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Betrug bei Kleinanzeigen: Was tun?

Kleinanzeigen im Internet sind praktisch: Ob Möbel, Elektronik, Raritäten oder Secondhand-Kleidung, auf Plattformen wie tutti.ch, anibis, Ricardo oder Facebook Marketplace finden sich schnell Schnäppchen oder neue Besitzer:innen für nicht mehr benötigte Dinge. Doch Vorsicht: Zwischen seriösen Angeboten lauern auch Betrüger:innen. Sie zielen sowohl auf Käufer:innen als auch auf Verkäufer:innen ab.

Auf Kleinanzeigen-Portalen kaufen und verkaufen hunderttausende Schweizer:innen Artikel secondhand. Leider tümmeln sich darunter auch Betrüger:innen, die seriöse Käufer- und Verkäufer:innen schaden wollen. Mit unserer Auflistung haben Sie einen Überblick über die bekannten Formen von Betrug auf Kleinanzeigen-Portalen wie tutti und anibis.

Bekannte Betrugsformen

Verkauf von fiktiver Ware

Auf Kleinanzeigen-Portalen wie Tutti lassen sich viele günstige Produkte finden. Wenn ein Angebot besonders günstig wirkt, sollten Sie Vorsicht walten lassen. Denn es könnte sich um einen Betrug handeln. Gerade mit günstig inserierten aber begehrten Artikeln versuchen Betrüger:innen ihr Glück. In der Regel bestehen Sie auf einer Bezahlung per Twint und dem Versand des inserierten Artikels – auch wenn sie angeblich in der Nähe wohnen und Sie eine Abholung anbieten. Oft geben die Betrüger:innen als Verweigerungsgrund an, dass sie sich gerade im Ausland befinden. Falls Sie den Artikel kaufen und bezahlen, wird er Ihnen nie geliefert und der Kontakt zu Ihnen wird abgebrochen.

Falls Ihnen das Angebot besonders attraktiv scheint, empfehlen wir das Bestehen auf Abholung. Auch das Bezahlen per Banküberweisung kann Sicherheit bringen, da dann zumindest der richtige Name der Empfänger:in bekannt ist. Zudem wird die Überweisung regelmässig erst am nächsten Tag ausgeführt, bei Bedenken können Sie die Ausführung davor noch stoppen. Bei Bezahlungen per Twint erfolgt keine Überprüfung des Namens und das Geld ist sofort weg.

Achtung: Es kommt vor, dass sich Betrüger:innen auf eine Abholung einlassen, aber eine Anzahlung vor der Abholung verlangen. In diesen Fällen sollten Sie äusserst vorsichtig sein, Anzahlungen bei kleineren Käufen von Privaten sind sehr unüblich. Es besteht das Risiko, dass die angebliche Verkäufer:in nie beim kommunizierten Übergabeort erscheint und Sie Ihre Anzahlung verlieren.

Fiktive Käufer:innen

Auch Verkäufer:innen sind im Fadenkreuz von Betrüger:innen. Angebliche Interessent:innen melden sich bei ihnen und geben an, Ihren Artikel kaufen zu wollen. Sie behaupten, sie hätten die Zahlung bereits geleistet oder täuschen die Zahlungen mit gefälschten Belegen vor. Sobald die Betrüger:innen die Ware erhalten, brechen Sie den Kontakt ab. Die angebliche Zahlung hat nie stattgefunden und wird auch nicht mehr eintreffen.

Akzeptieren Sie als Verkäufer:innen nur die Zahlungsmethoden Bargeld, Twint oder Banküberweisung. Gehen Sie auf angebliche andere Zahlungsmethoden nicht ein und versenden Sie die Ware erst, nachdem Sie das Geld oder die Kontogutschrift erhalten haben.

Falsche Spedition

Da die Käufer:in angeblich im Ausland wohnt, soll das Geschäft über eine Speditionsfirma abgewickelt werden. Diese übernehmen angeblich die umgekehrte Funktion wie seriöse Speditionsfirmen beim Versand auf Nachnahme. Nach Bezahlung durch die Käufer:in sollen sie also den Artikel bei Ihnen als Verkäufer:in abholen. Anschliessend sollen Sie die Versandkosten an die Käufer:in zurückbezahlen. Die E-Mails und allfällige Webseiten und Dokumente der Speditionsfirma sind allesamt gefälscht und das Geld für den Versand fliesst direkt an die Betrüger:innen.

Bestehen Sie auf einer Bezahlung bei Abholung oder Vorauszahlung mit anschliessendem Versand per Post. Gehen Sie auf keinen Fall auf einen Transport über Ihnen unbekannte Speditionsfirmen ein und überweisen Sie diesen auf keinen Fall Geld.

Phishing

Cyberkriminelle haben es mit Phishing sowohl auf Verkäufer:innen als auch Käufer:innen abgesehen.  Sie versuchen regelmässig, Kreditkartendaten, E-Banking- oder Twint-Logins zu erbeuten. Oft versenden die Betrüger:innen dafür Links zu gefälschten Zahlungsseiten, um an die sensiblen Daten zu gelangen. Dort greifen sie eingegebene Daten ab und leeren im Anschluss die erbeuteten Konten leer.

Verwenden Sie für Zahlungen nie Links, die Ihnen eine Person auf einer Kleinanzeigenplattform zusendet. Das gilt für das Tätigen von Zahlungen aber auch den Empfang von Zahlungen. Nutzen Sie immer die offiziellen Apps, um Transaktionen durchzuführen. Falls eine Person Ihnen einen merkwürdigen Link zur Bezahlung oder Auszahlung sendet, sollten Sie den Kauf oder Verkauf direkt abbrechen. Melden Sie solche Personen direkt an die Plattformbetreiber:in.

