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Temu, Shein und Co.: Billig-Online-Shops bieten günstige Preise, aber auch hohe Risiken

In den letzten Jahren sind Billig-Online-Shops wie Temu, AliExpress, Wish, Shein und DHGate rasant gewachsen. Sie locken mit einer riesigen Auswahl an Produkten zu extrem günstigen Preisen. Die Plattformen bergen jedoch auch eine Reihe von Problemen, die nicht unbeachtet bleiben sollten.

Von der Fabrik direkt vor die Haustür

In erstaunlich kurzer Zeit haben meist asiatische Billig-Online-Shops den Schweizer Onlinehandel aufgemischt. Vor allem Temu, Shein und Wish gehören inzwischen zu den meistgenutzten Plattformen im Land.

Ihr Erfolgsrezept ist simpel: Sie liefern die Ware direkt aus dem Produktionsland – meist China – an die Kund:innen. Klassische Strukturen wie Zwischenhändler, Lagerhaltung oder Importabwicklung in der Schweiz entfallen.

Für Konsument:innen ergeben sich dadurch klare Vorteile:

  • Massiv günstigere Preise: Durch den Wegfall der Kosten in der Schweiz, sinken die Endpreise deutlich.
  • Grosse Auswahl: Auf den Plattformen bieten tausende Anbieter:innen ihre Produkte an. Selbst Nischenprodukte, die in der Schweiz kaum erhältlich sind, lassen sich problemlos finden.
  • Empowerment von Konsument:innen: Konsument:innen sind nicht mehr auf lokale Anbieter:innen angewiesen, die asiatische Massenware mit hohen Aufschlägen verkaufen.
  • Schnelle Lieferung trotz Distanz: Dank effizienter Logistik und dem Verschicken als Luftfracht treffen Bestellungen oft bereits nach fünf bis elf Werktagen ein.

Die Risiken und Probleme beim Kauf auf asiatischen Billig-Online-Shops

Neben den Preisvorteilen gibt es jedoch zentrale Unterschiede und Risiken, die Konsument:innen vor einem Einkauf kennen sollten.

Manipulative Werbung und Preisintransparenz

Viele dieser Billig-Online-Shops zeichnen sich nicht nur durch tiefe Preise, sondern auch durch aggressive Verkaufsmethoden und irreführende Benutzeroberflächen (Dark Patterns) aus.

Ziel ist es, bei den Kund:innen den Eindruck zu verstärken, ein Schnäppchen zu machen. Das spricht Belohnungsmechanismen an und verstärkt die Angst, ein attraktives Angebot zu verpassen.

Viele dieser Methoden verstossen gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG). Häufig anzutreffen sind:

  • Falsche oder stark übertriebene Rabattangaben
  • Countdown-Timer und Angaben wie «Nur noch heute!» oder «Fast ausverkauft», die künstliche Dringlichkeit erzeugen
  • Glücksspielelemente wie etwa Glücksräder, Hütchenspiele und Fake-Wettbewerbe mit Suchtpotential

Das SECO ging im April 2025 gegen einzelne aggressive Methoden der Plattform Temu vor, etwa gegen manipulative Glücksspielelemente. Viele andere irreführende Praktiken werden jedoch weiterhin eingesetzt.

Billig produziert, mit Folgen für Umwelt und Arbeiter:innen

Umweltverschmutzung und problematische Arbeitsbedingungen sind bei vielen Produkten seit Jahren bekannt. Die neuen Onlineplattformen verschärfen diese Entwicklung jedoch weiter. Extrem kurze Produktionszyklen, ständig neue Trends und eine immer kürzere Nutzungsdauer der Produkte prägen ihr Geschäftsmodell. Transparenz über Arbeitsbedingungen und Lieferketten fehlt dabei weitgehend.

