Was ist der Sinn und Nutzen eines NFT für mich?
Non Fungible Tokens, kurz NFT, waren während Monaten in aller Munde. Inzwischen scheint der Hype abgeflacht. Blockchain-Fans sehen in NFTs die Möglichkeit, digitale Inhalte einzigartig zu machen und ihnen damit einen monetären Wert zu verschaffen. Kritische Stimmen verweisen zurecht auf fehlende Sicherheiten und ungeklärte Rechtsfragen.
NFT ist die Abkürzung von «Non Fungible Token», was auf Deutsch so viel wie «nicht austauschbare Wertmarke» bedeutet. Jedes dieser Tokens soll also einzigartig sein, weshalb es immer nur einer Person gehören kann. Die Eigentumsverhältnisse dieser Tokens beziehungsweise Wertmarken werden in einer Blockchain festgehalten. Der versprochene Nutzen und Sinn eines NFT liegt also im beweisbaren und einmaligen Eigentum an einem digitalen Inhalt.
Was ist ein Non Fungible Token (nicht)?
In den meisten Medien wird der Eindruck erweckt, dass ein NFT das Eigentum an einer – meist digitalen – Sache (z. B. Bild-, Audio- oder Videomaterial) selbst darstellt. Tatsächlich stimmt das in 9 von 10 Fällen nicht.
Werden die Inhalte auf der Blockchain gespeichert?
Eine Analyse im Jahr 2021 hat allerdings gezeigt, dass in 90 % der Fälle die Inhalte selbst gar nicht auf der Blockchain abgespeichert sind. Vor allem deshalb, weil das Abspeichern von Inhalten auf der Blockchain unheimlich teuer ist. Gemäss diesem Rechner kostet das Speichern einer 1 Gigabyte grossen Datei auf der Ethereum-Blockchain rund 16 Millionen US Dollar in der gleichnamigen Kryptowährung. Das Speichern der NFT-Inhalte auf der Blockchain ist also je nach Inhaltstyp (z. B. Video) nicht praktikabel.
Was wird dann auf der Blockchain gespeichert?
Aufgrund der hohen Kosten wird in der Blockchain lediglich auf den Inhalt verwiesen. Der Grossteil der NFT-Inhalte ist also nur als Link in der Blockchain hinterlegt. NFT-Käufer:innen erwerben genau genommen eine .json Datei, die unter anderem auf den Inhalt (oft ein Bild) verweist.
Diese Links haben die gleichen Einschränkungen wie überall im Internet. Wenn jemand den verlinkten Inhalt löscht oder verändert, bleibt der Verweis in der Blockchain gleich – er führt dann einfach auf einen anderen Inhalt oder gar ins Leere. Damit verliert das NFT seinen Nutzen, da es nicht den Besitz am Inhalt selbst nachweist, sondern lediglich, dass Ihnen ein Link gehört, der zum Zeitpunkt des Erwerbs darauf verlinkt hat. Wird der Inhalt verschoben, verändert, gelöscht oder Ähnliches, bringt Ihnen der Besitznachweis für den Link leider nichts. Einfach ausgedrückt: Wenn die Rolex weg ist, hat der zugehörige Kaufbeleg auch keinen Wert mehr.
Was bedeutet das für mich?
Die Mehrheit der NFTs sind lediglich auf der Blockchain gespeicherte Kaufbelege. Diese belegen, dass der am Ort X auffindbare Inhalt dem Wallet Y gehört.
Wenn der Inhalt verschwindet oder der Ort nicht mehr zugänglich ist, verlinkt die Blockchain ins Nichts und das Non Fungible Token als Eigentumsbeleg ist somit wertlos geworden. Wie viele NFTs schon verloren gingen, ist unbekannt. Sicher ist aber, dass es immer wieder passiert: So ist beispielsweise ein NFT-Musikalbum von 3LAU einfach verschwunden. Rund 1 Jahr zuvor wurde es für insgesamt 11.7 Millionen US Dollar verkauft. Dann verschwand es einfach, ganz ohne Diebstahl durch Cyberkriminelle.
Für Sie bedeutet das also, dass der mit dem NFT gekaufte Inhalt nicht zwingend für immer (oder auch nur einige Jahre) verfügbar bleibt. Unabhängig vom Kauf- bzw. Marktpreis des NFT bleibt dieses Risiko technisch bedingt vorhanden, weshalb Sie es in Ihre Entscheidung miteinbeziehen sollten.
Ist ein NFT ein Werk? Und wer hat die Rechte?
Einzelne NFT bieten (oder versprechen) den Besitzer:innen zwar Vorteile wie exklusive Mitgliedschaften, Zugang zu Events oder physische Produkte, doch der effektive Sinn und Nutzen der meisten NFT ist gleich null. Es ist noch nicht einmal geklärt, ob und inwieweit die Rechte am Inhalt (z. B. dem Bild) tatsächlich auf die Käufer:in übergehen.
Künstliche Intelligenz und Urheberrecht
Zudem streiten sich die Jurist:innen darüber, ob digitale Inhalte, die von einer künstlichen Intelligenz (KI) erstellt wurden, überhaupt als Werke im Sinne des Urheberrechts gelten dürfen. Denn im Urheberrecht wird geistiges Eigentum als menschliche Schöpfung gehandelt. In den USA hat das Copyright Office deshalb wiederholt gegen den Schutz von KI-generierten Inhalten entschieden. Demnach haben sowohl rein KI-generierte Inhalte als auch auf Basis eines Werks mit KI generierte Inhalte keinen urheberrechtlichen Schutz.
Mit KI erstellte NFTs und Urheberrecht
Auch in der Schweiz ist der urheberrechtliche Schutz an die geistige Schöpfung durch einen Menschen gebunden. Grundsätzlich sind KI-generierte Inhalte in der Schweiz also nicht urheberrechtlich geschützt. Nur wenn die zur Erstellung der Inhalte verwendeten Prompts oder Inhalte eine geistige Schöpfung darstellen, könnte auch der KI-generierte Inhalt geschützt sein. Dieses Szenario ist wohl eher unwahrscheinlich. Damit können KI-generierte NFT-Inhalte von Dritten nahezu beliebig verwendet werden.
Was ist der tatsächliche Nutzen/Sinn eines NFT?
Nur wenige NFT-Projekte sind vollständig auf der Blockchain gespeichert und damit wirklich permanent, unveränderbar und dezentral. Die anderen Non Fungible Token können, wie oben beschrieben, verloren gehen. Auch als Investition eignen sich NFTs nur bedingt. Ähnlich wie bei Kryptowährungen ist völlig unvorhersehbar, welche NFT-Projekte an Wert gewinnen werden. Aufgrund der stetig wachsenden Menge ist es aber sehr wahrscheinlich, dass der Marktwert vieler NFTs abstürzen wird. Kein Wunder also, dass der Hype immer wieder mit einem Schneeballsystem verglichen wurde. Ende 2023 haben die meisten NFTs ihren Wert komplett verloren. Diese Entwicklung hat sich bis 2025 nicht gebessert.
Unser Rat an Sie: Falls Sie sich für den Erwerb eines NFT entschliessen – etwa eines der bekannten Affenbilder – sollten Sie sich bewusst sein, dass Sie damit nicht das Werk selbst, sondern nur dessen Kaufbeleg erwerben. Investieren Sie nur so viel in ein NFT, wie Sie zu verlieren bereit sind. Denn wie bei den Kryptowährungen sind die Schwankungen in den Marktwerten enorm – selbst bei den beliebtesten Werken.
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