«Nachhaltigkeits»-Fonds der grossen Banken investieren in Erdöl-, Gas- und Kohleindustrie
Der Konsumentenschutz hat die hauseigenen «Nachhaltigkeits»-Fonds der sieben grössten Schweizer Banken analysiert. Das Resultat ist erschreckend: Fast alle investieren in Unternehmen der fossilen Energiebranche. Problematisch ist insbesondere der Fonds der PostFinance mit Investitionen in 47 solche Unternehmen. Der Konsumentenschutz kritisiert dies scharf und fordert strengere und transparentere Kriterien für «nachhaltige» Fonds.
In Anbetracht von Hitzewellen und globalen Umweltkrisen wollen umweltbewusste Konsument:innen ihr Geld nachhaltig anlegen. Die als «nachhaltig» beworbenen Investitionsmöglichkeiten halten jedoch oft nicht, was sie versprechen: In allen Portfolios der geprüften Fonds sind Unternehmen enthalten, die der Umwelt schaden. Sara Stalder, Geschäftsleiterin des Konsumentenschutzes, kritisiert: «Diese Banken lassen ihre Kund:innen im Glauben, etwas Gutes für die Nachhaltigkeit zu tun. Stattdessen investieren sie deren Erspartes in fossile Energien und Unternehmen, welche die UNO-Nachhaltigkeitsziele torpedieren.»
Investitionen in fossile Energie
Die Auswertung des Konsumentenschutzes zeigt, dass die «nachhaltigen» Fonds zahlreiche Unternehmen der fossilen Energiebranche beinhalten. Darunter sind Unternehmen wie Shell und TotalEnergies, die direkt Erdöl und Erdgas fördern. Ebenfalls in den Fonds enthalten sind Unternehmen, welche die Branche mit zentraler Technik unterstützen, etwa Siemens mit der Produktion von Gasturbinen und Digitalisierungslösungen.

Eine Gesamtübersicht der untersuchten Fonds und allen Unternehmen mit kritischen Aktivitäten finden Sie hier.
PostFinance fällt besonders negativ auf
Die Auswertung zeigt, dass der Fonds der PostFinance in 47 Unternehmen der fossilen Energiebranche investiert. «Dass die PostFinance einen Fonds vermarktet, der in 47 Unternehmen der fossilen Energiebranche investiert, und diesen mit ‘Global Climate Equity Fund’ betitelt, ist angesichts der globalen Klimakrise unehrlich und verantwortungslos.» kritisiert Sara Stalder.
Investitionen im Widerspruch zu UNO-Nachhaltigkeitszielen
Die Analyse der «Nachhaltigkeits»-Fonds der grössten Schweizer Banken zeigt zudem, dass diese in Unternehmen investieren, deren Aktivitäten im Widerspruch zu den UNO-Nachhaltigkeitszielen stehen. Die Ziele sollen unter anderem Armut und Hunger bekämpfen, Gesundheit fördern, die Umwelt schützen und menschenwürdige Arbeitsbedingungen sicherstellen.
In den Fonds enthalten sind beispielsweise Rüstungsunternehmen oder Firmen, denen Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden. Ebenfalls enthalten sind Pharma- oder Lebensmittelkonzerne, die den Zugang zu bezahlbaren Medikamenten oder gesunden Lebensmitteln erschweren.
Konsumentenschutz fordert mehr Engagement und Transparenz
Wenn Banken nachhaltige Anlageprodukte anpreisen, erwarten die Konsument:innen, dass diese Versprechen eingelöst werden. «Die Banken müssen mehr Verantwortung für eine nachhaltige Zukunft übernehmen und für Nachhaltigkeitsfonds endlich sachgerechte, strenge und transparente Kriterien anwenden.» fordert Sara Stalder.
Datengrundlage der Auswertung
Für die Analyse hat der Konsumentenschutz die Fondsportfolios aus den Halbjahres- und Jahresberichten 2025 der Banken mit einer Datenbank von «Corporate Knights» abgeglichen. Dieses kanadische Unternehmen bewertet jährlich über 12’000 Unternehmen basierend auf den UNO-Nachhaltigkeitszielen. Unternehmen, welche sich aufgrund ihrer Produkte, Dienstleistungen oder Aktivitäten negativ auf die nachhaltige Entwicklung auswirken, werden anhand von Ausschlusskriterien herausgefiltert. Für die vorliegende Analyse wurden die Portfolios der «Nachhaltigkeits»-Fonds mit den Unternehmen, welche die Ausschlusskriterien laut «Corporate Knights» erfüllen, abgeglichen.
Die Daten stammen aus öffentlich zugänglichen Quellen, Geschäftsberichten der betroffenen Unternehmen oder von externen Marktforschungsinstituten, die von der Stiftung für Konsumentenschutz als zuverlässig erachtet werden. Die Stiftung für Konsumentenschutz hat die von Dritten übernommenen Informationen nicht unabhängig auf Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität überprüft. Soweit gesetzlich zulässig, übernimmt sie dafür keine Haftung.
