Startseite Medienmitteilungen Antibiotikaresistente Bakterien auf Geflügelfleisch

Antibiotikaresistente Bakterien auf Geflügelfleisch

Von 40 Poulet- und Truthahnfleischproben, die bei den Grossverteilern gekauft wurden, enthalten 19 antibiotikaresistente Bakterien: Der Test der Allianz der Konsumentenschutz-Organisationen SKS, ACSI und FRC zeigt ein besorgniserregendes Bild. Dies umso mehr, da 68% der belasteten Proben resistente Keime gegen drei oder noch mehr Antibiotika aufweisen. Diese Resultate veranschaulichen eines der grössten aktuellen Probleme des öffentlichen Gesundheitswesens: Antibiotika verlieren immer mehr ihre Wirksamkeit bei der Bekämpfung von infektiösen Erkrankungen.

Zwei Bakterien, die beim Test gefunden wurden, geben der Medizin besonders Anlass zur Sorge: Die ESBL (Extended-spectrum β-lactamase) für die Kolibakterien, welche auf 42% der Produkte gefunden, sowie die methicillin-resistenten S. aureus (MRSA), die auf 7,5% der Proben festgestellt wurden. Zudem wurden auf 42% der Fleischproben Campylobacter gefunden. Die Hälfte davon zeigte sich resistent gegen ein Antibiotikum. Campylobacter ist der häufigste bakterielle Verursacher von Gastroenteritis (Magen-Darm-Infekt) in der Schweiz und in Europa.

Kranke Tiere fachgerecht zu behandeln und sie nicht leiden zu lassen, ist wichtig. Präventiv Antibiotika zu verabreichen oder sie an einen ganzen Bestand von mehreren tausend Hühnern zu verabreichen statt kranke Tiere zu isolieren und zu behandeln, begünstigt hingegen die Überdosierung und die Entwicklung von Resistenzen.

In der Schweiz ist nur die Gesamtmenge der an Tiere verabreichten Antibiotika-Menge bekannt, aber nicht wann und welche Dosis die einzelnen Tiere erhalten. Eine breit angelegte deutsche Studie der Hochschule Hannover und der Universität Leipzig hat gezeigt, dass ein deutsches Poulet im Durchschnitt während 10 Tagen seines insgesamt 39-tägigen Lebens Antibiotika erhält! Umgerechnet auf ein Menschenleben bedeutet dies, dass ein Mensch während 20 Jahren seines Lebens Antibiotika schlucken würde.

Die Allianz der Konsumentenschutz-Organisationen reagiert

Angesichts der alarmierenden Situation engagiert sich die Allianz der Konsumentenschutz-Organisationen im Nationalen Programm für Massnahmen gegen Antibiotikaresistenzen unter der Leitung des Bundesamtes für Gesundheit. Gemeinsam mit dem Europäischen Verbraucherbüro (BEUC) versucht die Allianz zudem, Einfluss auf die europäische Produktion zu nehmen: Die Ergebnisse der Analyse zeigen, dass importiertes Poulet- und Truthahnfleisch auffallend oft mit resistenten Keimen belastet ist. Das ist nicht unerheblich, denn die Schweiz importiert rund 50% des Geflügelfleisches.

Die Empfehlungen der Allianz:

• Tiererkrankungen sind möglichst zu vermeiden, um einen tieferen Antibiotika-Verbrauch zu erreichen.

• Nur kranke Tiere sollen gezielt und mit möglichst präzisen, abgestimmten Antibiotika behandelt werden. Diese sind durch ein Antibiogramm zu bestimmen.

• Die Behandlung von ganzen Beständen mit tausenden von Tieren ist zu vermeiden, kranke Tiere sollen isoliert und gezielt behandelt werden.

• Die Anwendung und die Menge der Antibiotika-Dosen pro Betrieb und Tier sind genau zu analysieren, damit Schwachpunkte in der Behandlung verbessert werden können. Auch wenn das Bundesamt für Veterinärwesen einen Rückgang der angewendeten Antibiotika-Menge angibt, verfügt man über keine Informationen über die verabreichten Dosen.

• Die Herkunft der resistenten Bakterien muss ermittelt werden, damit die Quelle beim Eierlegen, der Brut, der Mast oder dem Transport der Tiere beseitigt werden kann.

• Die Kontamination muss gestoppt werden, indem man die Verbreitung der Bakterien entlang der Produktionskette analysiert (Schlachtung, Verarbeitung, Verpackung).

• Antibiotika der letzten Generation müssen der Humanmedizin vorbehalten bleiben und dürfen nicht für den Veterinärbereich eingesetzt werden.

Hingegen ist die Desinfektion von Fleisch mit Chlor keine Option für die Konsumentinnen und Konsumenten. Diese amerikanische Technik dient dazu, ungenügende Herstellungspraxen zu kaschieren. Unser Test zeigt hingegen, dass es möglich ist, Fleisch ohne resistente Keime und ohne diese chemische Behandlung, welche die Qualität des Produktes beeinträchtigt, zu produzieren.

Das Wundermittel Antibiotika verliert seine Wirksamkeit

Antibiotika sind eine der wichtigsten medizinischen Erfindungen des 20. Jahrhunderts. Aber die häufige oder nicht korrekte Anwendung führt dazu, dass die Bakterien dagegen resistent werden. Infektionen zu behandeln, die aufgrund dieser resistenten Keime auftreten, wird immer schwieriger bis unmöglich. Gemäss Schätzungen sterben in Europa jedes Jahr rund 25‘000 Personen an einer Infektion mit resistenten oder multiresistenten Bakterien. Die Zahl dieser Infektionen steigt zudem an: Am Universitätsspital Zürich zählte man im Jahr 2010 161 Fälle von ESBL – fünf Jahre vorher waren es noch 30 Fälle.

Die detaillierten Resultate.

Tipps und Informationen zur Risikovermeidung auf dem Faktenblatt.

 


Auf Facebook teilen    Auf Google+ teilen

Es können keine Kommentare hinterlassen werden. Die Kommentarfunktion ist für diesen Beitrag deaktiviert.

Ratgeber

Ratgeber: Mehr als Filet und Steak

Gönnerpreis: 29.00 CHF
Normalpreis: 34.00 CHF

Miniratgeber: Günstig und gut: Lebensmittel

Gönnerpreis: 4.50 CHF
Normalpreis: 9.50 CHF

Ratgeber: Food for Kids

Gönnerpreis: 19.00 CHF
Normalpreis: 24.00 CHF


Hosting von oriented.net