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Die Rechnung zahlen die Konsumenten

Neuorganisation der Medikamenten-Spezialitätenliste

Bei den Medikamentenkosten kann noch einiges eingespart werden. Die SKS hält jedoch wenig von den Vorschlägen der Santésuisse und Interpharma: Medikamente für sogenannte Bagatellerkrankungen sollen von der Spezialitätenliste gestrichen und der Selbstbehalt stufenweise erhöht werden. Zusammen mit den drei anderen Konsumentenorgansiation hat die SKS ihre Einwände Bundesrat Couchepin dargelegt.

Auf den ersten Blick scheint die Idee von Interpharma und Santésuisse interessant. Auf den zweiten Blick zeigt sich aber, dass die Einsparungen, welche diese Vorschläge mit sich bringen würden, wiederum auf Kosten der Konsumentinnen und Konsumenten gehen.

  • Medikamente, welche nicht mehr in der Spezialitätenliste enthalten sind, unterstehen keiner Preiskontrolle mehr. Die Preise werden steigen, befürchtet auch der Preisüberwacher. Im Vergleich zu Deutschland sind OTC-Medikamente 35.7 % teurer, solche auf der Spezialitätenliste hingegen nur 18,9 %. Die Konsumenten müssten also nicht nur mehr Medikamente selbst bezahlen, sondern diese auch noch zu einem höheren Preis erstehen.
  • Die Gefahr besteht, dass vermehrt kassenpflichtige Medikamente verschrieben werden, auch wenn bei einer sogenannten Bagatellerkrankung ein Medikament, dass vom Patient bezahlt wird, geeigneter wäre. Dies ist nicht unproblematisch bezüglich der Kosten und allfälligen Nebenwirkungen.

Die Idee des abgestuften Selbstbehaltes hat den Vorteil, dass die Medikamente weiterhin in der Spezialitätenliste verbleiben und damit einer gewissen Preiskontrolle unterstehen. Allerdings bestehen grosse Fragezeichen, wie und von wem „Krankheiten mit geringem Leidensdruck“, schwere Krankheiten und solche, „die ohne Behandlung zu vorzeitiger Invalidisierung oder zum Tod führen“, definiert werden. Keinesfalls dürfen dies die Krankenkassen allein sein. Sollte ein solches System ernsthaft geprüft werden, forden wir, dass Medikamente für Kinder, für chronische Krankheiten und solche für die Behandlung von schweren Krankheiten vollständig und ohne Franchise von den Krankenkassen übernommen werden. Zudem müssen die Versicherten die Möglichkeit haben, beispielsweise mit der Wahl eines Ärztenetzes oder eines Hausarztes Selbstbehalt oder die Franchise zu steuern.

Die vier Konsumentenorganisation haben ihre Bedenken in einem Schreiben an Bundesrat Pascal Couchepin dargelegt. Sie hoffen, dass man sich auf wirkungsvollere Massnahmen besinnt, etwa auf die bereits lange geforderte Einführung und Förderung von Qualitätszirkeln. Auch die Ärztinnen und Ärzte, welche unnötige Untersuchungen, Therapien und Medikamente verschreiben, müssen in die Pflicht genommen werden.

Stiftung für Konsumentenschutz

Bern, 5. April 2005


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