Startseite Medienmitteilungen Früherkennung von Brustkrebs: Qualitätsmängel mit Folgen

Früherkennung von Brustkrebs: Qualitätsmängel mit Folgen

Radiologen und Ärzte reden von Qualität aber längst nicht alle halten sich daran

Bei zu vielen Frauen werden bösartige Krebszellen übersehen und noch mehr Frauen werden mit einem falschen Verdacht konfrontiert, nur weil Radiologen und Ärzte die Qualitätsrichtlinien der EU aus dem Jahre 2003 immer noch nicht einhalten. Der Dachverband der Schweizerischen Patientenstellen (DVSP) und die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) fordern die ärztlichen Fachverbände auf, diese Richtlinien endlich einzuhalten.

Nur mit grosser Erfahrung ist es möglich, unter tausend Röntgenbildern gesunder Frauen die drei bis sechs mit einem kleinen Tumor zu finden. Häufig werden sie übersehen, oder Bildschatten fälschlicherweise als Krebsherde interpretiert. Aus diesem Grund verlangen die EU-Richtlinien u.a., dass alle Bilder von zwei Radiologen unabhängig voneinander gelesen werden, und dass beide Radiologen jährlich mindestens 5000 Röntgenbilder gesunder Frauen interpretieren*. In der deutschen Schweiz, die keine organisierten Screenings kennt, fehlt häufig eine unabhängige Zweitlesung der Mammografien. Sogar in den Westschweizer Kantonen, welche organisierte Screenings einführten, dürfen sich praktisch alle Radiologen an einer der beiden Bildinterpretationen beteiligen. Fast alle dieser Leser interpretieren erheblich weniger als 5000 Bilder gesunder Frauen pro Jahr.

In der neusten Ausgabe der Schweizerischen Ärztezeitung verlangen der DVSP und die SKS, dass Ärzte und Radiologen die Qualitätsrichtlinien der EU endlich in der ganzen Schweiz einhalten, und dass zentrale Auswertungsstellen geschaffen werden, wie es in anderen europäischen Ländern üblich ist. In der deutschen Schweiz dürfen ärztliche Fachverbande wie die Schweizerische Gesellschaft für Seniologie nicht warten, bis der Staat aktiv wird. «Wenn die Ärzte das Beste für die Frauen wollen, dürfen sie nicht auf staatliche Massnahmen warten», sagt Erika Ziltener, Präsidentin der Patientenstellen.

DVSP und SKS fordern: Eine Frau muss autonom und informiert entscheiden können, ob sie an einem Früherkennungsprogramm teilnehmen möchte oder nicht.

Doch ausgerechnet die Frauen im Alter zwischen 50 und 69, die für das Screening in Frage kommen, werden über die Qualität der Screenings im Ungewissen gelassen, überschätzen den Nutzen gewaltig und haben wenig Ahnung von den Risiken und Nachteilen, wie eine wissenschaftliche Umfrage zeigt.**

Artikel Schweizerische Aerztezeitung

* Entschliessung des Europäischen Parlaments zu Brustkrebs, 5.6.2003 (A5-0159/2003). ** Gianfranco Domenighetti et. al: «Women’s perception of the benefits of mammography screening: population based survey in four countries», International Journal of Epidemiology 2003;32:816–821

Stiftung für Konsumentenschutz

Bern, 28. März 2007

 


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