Startseite Medienmitteilungen Rute für den Schweizer Versandhandel

Rute für den Schweizer Versandhandel

Schweizer Versandhandel torpediert vereinfachte Wareneinfuhr

Noch im März 2010 hat sich der Nationalrat diskussionslos für den Abbau von willkürlichen und viel zu hohen Zollgebühren im grenzüberschreitenden Online-Handel ausgesprochen. Der Wind in Bundesbern hat nun aber gedreht – die Kommission des Ständerats empfiehlt die entsprechende Motion von Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer zur Ablehnung. Ein Beitrag in der Sendung «Kassensturz» von heute Abend beleuchtet die Hintergründe, die zu diesem Sinneswandel geführt haben.

Mit der Motion 09.4209 fordert Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer einen Abbau der Handelshemmnisse im grenzüberschreitenden Online-Handel: Eine Vereinfachung und Verbilligung der Zollgebühren. Einerseits ist vorgesehen, bei importierten Waren die Mehrwertsteuerfreigrenze von fünf auf zehn Franken anzuheben, damit Waren bis rund 130 Franken von der Verzollung befreit sind. Anderseits sollen Speditionsunternehmen dazu verpflichtet werden, die Verzollung zu vereinfachen. Damit könnten die oft unverhältnismässig hohen Kosten gesenkt werden, die Konsumentinnen und Konsumenten bezahlen müssen, wenn sie via Internet Waren im Ausland bestellen.

Der Nationalrat hat eingesehen, dass dieser politische Vorstoss Sinn macht: Am 19. März 2010 hat er den Vorstoss diskussionslos angenommen. Der Wind in Bundesbern hat nun aber gedreht. Die zuständige Kommission des Ständerats (WAK-SR) hat am 22. Oktober 2010 überraschenderweise sehr deutlich die Motion mit 9 zu 2 Stimmen zur Ablehnung empfohlen. In der Sendung «Kassensturz» von heute Abend wird der Frage nachgegangen, wie es zu diesem Meinungsumschwung kam. Die Spur führt zum Verband des Schweizerischen Versandhandels (VSV). Der einflussreiche Verband (Mitglieder sind unter anderem Ackermann, Jelmoli, Ex Libris, Marionnaud, Nestlé Nespresso und La Redoute) hat in Bern intensiv lobbyiert. Der Grund liegt auf der Hand: Können Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten bei ausländischen Online-Händlern einfacher und günstiger einkaufen, steigt der Konkurrenzdruck auf die inländischen Versandhäuser.

Der Ständerat entscheidet am 13. Dezember 2010 definitiv über die Motion. Lehnt er sie ab, bleibt alles beim Alten; das heisst Herr und Frau Schweizer können zwischen zwei Übeln wählen: Entweder zahlen Sie überhöhte Verzollungsgebühren für ausländische Waren oder sie werden vom inländischen Versandhandel geschröpft. Für Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS), ist klar: «Dieses Jahr geht die ‹Samichlaus-Rute› an den Verband des Schweizerischen Versandhandels!»

Die SKS ruft alle unzufriedenen Konsumenten und Konsumentinnen auf, ebenfalls gegen das Lobbying des Verbandes des Schweizerischen Versandhandels zu protestieren und ihnen eine Rute zukommen zu lassen – mehr Informationen dazu finden Sie hier.

9 Kommentare zu “Rute für den Schweizer Versandhandel”



paketdiscount.ch

Das Lobbying war erfolgreich.

Der Ständerat hat heute Punkt 2 der Motion, also die Erhöhung der Erhebungsgrenze von Fr. 5.- auf Fr. 10.- mit 13 ja gegen 26 nein abgelehnt. Damit sinkt die „Freigrenze“ per 1.1.2011 infolge der Erhöhung der Mehrwertsteuer von 7,6 % auf neu 8 % von bisher Fr. 66.00 auf Fr. 62.-. Wäre Punkt 2 der Motion angenommen worden, hätte sich die Freigrenze
stattdessen auf Fr. 125.- erhöht.

Punkt 1 – die vereinfachte Verzollung- wurde, wie zu erwarten war, einstimmig angenommen, aber dieser Punkt wird mit der Einfuhrung von e-dec easy per 1.1.2011 sowieso eingeführt werden, mit oder ohne Motion



M.Kurz

Habe mich genug geärgert und kaufe über Freund in Deutschland ein.
Zollrechnungen zu Garantieservices gehen an den Absender zurück mit:
ich bin nicht der Verursacher.
in Google eingeben: Versandadresse in Deutschland , Packstationen ,
das gibt z.B. paketdiscount.ch , euroretour.ch , deutsche-lieferadresse.com
Artikel dazu:
20min.ch/finance/news/story/Deutsche-Lieferadressen-fuer-Schweizer-24234468
Motto: Sich selber helfen wenn die Gewählten nichts taugen.



Dörig Christof

Wer wählt die Volks-und Ständevertrehter? Wir, die Bürger, Steuerzahler und Konsumenten. Wer bezahlt die National-und Ständerät(innen)? Wir, die Bürger, Steuerzahler und Konsumenten. Wer zahlt, befiehlt, heisst es doch jeweilen. Warum gilt dies hier nicht? Bezahlen die Lobiisten vielleicht mehr? Müssen diese Politiker(innen) nicht irgend einen Eid
ablegen bei der Amtseinsetzung? Wie passt das zusammen?



