Internetgeschwindigkeit: Muss ich langsames Internet akzeptieren?
Welche Internetgeschwindigkeit erhalte ich von meiner Anbieterin und wie kann ich das überprüfen? Welche Bandbreiten benötige ich für meinen Internetgebrauch? Was kann ich unternehmen, wenn meine Anbieterin die versprochene Geschwindigkeit nicht einhält? Alle Informationen rund um das Thema Internetgeschwindigkeit finden Sie im folgenden Ratgeber-Beitrag.
Das Wichtigste in Kürze
- Schwankungen der Internetgeschwindigkeit sind normal und müssen bis zu einem gewissen Grad akzeptiert werden.
- Beträgt die Internetgeschwindigkeit dauerhaft unter 80 % der vertraglich zugesicherten Leistung UND liegt das Problem bei der Telekomanbieterin und nicht bei Ihren Geräten (Laptop, Router, Kabel, Handy etc.) sollten Sie aktiv werden.
- Verlangen Sie zunächst von Ihrer Telekomanbieterin eine Lösung: Falls möglich eine Erhöhung der Geschwindigkeit; alternativ eine Reduktion der Abogebühr oder der bedingungslose Wechsel auf ein günstigeres Abo.
- Können Sie sich mit Ihrer Anbieterin nicht einigen, wenden Sie sich an die Schlichtungsstelle Ombudscom.
Langsames Internet: Was müssen Sie akzeptieren, was nicht?
Telekomanbieterinnen werben gerne mit schnellen Internetverbindungen. In der Realität wird die beworbene Geschwindigkeit jedoch nicht immer erreicht. Dies kann verschiedene technische Ursachen haben, zum Beispiel veraltete oder lange Leitungen oder die gleichzeitige Nutzung der Verbindung durch mehrere Personen. Gewisse Schwankungen sind unvermeidlich, grössere Abweichungen müssen Sie aber nicht akzeptieren. Die Telekombetreiberinnen versuchen zwar, dies in den allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) auszuschliessen, gemäss dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb dürfen die AGB und die darin enthaltenen Rechte und Pflichten jedoch nicht erhebliche Nachteile zulasten der Kundschaft beinhalten. Dessen sind sich die meisten Konsument:innen aber nicht bewusst. Der Konsumentenschutz empfiehlt Ihnen deshalb, Ihre Telekomanbieterin zu kontaktieren, wenn diese zwei Voraussetzungen gegeben sind:
- Die tatsächliche Geschwindigkeit liegt immer oder meistens unter 80 % der zugesicherten Leistung.
- Die verminderte Geschwindigkeit ist NICHT auf Ihre Geräte (ältere oder langsame Router, Computer, Kabel etc.) zurückzuführen, sondern das Problem liegt sehr wahrscheinlich bei der Telekomanbieterin.
Wie kann ich selbst die Internetgeschwindigkeit messen?
Messen lässt sich die Geschwindigkeit beispielsweise auf networktest.ch (zuunterst auf «Jetzt messen» drücken). Relevant für die meisten Kund:innen ist die Download-Rate – sie zeigt an, wie schnell Sie Daten aus dem Internet herunterladen können. Beim Beispiel unten beträgt sie rund 590 Mbit/Sekunde. Diese Einheit wird meistens auch in der Werbung verwendet.
Richtig messen: Schliessen Sie alle Programme auf Ihrem Gerät und machen Sie den Test gleich neben dem Router (WLAN), um den besten Empfang zu haben. Noch genauere Ergebnisse gibt es, wenn Sie WLAN deaktivieren und Ihren Computer oder Laptop direkt mit einem LAN-Kabel mit dem Router verbinden. Messen Sie mit verschiedenen, möglichst modernen Laptops, Handys oder Tablets. Falls Sie diese nicht zur Verfügung haben, fragen Sie (vertrauenswürdige) Nachbarn oder Gäste.

Liegt es an mir oder an der Telekomanbieterin?
Folgende Hinweise deuten darauf hin, dass die Telekomanbieterin die versprochene Leistung nicht erbringt:
- Alle Geräte, auch moderne, erreichen die versprochene Geschwindigkeit nicht.
- Die Geschwindigkeit wird unabhängig von Wochentag oder Uhrzeit nicht erreicht.
- Die langsame Geschwindigkeit tritt bei einer bestimmten Anbieterin auf, bei der alten Anbieterin oder am alten Wohnort gab es diese Probleme nicht.
- Nachbarn, die bei der gleichen Anbieterin sind, haben das gleiche Problem.
Was tun bei zu langsamen Internet?
Falls die tatsächliche Internetgeschwindigkeit überwiegend tiefer ist als 80% der vertraglich zugesicherten Leistung, kontaktieren Sie Ihre Anbieterin. Möglicherweise gibt es technische Probleme, die sie beheben kann. Wenn das Internet trotzdem nicht schneller wird, verlangen Sie eine Reduktion der Abogebühr oder den bedingungslosen Wechsel auf ein günstigeres Abo. Ist die Internetgeschwindigkeit unzumutbar und gibt es eine Anbieterin an Ihrem Standort, die mehr Leistung bietet, verhandeln Sie über eine sofortige Vertragsauflösung ohne Strafzahlung. Können Sie sich nicht mit Ihrer Anbieterin einigen, wenden Sie sich an die Schlichtungsstelle Ombudscom*. Diese erarbeitete in mehreren Fällen gute Lösungsvorschläge, die die Telekomanbieterinnen akzeptierten: Beispiel 1, Beispiel 2. Ein Schlichtungsgesuch kostet 20 Franken.
*Die Ombudscom ist eine neutrale Schlichtungsstelle, die im Auftrag des Bundes tätig ist. Im Stiftungsrat sind unabhängige Persönlichkeiten sowie Vertreter der Telekomanbieterinnen und der Konsumentenorganisationen vertreten. Der Konsumentenschutz stellt seit Frühling 2025 ein Mitglied.
Welche Internetgeschwindigkeit wird benötigt?
Es kommt grundsätzlich darauf an, wie viele Personen bzw. Geräte gleichzeitig die Leitung nutzen und was im Internet gemacht wird.
Faustregel: Für die meisten Haushalte reicht eine Internetgeschwindigkeit von 40 Mbit/s. Sind häufiger mehrere Personen online und laden Videos herunter oder möchten Filme streamen, empfiehlt sich 100 Mbit/s. Höhere Geschwindigkeiten braucht eine normale Anwender:in in der Regel nicht. Oft liegt der Grund für langsames Internet nicht bei der Leitung, sondern im Haushalt selbst: Ältere WLAN-Router, Handys oder Computer können die schnellen Verbindungen nicht ausnutzen und führen zu reduzierter Internetgeschwindigkeit. Auch Wände, Stockwerke oder Metalltische können die Übertragung per WLAN verlangsamen.
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