Betrug bei Kleinanzeigen: Was tun?
Kleinanzeigen im Internet sind praktisch: Ob Möbel, Elektronik, Raritäten oder Secondhand-Kleidung, auf Plattformen wie tutti.ch, anibis, Ricardo oder Facebook Marketplace finden sich schnell Schnäppchen oder neue Besitzer:innen für ungenutzte Dinge. Doch Vorsicht: Zwischen seriösen Angeboten lauern auch Betrüger:innen. Sie zielen sowohl auf Käufer:innen als auch auf Verkäufer:innen ab.
Bekannte Betrugsformen
- Scheinware: Ihnen werden Artikel zu einem sehr attraktiven Preis angeboten. Das Angebot wirkt einmalig und sobald Sie die Verkäufer:in kontaktieren, werden Sie unter Druck gesetzt. Eine persönliche Abholung lehnen die Betrüger:innen ab, weil sie angeblich im Ausland leben oder gerade unterwegs sind. Nach der Zahlung wird der Artikel aber nie geliefert. Oft verwenden Betrüger:innen gestohlene oder auf falschen Namen lautende Profile, um dadurch seriöser zu wirken.
- Scheinkäufer:innen: Auch Verkäufer:innen sind Ziel von Betrüger:innen. Scheinkäufer:innen täuschen Zahlungen mit gefälschten Zahlungsbelegen oder gefälschten Bankbestätigungen vor. Sobald Sie die Ware erhalten, brechen Sie den Kontakt ab. Die angebliche Zahlung hat nie stattgefunden und trifft auch nicht mehr ein.
- Treuhandbetrug: Da die Verkäufer:in angeblich im Ausland wohnt, soll das Geschäft über neutrale Spediteur:innen abgewickelt werden. Diese übernehmen angeblich die Funktion einer Treuhänder:in. Die Käufer:in überweist das Geld an die Spediteur:in, welche den Betrag erst nach Erhalt der Ware weiterleiten soll. In Wirklichkeit handelt es sich um eine raffinierte Betrugsmasche, denn das Speditionsunternehmen existiert gar nicht. Webseiten, E-Mails und Dokumente sind allesamt gefälscht und das Geld fliesst direkt an die Betrüger:innen.
- Phishing: Betrüger:innen versenden Links zu gefälschten Zahlungsseiten, um an sensible Daten zu gelangen. Dort werden E-Banking- oder Kreditkarteninformationen abgegriffen, mit denen die Cyberkriminellen anschliessend die Konten leerräumen. Weitere Informationen zu Phishing-Maschen finden Sie in unserem Online-Ratgeber.
Info-Stealer – Schadsoftware über WhatsApp
Zunehmend setzen Betrüger:innen auch auf sogenannte Info-Stealer. Dabei handelt es sich um Schadsoftware, die gespeicherte Passwörter, Cookies und weitere persönliche Daten stiehlt.
Da auf den Kleinanzeigen-Portalen oft nur der Versand von Bilddateien möglich ist, versuchen Cyberkriminelle, die Kommunikation auf WhatsApp oder andere Messenger zu verlagern. Seien Sie deshalb vorsichtig und wechseln Sie nicht leichtfertig den Kommunikationskanal. Öffnen Sie niemals .zip-Dateien oder andere Anhänge von unbekannten Kontakten – sie können Schadsoftware enthalten.
In folgenden Fällen ist besondere Vorsicht angebracht
- Das Angebot ist «zu schön, um wahr zu sein».
- Es wird Zeitdruck aufgebaut, sodass keine gründliche Prüfung möglich ist.
- Es werden ungewöhnliche Zahlungs- oder Versandmethoden vorgeschlagen.
- Eine persönliche Übergabe ist nicht möglich.
- Die Transaktion geht an Personen oder Bankkonten im Ausland.
- Die Nachrichten weisen auffällige Sprachfehler auf (häufig durch Übersetzungsprogramme).
Vorsichtsmassnahmen
- Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Prüfen Sie das Angebot und die Modalitäten in aller Ruhe auf Echtheit.
- Recherchieren Sie Anbieter:innen und Drittunternehmen im Internet. Vor vielen Betrüger:innen wird bereits gewarnt.
- Akzeptieren Sie nur bekannte und seriöse Zahlungs- und Transportdienstleister.
- Zahlen Sie nur, wenn Sie sich über die Seriosität der Verkäufer:in sicher sind und verzichten Sie im Zweifel auf den Kauf.
- Nutzen Sie die integrierte Chatfunktion der Verkaufsplattform und wechseln Sie nicht auf private Messenger oder E-Mail.
- Öffnen Sie keine .zip-Dateien.
- Geben Sie keine persönlichen oder sensiblen Daten preis.
- Bestehen Sie auf einer persönlichen Abholung – «Geld gegen Ware».
- Falls ein Versand nötig ist: Schicken Sie das Paket erst, wenn die Zahlung bei Ihnen eingegangen ist.
Ich habe bereits bezahlt – was soll ich tun?
- Informieren Sie sofort Ihre Bank bzw. Ihre Kreditkartenunternehmen.
- Melden Sie das Profil auf der Verkaufsplattform. Die Plattformbetreiber:innen können den Account sperren und andere Käufer:innen schützen.
- Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei und melden Sie den Fall dem Bundesamt für Cybersicherheit (BACS).
Wir empfehlen
Benötigen Sie weitere Informationen? Vereinbaren Sie einen Beratungstermin:
