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Entlasten Sie die Gastronomie!

„Die Diskussion anstossen“ will der Bundesrat mit der heute verabschiedeten Zusatzbotschaft zur MWST-Reform. Und Diskussions- und Spekulationsstoff gibt es genug: Klar ist, dass der reduzierte Steuersatz zukünftig steigen wird. Wie hoch er aber angesetzt werden muss, das bleibt vorerst offen.

Er könnte – voraussichtlich ab 2017 – mehr als das Anderthalbfache des heutigen tiefsten Mehrwertsteuersatzes betragen. Das Anheben des Mindestsatzes wird sich demnach beim Wocheneinkauf deutlich bemerkbar machen.

Denn: Eine solche Situation, serviert auf dem Silbertablett, lässt sich die Anbieterseite nicht ungenutzt entgehen: die Preise der alltäglichen Waren müssten von Staates wegen erhöht werden. Preiserhöhungen könnten damit endlich einmal hieb- und stichfest begründet werden und leuchteten allen ein: Der Gesetzgeber hat es, leider, leider, so gewollt! Dass bei dieser Anpassung die Preise überdimensional gehoben würden, das kann ich Ihnen garantieren.

Es ist aber keineswegs eine logische Konsequenz, dass der tiefste Mehrwertsteuersatz angehoben werden muss. Weil der Bundesrat dem grossen Druck der Gastronomie und der Hotellerie nachgegeben hat, muss aus einer anderen Quelle Geld ins System fliessen. Wirte und Hotelbesitzer forderten seit Jahren lautstark eine Senkung der Mehrwertsteuer – diese wird ihnen nun auf einem Grossteil ihres Angebots gewährt. Ein Wunschtraum, wenn nun davon ausgegangen wird, dass eine Übernachtung oder das Mittagsmenu preislich angepasst würde.

Frankreich hat es vorgemacht: In einer ersten Phase – nach der deutlichen Reduktion des Steuersatzes im Juli 2009 – fanden sich prominent einige tiefere Preise auf den Speisekarten. Ein Rätsel bleibt, ob vor vier Jahren bei Jahresende noch tiefere Menüpreise aufzufinden waren. Auch ist offen, ob tatsächlich Tausende der angekündigten Arbeitsplätzen wegen der Senkung geschaffen wurden. Da die Anhebung dieses reduzierten Steuersatzes von der französischen Regierung bereits wieder beschlossene Sache ist, kann davon ausgegangen werden, dass in unserem westlichen Nachbarland die Rechnung im 2009 ohne den Wirt gemacht wurde.

Könnte die Schweizer Bevölkerung zukünftig von günstigeren auswärtigen Mittagessen profitieren, wäre es möglich, in den Haushaltportemonnaies einen Ausgleich zu schaffen – denn aus diesen müsste im Gegenzug ja mehr Geld für den Wocheneinkauf genommen werden.

Dass dies nicht der Fall sein wird, liegt leider auf der Hand: die Konsumentinnen und Konsumenten werden das monetäre Geschenk an Gastronomie und Hotellerie stemmen und zusätzlich die Preiserhöhungen für alltägliche Güter zu tragen haben.

Unter dem Strich ist die geplante MWST-Reform für den grössten Teil der Bevölkerung ein klares Verlustgeschäft. Dies muss in der heute „angestossenen Diskussion“ immer wieder ins Feld geführt und im Gesetzgebungsprozess schliesslich korrigiert werden!

Sara Stalder

Geschäftsleiterin Stiftung für Konsumentenschutz SKS

Ein Kommentar zu “Entlasten Sie die Gastronomie!”



Ruedi Stricker

Und wieso nicht einfach einen einzigen Satz für sämtliche Leistungen? Weil bei der längst fälligen Abschaffung der Objektförderung zugunsten der Subjektförderung ein Heer von Beamten und Lobbyisten arbeitslos würde?

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