Startseite Medienmitteilungen Scheintransparenz über Pharmagelder für Ärzte und Spitäler

Scheintransparenz über Pharmagelder für Ärzte und Spitäler

Gesundheitskosten unter der LupeNach Recherchen der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) zeigt sich, dass die Transparenzinitiative des Branchenverbandes scienceindustries nicht hält, was sie verspricht. Dessen Mitglieder publizieren Zahlen über Zuwendungen an Ärzte, Spitäler und andere Institutionen, sie setzen aber alles daran, diese unübersichtlich zu gestalten und deren Analyse zu erschweren. Die Zeitschrift „Beobachter“ lanciert heute eine Plattform, welche einen besseren Zugang zu diesen Daten ermöglicht.

Die Mitglieder des Branchenverbands scienceindustries haben offengelegt, welche Beträge sie an Ärzte, Spitäler und weitere Organisationen gezahlt haben. Die Zahlen wurden aber in einer Form veröffentlicht, die es unmöglich macht, einen Überblick über die Geldströme zu erlangen. Die SKS hat deshalb scienceindustries und alle 59 beteiligten Unternehmen gebeten, ihr die Daten in geeigneter Form (z.B. als Excel-Dateien) zur Verfügung zu stellen, um diese in verständlicher Form aufzubereiten. Die Rückmeldungen sprechen für sich: 30 Unternehmen reagierten nicht, die anderen 29 haben dies ohne schlüssige Begründung abgelehnt, wie die nachfolgenden Beispiele zeigen:

Ziel […] ist die Schaffung von Transparenz bezogen auf das jeweilige Unternehmen und nicht die Schaffung einer Vergleichsplattform.“ (Mepha)

„Eine unmittelbare Vergleichbarkeit der Daten […] ist damit zwar nicht gegeben. Dies war und ist aber auch nicht das Ziel der Transparenzinitiative. Vielmehr geht es um die Schaffung grösstmöglicher individueller Transparenz.“ (Novo Nordisk)

„Die bereits erfolgte Publikation […] erlaubt allen Interessierten einen ausführlichen Überblick über die finanziellen Transaktionen. Die darin enthaltenen Informationen dienen keinem anderen Zweck als dem Nachweis eines transparenten Geschäftsgebarens und sollten daher auch nicht anderweitig verwendet werden.“ (Baxalta / Shire)

Um die Auswertung der Daten zu erschweren, wenden die beteiligten Pharmaunternehmen verschiedene Tricks an: Die Zahlen müssen bei allen Unternehmen einzeln auf deren oft unübersichtlichen Internetseiten zusammengesucht werden. Viele publizieren ihre Daten lediglich auf PDF-Listen, welche teils über 60 Seiten jede Zahlung einzeln aufführen, ohne einen Totalbetrag anzugeben. Einige verhindern sogar, dass mittels Suchfunktion nach einzelnen Ärzten oder Institutionen gesucht werden könnte. Zudem können die Empfänger auf eigenen Wunsch anonym bleiben. All dies zeigt, dass es sich hierbei lediglich um vorgetäuschte Transparenz handelt.

Zu den Empfängern der Zuwendungen gehören unter anderem auch Universitätskliniken. Das Inselspital in Bern erhielt letztes Jahr 1.9 Mio., Das Universitätsspital Zürich 1.8 Mio. und die Universitätskliniken von Basel und Lausanne je 1.5 Mio. SFr. Auch an andere Institutionen zahlten die Pharmaunternehmen hohe Beträge: Die „Foundation for Research in Rheumatology“ erhielt 1.9 Mio., die „European Association for the Study of the Liver“ 1.5 Mio. SFr.

Artikel Beobachter


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