Trinkgeld – eine Blackbox für die Gäste
Sie sind zufrieden mit dem Restaurantbesuch und geben grosszügig Trinkgeld. Doch wer erhält das Geld? Die Servicefachleute? Und was ist mit denjenigen, die kochen oder den Abwasch machen? Der Konsumentenschutz hat GastroSuisse aufgefordert, für mehr Transparenz zu sorgen. Das wünschen sich 85 Prozent der rund 1’400 Konsument:innen, welche an einer Online-Umfrage teilgenommen haben. 89 Prozent der Teilnehmenden ärgern sich darüber, dass sie auf dem Kartenlesegerät zuerst die Frage nach dem Trinkgeld beantworten müssen, bevor sie den Rechnungsbetrag begleichen können.
Eine freundliche, aufmerksame Bedienung, leckeres Essen und eine gemütliche Atmosphäre: In der Schweiz ist es immer noch üblich, dies mit einem Trinkgeld zu honorieren. Das ist freiwillig, denn seit 1974 ist der Service im Preis inbegriffen. Dennoch geben viele Restaurant-Besucher:innen häufig ein Trinkgeld. Es ist für Gäste jedoch nicht transparent, wer das Trinkgeld erhält: Ist es nur das Servicepersonal oder auch die Küchenequipe? Und gehören die Personen dazu, welche den Abwasch erledigen oder fürs Putzen zuständig sind?
Das Echo auf eine Publikation zu diesem Thema ist auf grosse Resonanz gestossen. Der Konsumentenschutz hat deshalb eine Online-Umfrage zu diesem Thema durchgeführt. Diese wurde von über 1’400 Personen beantwortet, die Ergebnisse sind klar.
Wer profitiert, wer nicht?
90 Prozent der Umfrageteilnehmenden geben an, dass sie regelmässig bis immer Trinkgeld geben. Wer den Rechnungsbetrag aufrundet oder ein paar Franken zusätzlich dalässt, hat sich nicht dafür zu fragen, wem das Geld nun zugutekommt. Über die Hälfte der Teilnehmenden möchten dies jedoch wissen: 85 Prozent möchten erfahren, wer das Trinkgeld erhält. Genauso viele würden konsequenterweise einen Hinweis auf der Speisekarte oder im Restaurant begrüssen. Nur 15 Prozent interessiert diese Information nicht besonders.

Einen Hinweis – zum Beispiel auf der Getränke- oder Speisekarte – ob und wie das Trinkgeld aufgeteilt wird, fänden 85 % sehr sinnvoll.
Mehr Transparenz hilft allen
Dies würde auch die Angestellten unterstützen: Denn fast ein Drittel der Antwortenden ärgert sich, wenn sie in einem Selbstbedienungsrestaurant per Debit- oder Kreditkarte zahlen und auf dem Kartenlesegerät zuerst die Frage nach dem Trinkgeld beantworten müssen (siehe unten). Wer im Bilde ist, dass das Trinkgeld auch für das Küchenpersonal oder die Reinigung gedacht ist, wird eher Verständnis für diese Aufforderung haben, auch wenn die Konsumation selbst geholt und an den Tisch getragen werden muss.
Der Konsumentenschutz hat GastroSuisse, dem Verband des Gastrogewerbes, die Resultate der Umfrage mitgeteilt und ihn aufgefordert, das Anliegen zu prüfen und für Transparenz zu sorgen – sei es auf der Getränke- und Speisekarte oder mit einem Hinweis im Lokal.
«10, 15 oder 20 Prozent Trinkgeld?»
Neben der fehlenden Transparenz ist das Trinkgeld auch beim Zahlen mit der Karte ein Thema. Die meisten Umfrage-Teilnehmenden empfinden die Frage nach dem Trinkgeld auf dem Lesegerät, wenn sie mit der Debit- oder Kreditkarte zahlen, als unangenehm: Wenn sie die Vorschläge für das Trinkgeld zuerst wegdrücken müssen, fühlen sich 57 Prozent unter Druck gesetzt – oft geschieht dies ja vor den Augen der Angestellten. Besonders ärgerlich empfinden diese Aufforderung knapp 32 Prozent der Antwortenden, wenn es sich um ein Selbstbedienungsrestaurant handelt. Nur 11 Prozent finden das in Ordnung, weil den Angestellten sonst dieses Zusatzeinkommen entgeht.

