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30 Jahre KVG – und die Prämien steigen weiter

2026 wird das Krankenkassenversicherungsgesetz (KVG) und damit die obligatorische Grundversicherung 30 Jahre alt. Trotz Bemühungen steigen die Krankenkassenkosten weiter an, was die Schweizer Bevölkerung stark belastet. Der Konsumentenschutz fordert zum Jubiläum endlich effektivere Kostendämpfungsmassnahmen.

Die ersten Krankenkassen der Schweiz wurden bereits im 19. Jahrhundert gegründet. Nach den beiden Weltkriegen stiegen deren Wichtigkeit, aber auch deren Kosten, stark an. So nimmt die Kritik an den steigenden Krankenkassenprämien auch schon seit den 1960er Jahren stetig zu. 1996 dann wurde das Bundesobligatorium in Form des KVGs verabschiedet. Mit der ersten Teilrevision des Gesetzes im Jahr 2000 wurden unter anderem die Möglichkeit von Prämienverbilligungen und des Versicherungswechsels eingeführt. Seit damals gab es zahlreiche Bemühungen, wirksame Reformen einzuführen. Bis jetzt bleibt eine effektive Lösung aber aus.

Steigende Gesundheitskosten 

Laut einem Bericht des Bundesrates beliefen sich 2023 die Gesundheitskosten in der Schweiz auf 95 Milliarden Franken. Dabei sind die prämienfinanzierten Anteile der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) seit 1996 von 11.3 Milliarden auf 36 Milliarden Franken pro Jahr gestiegen. Pro versicherte Person entspricht das einer Steigerung von 1’723 auf 4’482 Franken jährlich, das bedeutet eine Erhöhung um 160 Prozent. Dieser Kostenanstieg ist gemäss Bericht auf verschiedene Gründe zurückzuführen: den demografischen Wandel, den medizinisch-technologischen Fortschritt, steigende Anforderungen an Qualität und Sicherheit in der Versorgung, die Entwicklung des Leistungskatalogs, zunehmende Inanspruchnahme von Leistungen und strukturelle Anreize im Tarifsystem. Klar ist aber auch: Die nötigen Lösungen, um die Kosten zu dämpfen, sind längst bekannt. Es fehlt am politischen Willen, die Interessen der Konsument:innen über jene der Gesundheitsindustrie zu stellen, was enorme Auswirkungen auf die Schweizer Bevölkerung hat.

Grosse Sorge wegen unzumutbarer Prämien

Bereits 2023 gab ein Fünftel der Bevölkerung an, aus finanziellen Gründen auf einen Arztbesuch verzichtet zu haben. Insbesondere Haushalte mit mittlerem Einkommen sind stark betroffen. Da sie keine Prämienverbilligung erhalten, müssen sie die steigenden Krankenkassenprämien vollständig mit dem eigenen Budget stemmen. Wie schon in den Jahren zuvor, waren 2025 die hohen Prämien mit deutlichem Abstand die grösste Sorge von Menschen in der Schweiz über 18 Jahre. Der Handlungsbedarf, kostendämpfende Massnahmen einzuführen, bleibt weiterhin gross. Mehr Informationen, wie Sie bei den Krankenkassenprämien sparen können, finden Sie in unserem Online-Ratgeber.

Die Interessen der Konsument:innen müssen endlich geschützt werden!

Seit Langem ist klar, welche Massnahmen die Kosten im Gesundheitswesen senken könnten. Andere europäische Länder machen es vor: günstigere Medikamentenpreise und -margen, eine strengere Kontrolle und Korrektur falscher Abrechnungen von Ärzt:innen und Spitälern sowie der Verzicht auf medizinisch nicht notwendige Behandlungen. Damit liessen sich die Gesundheitsausgaben deutlich reduzieren, ohne die Qualität der Versorgung für Patient:innen zu beeinträchtigen. Dennoch geschieht wenig, da jene Akteur:innen, die von diesem milliardenschweren Markt profitieren, im Parlament grossen Einfluss haben.

30 Jahre nach der Einführung der KVG wird es also höchste Zeit, im Parlament die Interessen der Konsument:innen durchzusetzen und effektive Kostendämpfungsinstrumente einzuführen.