorts neben GPS auch WLAN, Mobilfunknetze und Bluetooth. Unter «Standortgenauigkeit» und dann «Standortgenauigkeit verbessern» können Sie das deaktivieren.
  • Den «Notfall-Standortdienst» sollten Sie aktiviert lassen, wenn Sie möchten, dass die Ambulanz bei einem Notruf Ihren genauen Standort erhält.

Bereich «Passwörter & Passkeys»

Hier sind Ihre Konten von verschiedenen Diensten, wie etwa Google, aufgelistet. Falls Sie keinen Dienst für Autofill-Vorschläge oder Anmeldedaten verwenden, können Sie von «Google» auf «Kein Dienst» wechseln. Sie können aber auch einen anderen Passwortmanager-Dienst verwenden.

 

Wie Sie Ihre Privatsphäre unter dem Apple-Betriebssystem iOS schützen können, haben wir für Sie in diesem Ratgeber-Beitrag zusammengefasst.