Rabattsystem bei Medikamenten komplett gescheitert
Rabatte und andere finanzielle Vorteile, welche die Pharma auf Medikamente gewährt, müssen per Gesetz den Versicherten weitergegeben werden. Der heute veröffentlichte Bericht der Eidgenössischen Finanzkontrolle (EFK) deutet allerdings auf erhebliche Missstände hin: Schätzungsweise 655 von 743 Millionen Franken verbleiben bei Arztpraxen, Apotheken und Spitälern. Das System ist undurchsichtig und kompliziert, die Kontrolle durch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) bestenfalls lückenhaft. Der Konsumentenschutz fordert ein Verbot solcher Rabattsysteme und stattdessen grundsätzlich tiefere Medikamentenpreise.
Mit 9,9 Milliarden Schweizer Franken machten die Medikamentenkosten 2024 fast ein Viertel der Kosten der obligatorischen Krankenversicherung aus. Davon fliessen laut Schätzung der EFK bis zu 743 Millionen Franken jährlich als Rabatte und andere sogenannte geldwerte Vorteile an Arztpraxen, Apotheken und Spitäler. Das Gesetz schreibt vor, dass diese Vergünstigungen den Versicherten zugutekommen müssen. Ob dies tatsächlich der Fall ist, kann heute niemand verlässlich sagen. Die letzten belastbaren Zahlen zum Gesamtsystem stammen aus dem Jahr 2009. «Das System befindet sich seit über 15 Jahren im Blindflug. Dieses Versagen kommt die Prämienzahlenden teuer zu stehen», sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin des Konsumentenschutzes.
Bundesamt für Gesundheit lässt Aufsicht schleifen
Seit fünf Jahren obliegt dem BAG die Aufsicht über diese Vergünstigungen. Passiert ist in dieser Zeit wenig: Kontrollen laufen erst seit Kurzem an, eine Whistleblowing-Plattform existiert erst seit 2025. Obschon das BAG die Kompetenz hätte, unrechtmässig einbehaltene Rabatte einzufordern und Verstösse strafrechtlich zu ahnden, ist bis heute kein einziger solcher Fall abgeschlossen worden – trotz gemeldeter Verdachtsfälle.
Der Konsumentenschutz fordert das BAG auf, seinen gesetzlichen Auftrag zu erfüllen. «Mit dieser Untätigkeit überlässt das BAG der Pharma und den Leistungserbringenden das Feld, die Versicherten büssen dies mit noch höheren Prämien», kritisiert Stalder.
Rabatte müssen weg
Statt ein löchriges und undurchsichtiges Kontrollsystem mit noch mehr Bürokratie zu flicken, braucht es gemäss Stalder einen klaren Schnitt: «Es gibt eine einfache und durchsetzbare Lösung: Diese Rabattsysteme gehören abgeschafft.» An ihre Stelle müssen von Anfang an tiefere und transparente Medikamentenpreise treten, ohne den Umweg über Vergünstigungen, die irgendwo zwischen Pharmaindustrie und Leistungserbringenden versickern. Der Vorteil liegt auf der Hand: Sinken die Preise direkt, sinken auch die Kosten für die Grundversicherung, ohne Verlust von Qualität und Versorgung. Dafür verschwindet das Einfallstor für fragwürdige Anreize in der Verschreibungspraxis.
Schluss mit Warten
Bis ein Verbot beschlossen und umgesetzt ist, muss das BAG seine Aufsicht endlich wahrnehmen und Verstösse konsequent sanktionieren. Ausserdem braucht es mehr Transparenz: «Die Prämienzahlenden haben ein Recht darauf, zu wissen, wohin ihr Geld fliesst. Der Konsumentenschutz wird sich politisch dafür einsetzen. Es ist Zeit, dass Politik und Behörden handeln, und nicht bis zum nächsten Prüfbericht zuwarten», betont Sarah Lengyel, Leiterin Gesundheit.
