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Inkassoabzocke auch unter bundesrätlichem Beschuss

zahlungsverkehr, inkasso, verzugsschadenSeit Jahren sind die Gebaren der Inkassobüros ein grosses Ärgernis: Mit unzimperlichen Methoden treiben diese beispielweise bei Schuldnern Beträge ein, für die keine gesetzliche Grundlage besteht. Ihr Geschäftsmodell beruht unter anderem darauf, dass sich Schuldner vor einem Eintrag im Betreibungsregister fürchten. Der heute verabschiedete Bericht des Bundesrates stärkt die langjährigen Forderungen der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) im Kampf gegen Inkassoabzocker.

Die fragwürdige Geldeintreiberei der landläufig bekannten Inkassobüros Intrum Justitia, Infoscore & Co ist seit Jahren ein Hauptärgernis der Konsumentinnen und Konsumenten in der Schweiz. Nicht selten beziehen sich die Forderungen auf gar nicht geschuldete Beträge aus angeblichen Verträgen, die aber nie abgeschlossen wurden, oder sie sind längst verjährt.

In hohem Masse unlauter werden Inkasso-Drohbriefe, wenn darin zusätzlich zur Grundforderung ein „Verzugsschaden“ eingefordert wird. Dabei stellt das Inkassobüro dem Schuldner einen zusätzlichen pauschalen Betrag in Rechnung, abhängig von der Höhe der jeweiligen Grundforderung. Der Branchenverband (vsi) schützt und fördert diese Praxis, indem er eine „Verzugsschadentabelle“ zur Verfügung stellt. Aus Angst vor einem Eintrag ins Betreibungsregister bezahlt die Mehrheit der Leute die Rechnung mit allen Zusatzforderungen.

Nun stellt auch der Bundesrat in seinem heute veröffentlichten Bericht grosse Fragezeichen hinter diese Inkassopraxis. Er verweist insbesondere darauf, dass Unternehmen verpflichtet sind, das Inkasso im Normalfall selber durchzuführen. Einzig in komplizierten, komplexen Fällen wäre es gerechtfertigt, ein Inkassobüro einzuschalten. Dem pauschal in Rechnung gestellten „Verzugsschaden“ fehlt auch nach Meinung des Bundesrates die gesetzliche Grundlage, denn ein Schaden müsste stets konkret nachgewiesen werden.

Auch politisch ist die Inkasso-Branche aktiv: Am 27. März 2017 behandelt die Rechtskommission des Ständerates einen Vorstoss (Motion Schilliger), mit welchem dieser unsäglichen Praxis eine gesetzliche Grundlage geschaffen werden soll. Die SKS wird mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln gegen eine solche Gesetzesanpassung kämpfen!

Vom Parlament umgesetzt wurde erfreulicherweise die Parlamentarische Initiative Abate: Dank ihr wird es in Zukunft leichter möglich sein, dass Dritte (beispielsweise potentielle Arbeitgeber oder Vermieter) von ungerechtfertigten Betreibungen keine Kenntnis erhalten. Grundlose Zahlungsaufforderungen verlieren dadurch endlich ihren wesentlichen Einschüchterungscharakter.

Ein Kommentar zu “Inkassoabzocke auch unter bundesrätlichem Beschuss”



Jan Beugels

Direkte Demokratie?? Ich hatte stets einen hohen Hut auf vom „Schweizer System“ . Jetzt muss ich leider sagen, am Ende regiert auch hier das Geld. Denn trotz Ablehnung der Motion Schilliger fahren die Inkassobüro einfach fort mit dem einfordern von Verzugsschäden. (Tel. bestätigt durch eine Mitarbeiterin der Inkasso Küng)
Wer unternimmt hier endlich mal etwas gegen diese Moderne Wegelagerer, zum Wohle der Einwohner der Schweiz??? (Aerger mit Inkassobüro, rufen Sie mich an, ich helfe Sie gerne beim „bekämpfen“ dieser „Plage“
031.505 10 60

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