Fragen zu Konsum oder Recht? Hier finden Sie Antworten

Apotheken kassieren kräftig ab: Wer nicht nachhakt, zahlt bis zu 198 % mehr

Der Konsumentenschutz hat Testkäufe von Paracetamol-Schmerzmitteln durchgeführt und grosse Preisunterschiede festgestellt. Nur drei von zehn Apotheken empfehlen auf Anhieb preiswerte Generika. Toppharm-Apotheken bieten in den Stichproben gar kein günstiges Generikum an, Apotheken von BENU und Coop Vitality lediglich auf ausdrückliche Nachfrage. Der Konsumentenschutz kritisiert diese Verkaufspraxis und fordert bessere Beratung hinsichtlich der Preisunterschiede und eine Senkung der hohen Medikamentenmargen.

Apotheken nehmen eine wichtige Beratungsfunktion wahr. Kund:innen, die gängige Schmerzmittel mit dem Wirkstoff Paracetamol kaufen, verlassen sich zu Recht auf gute Beratung. Gleichzeitig sollten sie auch auf Transparenz bei den Preisen und faire Empfehlungen zählen können. Zehn Stichproben bei grossen Apothekenketten in Bern und Zürich zeigen aber: Gerade beim Preis können sich Konsument:innen nicht darauf verlassen. Nur drei von zehn getesteten Apotheken empfehlen auf Anhieb preiswerte Generika: die beiden von Medbase, sowie eine von Amavita.

Viele Apotheken empfehlen teure Medikamente

Die Apotheken von BENU und Coop Vitality hingegen bieten bei den Stichproben erst eine günstige Alternative an, wenn ausdrücklich danach gefragt wird. Besonders gross ist der Preisunterschied bei Coop Vitality: In beiden getesteten Filialen wird zuerst ein Präparat empfohlen, das zusätzlich Koffein enthält, was die Wirkung verstärken soll. Es kostet dafür aber zehnmal (!) so viel wie ein preiswertes Generikum ohne Koffein. Um den versprochenen, stärkeren Effekt zu erhalten, kann Letzteres auch einfach mit einer Tasse Kaffee eingenommen werden, wie eine andere Apotheke empfohlen hat.

Kein preisgünstiges Generikum bei Toppharm

Die Stichproben zeigen: Wer gezielt nach günstigeren Generika fragt, kann viel Geld sparen – allerdings nicht in jeder Apotheke. Die getesteten Toppharm-Apotheken bieten den Testpersonen auch auf Nachfrage kein preiswertes Generikum an. Stattdessen verkaufen sie Medikamente, die mehr als dreimal so viel kosten.

Gute Beratung berücksichtigt auch die Kosten

«Dass nur gerade drei von zehn auf Anhieb ein günstiges Generikum anbieten, wirft kein gutes Licht auf die Beratung der Apotheken. Ob dies an der Sortimentsgestaltung, Marketingdeals, internen Weisungen oder individuellen Mitarbeitenden liegt, können wir nicht beurteilen», erläutert Sarah Lengyel, Leiterin Gesundheit beim Konsumentenschutz. Um das Vertrauen in stationäre Apotheken zu wahren, müssen sich Konsument:innen jedoch darauf verlassen können, dass sie auch zu den Kosten gut beraten werden. Dazu Sarah Lengyel: «Die Gesundheitskosten sind eine grosse Sorge der Konsument:innen. Dass sie bei gleichwertigen Alternativen die günstigere bevorzugen, liegt auf der Hand.»

Konsumentenschutz fordert Verbesserungen

«Wir fordern klare und transparente Informationen. Apotheken sollen aktiv auf günstigere Generika hinweisen und die Preisunterschiede offen nennen», sagt Sarah Lengyel. Zudem ist der Handlungsbedarf auch ausserhalb der Apotheken gross. Die Medikamentenpreise in der Schweiz gehören zu den höchsten weltweit und belasten die Konsument:innen. Vor diesem Hintergrund fordert der Konsumentenschutz, dass die Margen der Medikamente über alle Preisklassen hinweg deutlich gesenkt werden. Den Konsument:innen empfiehlt der Konsumentenschutz, gezielt nach Generika zu fragen, Preise zu vergleichen und Apotheken zu bevorzugen, die auf Anhieb preisgünstige Generika empfehlen. Diese und weitere Tipps zum Sparen beim Medikamentenkauf bietet der Online-Ratgeber des Konsumentenschutzes.