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Event-Tickets: 80 % der grössten Ticketplattformen zocken mit Zusatzgebühren ab

Tickets für Konzerte und Events werden heute meist online auf Ticketplattformen gekauft. Eine Analyse des Konsumentenschutzes zeigt: 4 von 5 dieser Plattformen setzen manipulative Dark Patterns ein, um sich mit Zusatzgebühren zu bereichern. Konsument:innen müssen beim digitalen Ticketkauf genau hinschauen und die Häkchen bei den Zusätzen entfernen, damit sie nicht mehr bezahlen als geplant. Die neu lancierte Webseite da-pa.ch informiert über diese Praktiken und klärt Konsument:innen auf.

Konzert-Tickets in der Schweiz kosten im europäischen Vergleich ohnehin mehr. Häufig sind die Konzerte in der Schweiz die teuersten einer Europa-Tournee. Umso problematischer ist es, wenn Verkaufsplattformen die Tickets während des Kaufprozesses zusätzlich verteuern. Dabei kommen sogenannte Dark Patterns zum Einsatz. Das sind gezielt eingesetzte, manipulative Gestaltungselemente auf Webseiten oder Apps. Der Konsumentenschutz hat den Kaufvorgang von fünf Anbieterinnen auf solche psychologische Tricks in der Bedienoberfläche untersucht.

Zusatzleistungen standardmässig aktiviert

Die Erhebung des Konsumentenschutzes zeigt: Vier von fünf Ticket-Verkaufsplattformen versuchen, den Konsument:innen beim Kauf Zusatzleistungen unterzujubeln. Bei allen vier ist standardmässig eine kostenpflichtige Ticketversicherung vorausgewählt, die Käufer:innen aktiv abwählen müssen. Besonders auffällig ist die Schweizer Plattform Eventfrog: Hier muss die vorausgewählte Ticketversicherung pro Ticket einzeln abgewählt werden. Zusätzlich landet standardmässig ein Spendenbeitrag zugunsten von Eventfrog im Warenkorb. Im Stress des Ticketkaufs geht diese Abwahl leicht vergessen, was zu zusätzlichen Kosten für Konsument:innen führt.

Countdown erhöht Kaufdruck

Drei der fünf untersuchten Plattformen setzen zusätzlich auf Countdown-Timer zwischen 10 und 15 Minuten. Sie zeigen an, wie lange die Tickets «reserviert» bleiben. Während dieser Zeit müssen Konsument:innen sich auf der Plattform anmelden, sowie persönliche Angaben und Zahlungsdaten eingeben, um sich die Tickets zu sichern. Dieser künstlich erzeugte Zeitdruck erhöht den Kaufstress und damit die Wahrscheinlichkeit, dass Konsument:innen vorausgewählte Zusatzleistungen wie Ticketversicherungen unbemerkt mitbestellen.
Neben den typischen Dark Patterns wie vorausgewählten Zusatzleistungen und Countdowns, setzen die Ticketplattformen zahlreiche weitere manipulative Gestaltungselemente ein. Häufig werden diese kombiniert eingesetzt.

Ranking (Tabelle) der Ticketplattformen, die am meisten Dark Patterns einsetzen

Was sind Dark Patterns?

Dark Patterns sind manipulativ gestaltete Elemente auf Webseiten und in Apps. Unternehmen lenken Konsument:innen damit gezielt zu bestimmten Entscheidungen – oft um Mehreinnahmen zu generieren. Die Bandbreite an Dark Patterns ist gross. Farbliche Hervorhebungen einer Auswahlmöglichkeit, Countdowns und vorausgewählte Optionen sind nur einige Beispiele.
Viele dieser Dark Patterns bewegen sich rechtlichen im Graubereich, nur vereinzelt verstossen die Manipulationsversuche gegen Schweizer Recht. Der Konsumentenschutz sieht hier klaren Handlungsbedarf: «Dark Patterns müssen besser reguliert und die besonders problematischen sogar verboten werden. Darunter gehören beispielsweise voreingestellte kostenpflichtige Zusatzleistungen.», fordert Sara Stalder, Geschäftsleiterin des Konsumentenschutzes.

da-pa.ch informiert

Auf der neu lancierten Website da-pa.ch informiert der Konsumentenschutz umfangreich über Dark Patterns. In einer Hall of Shame werden konkrete Beispiele aus der Praxis aufgezeigt. Konsument:innen können auf der neuen Webseite ihre selbst entdeckten Dark Patterns melden und damit zur Aufklärung beitragen. Die Stiftung Mercator Schweiz hat den Konsumentenschutz bei der Erstellung der Website unterstützt.

Dark Pattern entdeckt? Jetzt auf da-pa.ch melden