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Swissmedic schützt massives Sponsoring von Pharmafirma

Unverständlicher Entscheid

745 Gynäkologinnen und Gynäkologen erhalten von Bayer (Schweiz) AG eine Website im Wert von 56 000 Franken gesponsert. Das ist eigentlich widerrechtlich, weil das Heilmittelgesetz nur Geschenke im „bescheidenen Wert“ bis Fr. 300 erlaubt. Dennoch findet die Aufsichtsbehörde Swissmedic keinen Grund zum Einschreiten. Begründung: Theoretisch könnten sich auch 190 Gynäkologen zusammenschliessen, um gemeinsam eine Website zu betreiben.

Die Firma Bayer, welche verschiedene Medikamente auf dem Gebiet der Gynäkologie im Angebot führt, stellt Gynäkologinnen und Gynäkologen eine fixfertige Website zur Verfügung. Die Informationen über die Praxis füllen die Website-Inhaberinnen selbst ab, den inhaltlichen Teil stellt Bayer praktischerweise fixfertig zur Verfügung.

Die SKS hat den Fall der Aufsichtsbehörde Swissmedic unterbreitet: Artikel 33 des Heilmittelgesetzes (HMG) hält fest, dass Ärzte keine geldwerten Vorteile entgegennehmen dürfen. Ausgenommen sind Geschenke, die einen Wert von weniger als Fr. 300.- aufweisen. Konzept, Umsetzung und Führen einer Website ist jedoch finanziell sehr aufwändig. So aufwändig, dass insgesamt 745 Gynäkologinnen und Gynäkologen das Angebot von Bayer annahmen und die Website aufschalteten. Für Bayer ist Art. 33 HMG kein Problem: Sie teilen die Gestehungskosten von rund 56 000 Franken auf alle Website-Betreiber auf und verteilen diese Kosten nochmals auf eine hypothetische fünfjährige Laufzeit der Website. Resultat gemäss Rechnung von Bayer: Die Website koste pro Betreiber sagenhafte 17.11 Fr. pro Jahr!

Weil nicht der Aufwand der Pharmafirma, sondern der Wert zähle, welche die Ärzte erhalten, berechnet Swissmedic den Wert des „Geschenkes“ richtig auf die 56 000 Franken.  Werden Bayer und die beteiligten Ärzte jetzt also wegen Übertretung des HMG geradestehen müssen? Mitnichten! Swissmedic findet, dass sich theoretisch auch 190 Gynäkologinnen und Gynäkologen zusammenschliessen  und gemeinsam eine Website betreiben könnten. Bei dieser Annahme sinkt der Wert des Geschenkes wieder unter die 300 Franken.  „Im Sinne eines Grenzfalles“ sieht Swissmedic davon ab, irgendwelche Massnahmen gegen Bayer oder die beteiligten GynäkologInnen zu ergreifen. „Eine Beteiligung von derart vielen Praxen aus eigener Initiative an einem einzigen Websiten-Projekt erscheint zwar eher unwahrscheinlich“, schreibt Swissmedic in der Abschlussverfügung und traut offenbar ihrer schrägen Logik und Schlussfolgerung selbst nicht über den Weg.

Mit dieser seltsamen Logik führt Swissmedic das Heilmittelgesetz ad absurdum. Ins Fäustchen lachen können sich die Gynäkologen und die Pharmafirma Bayer. Für die SKS ist die Beurteilung von Swissmedic absolut nicht nachvollziehbar. Die gesetzlichen Vorgaben sind klar, mit schwammigen Hypothesen interpretiert sie die Behörde zugunsten der Pharma. Da stellt sich die Frage, wem sich Swissmedic verpflichtet fühlt?


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Ein Kommentar zu “Swissmedic schützt massives Sponsoring von Pharmafirma”



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