Info-Stealer – Schadsoftware über WhatsApp

Zunehmend setzen Betrüger:innen auch auf sogenannte Info-Stealer. Dabei handelt es sich um Schadsoftware, die gespeicherte Passwörter, Cookies und weitere persönliche Daten stiehlt.

Da auf den Kleinanzeigen-Portalen oft nur der Versand von Bilddateien möglich ist, versuchen Cyberkriminelle, die Kommunikation auf WhatsApp oder andere Messenger zu verlagern. Seien Sie deshalb vorsichtig und wechseln Sie nicht leichtfertig den Kommunikationskanal. Öffnen Sie niemals .zip-Dateien oder andere Anhänge von unbekannten Kontakten – sie können Schadsoftware enthalten.

In folgenden Fällen ist besondere Vorsicht angebracht

Ausserordentlich gutes Angebot

Wenn der Preis für ein Angebot auf dem Kleinanzeigenportal besonders niedrig ist und dafür keine plausiblen Erklärungen existieren, sollten Sie auf Barzahlung bei Abholung bestehen. Für seriöse Verkäufer:innen dürfte das meistens kein Problem darstellen. Wenn die Verkäufer:in auf Vorauszahlung und Versand pocht, sollten Sie die Finger davon lassen.

Übermässiger Zeitdruck

Wenn Verkäufer:innen (und seltener Käufer:innen) auf tutti & co. Druck auf Sie ausüben, den Kauf rasch durchzuführen, sollten Sie vorsichtig sein. Prüfen Sie die Beschreibung, Preis, Fotos und Aussagen des Gegenübers gründlich. Vergleichen Sie das Angebot mit ähnlichen Angeboten auf demselben oder anderen Kleinanzeigen-Portalen um einen Betrug ausschliessen zu können.

Aussergewöhnliche Zahlungs- oder Versandmethoden

In der Schweiz werden Waren von Privatpersonen in der Regel über die Schweizer Post versendet. Übliche Zahlungsmethoden sind TWINT, Banküberweisung oder Barzahlung.
Prüfen Sie andere vorgeschlagene Zahlungs- oder Versandmethoden penibel. Bestimmte Zahlungsmethoden sind mit einem erhöhten Risiko verbunden, darunter Kryptowährungen oder Geldtransfers wie WesternUnion. Auf keinen Fall sollten Sie einen Zahlungslink der Verkäufer:in für eine Zahlung nutzen.

Abholung nicht möglich

Falls die Verkäufer:in eine persönliche Übergabe des Artikels verweigert, kann das ein Warnsignal sein. Ist die Begründung für Sie nicht überzeugend, sollten Sie auf den Kauf eher verzichten. Wenn die Verkäufer:in keine Übergabe bei sich zuhause möchte, können Sie eine Übergabe am Bahnhof oder an einem anderen öffentlichen Ort vorschlagen.

Personen & Bankkonten im Ausland

Auf Schweizer Kleinanzeigen-Plattformen wie tutti und anibis ist es ein Anzeichen für einen versuchten Betrug, wenn eine Zahlung auf ein ausländisches Bankkonto gefordert wird. Aber auch hier gibt es Ausnahmen: Online-Banken wie Revolut deuten nicht per se auf eine unseriöse Verkäufer:in hin. Und auch ein Schweizer Bankkonto oder eine Schweizer Handynummer für ein Twint-Konto ist keine Garantie dafür, dass es sich um eine seriöse Verkäufer:in handelt.

Sprachliche Auffälligkeiten

Cyberkriminelle können auch aus dem Ausland agieren. Zur Kommunikation auf Tutti und anderen Portalen nutzen sie für ihren Betrug Übersetzungsprogramme oder generative KI. Unübliche Formulierungen oder Satzstellungen können ein Warnsignal sein. Sie können aber auch daran liegen, dass die Verkäufer:in oder Käufer:in eine andere Muttersprache hat.

Vorsichtsmassnahmen auf tutti und co.

  1. Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Prüfen Sie die Bilder, den Preis und die Beschreibung in aller Ruhe auf Echtheit.
  2. Akzeptieren Sie nur bekannte und seriöse Zahlungs- und Transportdienstleisterinnen.
  3. Zahlen Sie nur, wenn Sie die Verkäufer:in als seriös empfinden und verzichten Sie bei Zweifeln auf den Kauf.
  4. Nutzen Sie die integrierte Chatfunktion der Verkaufsplattform und wechseln Sie nicht auf private Messenger oder E-Mail.
  5. Öffnen Sie keine .zip-Dateien, die Ihnen die Verkäufer:in zusendet. Auch bei anderen atypischen Dateien sollten Sie aufpassen.
  6. Geben Sie nur Ihre nötigen persönlichen Daten preis.
  7. Bestehen Sie im Zweifel auf einer persönlichen Abholung und Leistung Zug um Zug, also «Geld gegen Ware».
  8. Falls ein Versand nötig ist: Schicken Sie das Paket erst, wenn die Zahlung bei Ihnen eingegangen ist.

Ich bin einem Betrug zum Opfer gefallen– was soll ich tun?

  1. Informieren Sie sofort Ihre Bank bzw. Ihre Kreditkartenunternehmen. Falls Sie Ihre Bank- oder Kartendaten übermittelt haben, sollten Sie die entsprechenden Konten oder Karten sofort sperren lassen.
  2. Melden Sie das Profil auf der Verkaufsplattform. Die Plattformbetreiber:innen können den Account sperren und andere Käufer:innen vor der Betrüger:in schützen.
  3. Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei und melden Sie den Fall dem Bundesamt für Cybersicherheit (BACS).
  4. Prüfen Sie, ob Ihr Schaden versichert ist (Hausratversicherung, Rechtsschutzversicherung).