Startseite Medienmitteilungen Unkontrollierter Internetbereich?

Unkontrollierter Internetbereich?

Versteckte Werbekampagnen für rezeptpflichtige Medikamente

Unter dem Deckmantel der Prävention und Aufklärung werben immer mehr Pharmahersteller im Internet für ihre Produkte. Rechtlich bewegen sie sich dabei oft im Graubereich. So etwa bei der aktuell laufenden Werbekampagne von Novartis „www.nagelpilz.ch“.

Im Heilmittelgesetz steht es klar und deutlich: „Unzulässig ist Publikumswerbung für Arzneimittel, die nur auf ärztliche Verschreibung abgegeben werden dürfen“. Um dieses Verbot zu umgehen, lancieren Pharmafirmen immer mehr so genannte Präventions- oder Aufklärungskampagnen, um indirekt für ihre neuen Produkte werben zu können.

So etwa die Werbekampagne von Novartis für ihr neues Medikament gegen Nagelpilz. Mittels Fernsehspots wurde auf die Internetseite „www.nagelpilz.ch“ aufmerksam gemacht. Diese bietet zahlreiche, durchaus nützliche Informationen zur Diagnose und Prävention der Nagelkrankheit. Selbstverständlich wird im Text der Produktename des Antimykotikums Lamisil nicht erwähnt. Ein Klick auf einen Hyperlink reicht jedoch aus, damit in der Adressleiste der Name „www.nagelpilz.ch“ auf „www.lamisil.ch“ wechselt. Dadurch wird sehr subtil auf den Medikamentennamen hingewiesen.

Ein anderer Fall ist „www.bettnaessen.ch“. Die Webseite, betrieben von einer Interessensgemeinschaft will das Schweigen um das Tabuthema brechen. Gesponsert wird die Webseite jedoch von der Firma Ferring, dessen Medikament Minirin gegen Bettnässen helfen soll. Hinter „www.blasen-schwaeche.ch“ steckt der Medikamentenhersteller Pharmacia, welcher ebenfalls ein Mittel gegen Blasenschwäche herstellt und vertreibt. Unter „www.laralove.ch“ wird es problematischer: Unter dem Hyperlink „Verhütung und Schönheit“ wird die Antibabypille unverhohlen auch als Mittel für schöne Haut angepriesen. Die Webseite vom Pillenhersteller Grünenthal Pharma AG richtet sich explizit an ein junges, weibliches Publikum.

Die Swissmedic sieht sich nicht in der Lage, jede Kampagne en detail kontrollieren zu können. Es fehlen ihr die nötigen Ressourcen dazu. In Anbetracht der stetig steigenden Medika-mentenkosten verlangt die SKS von der Swissmedic, dass diese ihre Kontrollfunktion auch bei der Werbung von Arzneimitteln gewährleistet und konsequent gegen fehlbare Anbieter vorgeht – wie es auch ihr öffentlicher Auftrag ist.

Stiftung für Konsumentenschutz

Bern, 3. Juli 2003

 

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