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Krankenkassenprämien: Versicherte zahlen für untätige Politik

Morgen werden die Krankenkassenprämien 2027 bekanntgegeben. Sie werden mit grösster Wahrscheinlichkeit wieder deutlich steigen. Für Millionen Prämienzahlende heisst das: weniger Geld im Portemonnaie und damit ein noch engeres Budget. Politiker:innen hingegen lassen bekannte Rezepte gegen die Kostensteigerung liegen und profitieren lieber von lukrativen Mandaten der Pharma oder Versicherungen. Der Konsumentenschutz fordert einen längst fälligen Kurswechsel.

Die Prämien werden wohl auch im nächsten Jahr steigen. Eine Überraschung ist das nicht, die Kostenentwicklung zeichnet sich seit längerem ab. Für Familien und Personen mit mittlerem oder tiefen Einkommen ist das ein grosses Problem, sie wissen kaum noch, wie durchkommen. «Jedes Jahr steigen die Prämien, ohne dass an den eigentlichen Ursachen etwas geändert wird. Für die Prämienzahlenden ist das schlicht nicht mehr tragbar», kritisiert Konsumentenschutz-Präsidentin Nadine Masshardt. Wenig Beachtung findet auch die Tatsache, dass höhere Gesundheitskosten zu einer schlechteren medizinischen Versorgung führen, weil Arztbesuche aus Kostengründen vermieden oder zu lange ausgeschoben werden.

Der Weg des geringsten Widerstands

Die Kostentreiber und wirksame Gegenmassnahmen wären eigentlich längst bekannt. Bundesrat und Parlament wählen aber lieber den Weg des geringsten Widerstandes. Sie erfüllen praktisch alle Wünsche jener, die gut am Gesundheitswesen verdienen. Die Kosten bürden sie den Versicherten auf: Eine der wenigen Massnahmen, die das Parlament beschlossen hat, ist die Erhöhung der Mindestfranchise.

Bestens vertretene Branche im Bundeshaus

Dass die Gesundheitsbranche im Parlament besonders gut vernetzt ist, ist kein Geheimnis: Pharmaunternehmen, Krankenversicherer, Spitäler sowie Ärzt:innen- und Pflegeverbände verfügen über enge Beziehungen zu Parlamentarier:innen. Nicht selten sitzen dieselben Politiker:innen, die im Gesundheitswesen mitentscheiden, gleichzeitig in gut bezahlten Verwaltungsräten oder Beratungsgremien von Krankenkassen, Spitälern oder Pharmafirmen – allesamt Akteur:innen, die von steigenden Gesundheitsausgaben profitieren. «Das Gesundheitssystem ist zum Selbstbedienungsladen für eine gut vernetzte Gesundheitsindustrie verkommen. Das ist für die Konsument:innen, die dafür bezahlen, inakzeptabel», so Sarah Lengyel, Leiterin Gesundheit beim Konsumentenschutz.

Kosten senken, Qualität hoch halten

Die Prämienzahlenden müssen dringend entlastet werden. Wirksame Massnahmen liegen seit Jahren auf dem Tisch. Ebenso lange fordert der Konsumentenschutz, die Kosten in den Griff zu bekommen und diese Massnahmen zu ergreifen:

  • Medikamentenpreise und Margen senken
  • Tarife für Laboranalysen senken
  • Fehlerhafte Arzt- und Spitalrechnungen konsequent korrigieren
  • Unnötige Behandlungen vermeiden
  • Prämienverbilligungen ausbauen
  • Kostenneutralität beim neuen Tarifsystem sicherstellen: Tardoc und ambulante Pauschalen anfangs 2027 konsequent kontrollieren und bei Überschreitung umgehend Korrekturmassnahmen ergreifen