Startseite Themen PostFinance und die Biometrie

PostFinance und die Biometrie

PostFinance rühmt sich, bei den biometrischen Authentifizierungsmethoden zuvorderst mitzumischen. Wer die PostFinance App nutzt, kann sich seit neuestem via Fingerprint oder Face ID einloggen. Praktisch und bequem ist das allemal. Aber wie verträglich sind derartige Methoden für die Wahrung unserer Privatsphäre?

Bereits seit September 2018 bietet die PostFinance die «Dienstleistung» Stimmerkennung an: Von Kunden, die die Kundenhotline anrufen, werden Stimmprofile angelegt. Die Identität der Anrufenden könne so schneller und sicherer festgestellt werden als über Sicherheitsfragen, so PostFinance.

Ein derartiges Verfahren öffnet aber Tür und Tor für die biometrische Vermessung von Personen.

Mit einem Stimmabdruck ist es möglich, eine bestimmte Person anhand der Stimme wiederzuerkennen und damit zu identifizieren. Das abgelegte Stimmmuster stellt somit ein sehr persönliches, biometrisches Datum dar – vergleichbar mit einem Fingerabdruck. Es ist damit möglich, einen Menschen auch in anderen Kontexten zu erkennen, zu beurteilen, einzuordnen, zu qualifizieren etc..

Auf ihrer Internetseite teilt PostFinance an einem schwer auffindbaren Ort mit (Häufige Fragen / Werde ich vorgängig über den Einsatz der Stimmerkennung informiert?), der Kunde würde mittels Ansagetext auf die Stimmerkennung aufmerksam gemacht und er könne die Zustimmung dazu zurückziehen. Gemäss Selbsttest erklingt jedoch lediglich die Ansage, das Gespräch könne für Sicherheits- und Wiedererkennungszwecken aufgenommen werden.

Dass eine Stimmerkennung aktiviert ist und dass diese vom Kunden aktiv ausser Betrieb gesetzt werden muss, erfährt der Kunden – wenn überhaupt – durch Zufall.

Interessant: Für PostFinancekunden aus dem EU-Raum ist die Stimmerkennung dank der strengeren EU-Datenschutzgrundverordnung standardmässig nicht aktiviert. Der EU-Bürger muss sein explizites Einverständnis geben. Ein augenfälliges Beispiel von Inländerdiskriminierung.

Neu im Angebot: Fingeprint und Face ID

Als neuste biometrische Login-Verfahren bietet PostFinance seit Juni 2019 den Fingerprint und die Face ID an. Sie kommen beim Einloggen in die PostFinance App auf Apple-Geräten zur Anwendung. Laut Apple werden die Referenzdaten bei Face ID nur auf dem Smartphone gespeichert, sind dort mit 100%-iger Sicherheit aufbewahrt, also unknackbar, und auch das Betriebssystem kann nicht auf die Daten zugreifen.

Was ist aber bei anderen Anbieter, anderen Betriebssystem, die mit tieferen Sicherheitsstandards arbeiten?

Und was, wenn Apple doch mal die Lust packt und sich kurzerhand mit einer Anpassung im Kleingedruckten (die niemand lesen wird) das Recht verschafft, auf die Daten zuzugreifen?

Jetzt ist das Nutzen von biometrischen Login-Verfahren noch freiwillig. Niemand kann aber garantieren, dass dies auch so bleiben wird.

Man wird also das ungute Gefühl nicht los, dass auch Fingerprint und Face ID, die jetzt noch harmlos als effizientes Login-Verfahre daher kommen, nur Türöffner sind für eine umfassende Vermessung unserer Persönlichkeit. Nicht nur im privaten Bereich – je erfolgreichen Geräte und Anwendungen sind, die auf Gesichtserkennung setzen, umso eher wird die Gesichtserkennung auch im öffentlichen Raum eine im besten Fall unangenehme, aber trotzdem akzeptierte Nebenerscheinung sein.

Biometrische Wiedererkennungsmethoden sind insgesamt datenschutzrechtlich bedenklich. Sie können unsere Grund- und Freiheitsrechte direkt beeinflussen. In jedem Fall ist eine explizite Zustimmung des Kunden notwendig. Dies stellte der EDÖB bereits 2017 fest.

Unser Tipp: Seien Sie sparsam im Umgang mit Ihren Daten.

Weitere Antworten zu Fragen rund um den Datenschutz finden Sie hier


Das können Sie tun

💥Meldung machen
💳Spenden

Medienmitteilungen zum Thema
Alle News anzeigen
Nützliches

Ich mache an die SKS zum Thema 'PostFinance und die Biometrie' folgende Meldung:

Vielen Dank für Ihre Meldung.
Die Meldung wird an die Projektleitung geschickt und fliesst in die Projektarbeit ein.

Es ist ein unbekannter Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es später nochmals.

Spenden

Projektspende

Preis:

Unsere Arbeit wird durch eine breite Gönnerschaft finanziert. Deshalb können wir uns jeden Tag völlig unabhängig und schlagkräftig für Ihre Interessen als Konsumentin oder Konsument einsetzen.

Unterstützen Sie jetzt unsere Arbeit mit einem Beitrag: wählen Sie unten die Spendenhöhe und bezahlen sie online oder mit Einzahlungsschein.

Herzlichen Dank!



Ratgeber

Webcam-Abdeckung (2-er Set)

Gönnerpreis: 6.90 CHF
Normalpreis: 7.90 CHF

Datenschutzhülle für Kredit- und Debitkarten mit RFID-Chip

Gönnerpreis: 3.00 CHF
Normalpreis: 4.50 CHF

Kombiset: 2-er Set Webcam-Abdeckungen plus 2 Datenschutzhüllen

Gönnerpreis: 10.90 CHF
Normalpreis: 12.90 CHF

Hosting von oriented.net