Thiess

Wie lange lassen sich viele unserer sog. Volksvertreter durch Lobbiisten an der Nase herumführen, dies gilt nicht nur für Konsumentenanliegen! Haben die denn einen Eid auf die Verfassung geleistet und dafür, dass sie sich für die Interessen der Bürger einsetzen oder nicht?
Lobbiismus muss für strafbar erklärt werden und Lobbyisten müssen hart bestraft werden.



Rentsch Johann Heinrich

Sehr geehrte Damen und Herren

Wer per Internet Waren im Ausland bestellt, muss happige
Verzollungsgebühren bezahlen, die manchmal sogar höher sind als der
Warenwert selbst. Diese Situation ist absolut untragbar und muss
geändert werden. Wir fordern Sie deshalb auf, Ihr Lobbying gegen die
Motion 09.4209 «Handelshemmnisse im grenzüberschreitenden
Online-Handel reduzieren» per sofort einzustellen!

Mit freundlichen Grüssen

J.H. Rentsch



Heinz Rahmel

Sehr geehrte Damen und Herren

Wer per Internet Waren im Ausland bestellt, muss happige Verzollungsgebühren bezahlen, die manchmal sogar höher sind als der Warenwert selbst. Diese Situation ist absolut untragbar und muss geändert werden. Wir fordern Sie deshalb auf, Ihr Lobbying gegen die Motion 09.4209 «Handelshemmnisse im grenzüberschreitenden Online-Handel reduzieren» per
sofort einzustellen!



Felix

Alles korrekt mit den Gebühren. Doch beachten Sie auch – vorallem bei elektronischen Geräten- dass einige Hersteller internationale Garnatie ausstellt – d.h. im Ausland gekaufte Ware hat Garantie, andere wiederum geben nur Garantie, wenn man in der Schweiz kauft….

Nichts damit direkt zu tun, aber in Konstenüberlegungen mit einbeziehen… Denn Garantieabwicklung im Ausland ist sehr kompliziert wegen MWSt., damit man diese nicht wieder bei Rücksendung nach Garantie bezahlt…. Und Transportkosten…



Karl Piller

Ich finde es schade, dass Frau Oberholzer auch die Mehrwertsteuer für importierte Waren in die Motion aufgenommen hat. Die Chancen wären sicherlich besser, wenn man nur die abstrusen Bearbeitungsgebühren angegangen wäre.



paketdiscount.ch

Es werden hier zwei verschiedene Sachen durchmischt. Die Motion Leutenegger-Oberholzer umfasste ursprünglich 4 Punkte. Übrig geblieben sind zwei:
1. die Einführung der vereinfachten Verzollung für Kleinsendungen (Sendungen unter 1000kg und unter 1000 Fr. Sendungswert)
2. Die Erhöhung der Erhebungsgrenze von derzeit Fr. 5.- auf Fr. 10.-
Zu 1. Die vereinfachte Verzollung wird per 1. Januar 2011 eingeführt, mit oder ohne Motion. Sie gilt für sogenannte zugelassene Empfänger die die Importe auf dem elektronischen Weg e-dec vornehmen. Hierfür wurde speziell das vereinfachte Verfahren e-dec easy geschaffen. Kleinsendungen die sowohl bei der Mehrwertsteuer wie auch bei allfälligem Zoll
unter der Erhebungsgrenze liegen, können neu sogar in einer Sammelanmeldung, mit einem Kleber oder Stempel sehr einfach angemeldet werden. Kleinsendungen die über der Erhebungsgrenze aber unter Fr. 1000.- Sendungswert (Warenwert + Porto) liegen, können im vereinfachten Verfahren angemeldet werden, welches weniger zeitraubend ist und mit weniger
Angaben auskommt.
Allerdings wird die Anmeldung mit e-dec easy nicht zwingend vorgeschrieben sein. Es ist anzunehmen, daas die zugelassenen Empfänger dieses vereinfachte Verfahren wohl anwenden werden. Ob sie die Vorteile in Franken und Rappen an den Paketempfänger weitergeben, bleibt abzuwarten.
Die Vereinfachung wird mit oder ohne Motion eingeführt, aber nicht verbindlich erklärt.

Zu 2. Wird die Motion abgelehnt, wird die Erhebungsgrenze für die Mehrwertsteuer oder Zölle nicht von heute Fr. 5.- auf Fr. 10.- angehoben. Das heisst, dass in Folge des auf 1.1.2011 vom Volk für die Sanierung der IV beschlossenen Erhöhung des Mehrwertsteuersatzes von 7,6 % auf 8 % der sich daraus ergebende „Freibetrag“ von derzeit Fr. 65.- auf
neu Fr. 63.- sinken wird. Wird die Motion angenommen steigt der „Freibetrag“ von Fr. 65.- auf Fr. 125.- (nicht Fr. 130.- wegen der Erhöhung der Mehrwertsteuer). Es geht dabei auch nicht nur um den Warenwert sondern um den Sendungswert. Dieser besteht aus dem Warenwert, dem Porto bis zum ersten Empfänger und allfälligen weiteren Kosten.
Ob und inwieweit Zölle erhoben werden, hängt von verschiedenen Faktoren ab, so von der Art der Waren, deren Herkunft und dem Brutto-Paketgewicht.

Ratgeber

Kleber-Set

Gönnerpreis: 3.00 CHF
Normalpreis: 6.00 CHF

Hosting von oriented.net