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Placebo-Massnahmen senken Gesundheitskosten nicht

Der Konsumentenschutz begrüsst, dass der Bundesrat endlich ein erstes Massnahmenpaket zur Gesundheitskosten-Senkung in die Vernehmlassung schickt. Doch die vorgesehenen Massnahmen enttäuschen in zahlreichen Punkten: Der ursprünglich vielversprechende Massnahmenkatalog wurde massiv abgeschwächt, eine effektive Kostensenkung kann so nicht erreicht werden. Anstatt nun endlich die Prämienzahler zu entlasten und schnell und wirksam kostensenkende Massnahmen zu beschliessen, knickt der Bundesrat unter dem Druck der Gesundheitsindustrie ein.

Vergangenes Jahr verfasste eine Expertengruppe im Auftrag von Gesundheitsminister Alain Berset einen Massnahmenkatalog, um die explodierenden Kosten in der obligatorischen Krankenversicherung zu bremsen. Der Konsumentenschutz begrüsste den vielversprechenden Bericht, ebenso die darauf basierenden ersten Massnahmen, welche der Bundesrat im vergangenen März beschloss. Eine erste entsprechende Vorlage wurde heute für die Vernehmlassung verabschiedet. Doch noch vor der parlamentarischen Beratung ist die Hälfte der ursprünglich effektiven Massnahmen weichgespült.

Bereits seit Jahren fordert der Konsumentenschutz beispielsweise das Referenzpreissystem, ein Abrechnungssystem für patentabgelaufene Medikamente. In der Schweiz kosten Generika bis zu sechsmal so viel wie in anderen europäischen Ländern. Ein vernünftiges Medikamentenpreissystem könnte diese realitätsfremden Preise senken und jedes Jahr hunderte Millionen Franken einsparen. Statt, wie vom Expertenbericht gefordert, eine umfassende Version zu pushen, setzt der Bundesrat auf zwei Modelle, wobei das erste Modell kaum Sparpotential aufweist und daher untauglich ist.

Weiter soll die Rechnungskontrolle durch den Patienten verbessert werden. Viele Patienten erhalten keine Kopie von Arzt- und Spitalrechnungen, obwohl die gesetzliche Grundlage hierzu seit Langem existiert. Das zuständige Bundesamt für Gesundheit hat bis anhin jedoch versagt und nie ein Rechnungsobligatorium durchgesetzt. Ob eine Konkretisierung auf Verordnungsstufe daran etwas ändert, ist fraglich. Ausserdem bleibt das Anliegen wirkungslos, wenn die Rechnungen für den Patienten unverständlich formuliert sind. Viel wirksamer wäre eine unabhängige Rechnungskontrollbehörde.

Reformvorschläge zur Tarifierung und Kostensteuerung enthalten gute erste Schritte, doch sollten diese schärfer ausgestaltet werden. Beispielsweise sollten Massnahmen zur Kostensteuerung für national geltende Verträge auch gleich auf kantonale Verträge ausgeweitet werden.

Der Konsumentenschutz begrüsst grundsätzlich viele der Stossrichtungen bei den definierten Massnahmen, doch gehen diese zu wenig weit. Die Versicherten leiden immer stärker unter den kontinuierlich und rasch steigenden Krankenkassenprämien, gleichzeitig wird bei der Prämienverbilligung gespart. Das sind fatale Zukunftsaussichten, effektive und schnelle Kostenbremsen sind jetzt nötig!

Sara Stalder, Geschäftsleiterin des Konsumentenschutzes, kritisiert die Vorlage: «Der Bundesrat hätte es massgeblich in der Hand, die Kostenspirale im Gesundheitswesen zu bekämpfen. Aber obwohl die Menschen immer stärker unter der Prämienlast leiden, gibt unsere Exekutive offensichtlich dem Druck der mächtigen Gesundheitsindustrie nach. Da im Parlament noch weitere Verwässerungen der Vorlage zu befürchten sind, wäre eine selbstbewusste und strenge Vorlage zentral!»

 


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Ein Kommentar zu “Placebo-Massnahmen senken Gesundheitskosten nicht”



Lehmann Doris

Ich bin Pflegefachfrau seit 38 Jahren. Wir an der Front wüssten genau , wo gespart werden könnte. Leider werden wir nicht gefragt.
Es kann doch niemand vom Bürostuhl aus wissen, was in der Pflege abläuft…, Hr. Bundesrat!!!

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