Besonders sichtbar ist diese Dynamik im Modebereich. Bei Anbieterinnen wie Shein, die teilweise bis zu 1’000 neue Designs pro Tag auf den Markt bringen, ist mittlerweile von «Ultra Fast Fashion» die Rede. Die Folgen sind eine massive Überproduktion, schlechte Arbeitsbedingungen und eine hohe Umweltbelastung.

Hinzu kommt der Transport: Die Lieferung per Flugfracht verursacht im Vergleich zum Schiffstransport einen rund 50-fach höheren CO₂-Ausstoss.

Konsument:innen tragen das volle Risiko

Die asiatischen Plattformen unterstehen nicht dem Schweizer Recht. Bestellen Konsument:innen dort, werden sie selbst zu Importeur:innen. Denn viele Plattformen treten rechtlich nur als Vermittler:innen auf. Damit geht die Verantwortung für Produktsicherheit und Legalität automatisch auf die Käufer:innen über.

Garantie und Gewährleistung:

Grundsätzlich gilt auch hier bei vielen Plattformen ein zweijähriges Gewährleistungsrecht. In der Praxis ist diese jedoch kaum durchsetzbar. Verkäufer:innen und Hersteller:innen sitzen im Ausland und sind dadurch so gut wie nicht greifbar. Im Schadensfall bleiben Käufer:innen daher in der Regel auf den Kosten sitzen.

Produktsicherheit:

Unabhängige Stichprobentests zeigen immer wieder problematische Ergebnisse über gesundheitsschädigende Schadstoffe in Kinderspielzeugen, Kleidung oder Beauty- und Hautpflegeprodukten. Auch bei Elektronik gibt es Berichte über nicht eingehaltene Sicherheitsstandards, wodurch Überhitzung, Stromschläge und Brandgefahr entstehen können.

Gefälschte Ware:

Auf den Plattformen tummeln sich auch viele gefälschte Markenartikel. Auch hier tragen die Besteller:innen das volle Risiko. Wird die Ware am Zoll abgefangen, drohen hohe Schadensersatzforderungen und Umtriebsentschädigungen. Haben Sie einen gefälschten Markenartikel erhalten, können Sie dies mit unserem Musterbrief melden.

Illegale Produkte:

Der Import von illegalen Produkten passiert schneller, als viele vermuten: Rauchbomben für Gender-Reveal-Partys, Wasserpistolen mit Waffenoptik und Messer verstossen oft gegen Schweizer Importvorschriften. Importieren Sie illegale Produkte, drohen empfindliche Strafen. Die Einführung dieser Produkte wird auch mit Strafe sanktioniert, wenn Sie dies unwissentlich tun.

Fazit

Internationale Onlineplattformen bieten durchaus Chancen für Konsument:innen: Tiefere Preise, eine grosse Auswahl und ein direkter Zugang zu den Produzent:innen setzen bestehende Marktstrukturen unter Druck. Allerdings überwiegen derzeit die Risiken, etwa durch manipulative Verkaufsmethoden, fehlende Produktsicherheit sowie ökologische und soziale Folgen. Ein grosser Teil der Verantwortung und der Risiken liegt dabei bei den Konsument:innen selbst. Der Konsumentenschutz rät daher zur Zurückhaltung. Wer dennoch auf solchen Plattformen einkauft, sollte sich der Risiken bewusst sein und nur gut informiert auf Schnäppchenjagd gehen.

Merke: Konsument:innen sind für den Import der Ware verantwortlich

 

  • Achten Sie auf Dark Patterns und manipulative Verkaufsmethoden
  • Kaufen Sie nur Ware, bei der Sie sich sicher sind, dass sie in der Schweiz erlaubt ist.
  • Seien Sie sich über die Risiken betreffend Produktsicherheit und Gewährleistungsrechte bewusst.
  • Achten Sie bei elektrischen Geräten auf Prüfzeichen und einen Schweizer Stecker.
  • Geben Sie zweifelhafte Geräte niemals weiter, sondern retournieren Sie das Produkt.