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Erfolg: Der Bund will seinen Prämienrechner ausbauen!

Für die Wahl der Krankenkasse vergleichen Konsumenten immer öfter online die Angebote der verschiedenen Versicherer. Dabei stehen ihnen verschiedene kommerzielle Dienste zur Verfügung und seit 2011 – auf Druck der SKS – auch www.priminfo.ch, der Prämienrechner des Bundesamtes für Gesundheit (BAG).

Letzterem fehlt allerdings bislang die Möglichkeit, auch direkt Beitrittserklärungen bei den gewünschten Versicherern zu deponieren. Das BAG hatte zwar diese Dienstleistung ebenfalls geplant, allerdings drohte im Winter 2011/2012 Comparis damit, ein Verfahren wegen unlauterem Wettbewerb gegen das BAG einzuleiten. Comparis monierte, dass dem BAG für ein solches Angebot die rechtliche Grundlage fehlen würde.

Tatsächlich hätte sich das öffentliche und damit kostenlose Angebot einer solch ausgebauten Dienstleistung negativ auf den Umsatz von Comparis ausgewirkt, die per Mausklick Offerten anbieten. Unverständlicherweise konnte sich Comparis durchsetzen und eine Vereinbarung mit dem BAG unterzeichnen, gemäss welcher der Prämienrechner zwar bleibt, allerdings ohne die direkten Schnittstellen zu den Krankenkassen.

Aus Sicht des Konsumenten scheint dies alles andere als die optimale Lösung zu sein. Denn obwohl kommerzielle Anbieter solcher Vergleichsdienste mit Neutralitätsgarantien werben, ist unklar, inwiefern die Dienste auch tatsächlich neutral sind. Diese Skepsis wird augenscheinlich, wenn man weiss, dass die Versicherer den Vergleichsdiensten jährlich Beträge in zweistelliger Millionenhöhe überweisen müssen. Zu glauben, dass die angebotenen Informationen absolut unabhängig vom jeweiligen Versicherer und dessen Beziehung zum Anbieter der Vergleichsdienste sind, scheint angesichts dessen illusorisch.

Nun ist allerdings Bewegung in diese Problematik gekommen. SP-Nationalrat Stéphane Rossini hat am 27. September 2012 eine Motion eingereicht, die ein neues Zeitalter einläuten soll. Der Bund wird darin beauftragt, die rechtlichen Grundlagen für einen Vergleichsdienst inklusiv Anbindung an die Versicherungen zu schaffen. Erfreulicherweise hat der Bundesrat die Motion Ende letzter Woche angenommen. Damit müssten die Konsumenten ihre Personendaten lediglich einmal, anstatt wie bis anhin mehrmals für den Prämienvergleich und die Beitrittserklärung eingeben. Zudem hätte der Konsument endlich die freie Wahl: Er wäre nicht mehr den kommerziellen Vergleichsdiensten und damit der fraglichen Unabhängigkeit ausgeliefert. Und schliesslich könnten bei den stets steigenden Gesundheitskosten Einsparungen erzielt werden – die Vergütungen der Krankenkassen an die kommerziellen Vergleichsdienste werden hinfällig.

Aus Sicht des Konsumentenschutzes ist dies ein sehr erfreulicher Schritt und wir hoffen, dass das Parlament diese Vorzüge ebenfalls würdigt und der Empfehlung des Bundesrates folgt – trotz des Einflusses der gutbezahlten „Beiräte von Comparis“ (siehe Artikel „Beobachter“ Ausgabe 21/12).

Sara Stalder

Geschäftsleiterin Stiftung für Konsumentenschutz


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2 Kommentare zu “Erfolg: Der Bund will seinen Prämienrechner ausbauen!”



Moses Maimon

Besten Dank Comparis für die Richtigstellungen. Bei der Lektüre schien der Beitrag des Konsumentenschutzes schon etwas einseitig und unklar. Es ist immer wieder erstaunlich, weshalb der sog. Konsumentenschutz entgegen den Interessen der Konsumenten aufgund von politischen Überzeugungen die Initiative Privater versucht zu torpedieren. Wäre es nicht
langsam Zeit für einen politisch neutralen Konsumentenschutz?



Stiftung für Konsumentenschutz

Gegendarstellung von Comparis, zugestellt per Mail am 12.12.12:

Falsch ist: „Letzterem fehlt allerdings bislang die Möglichkeit, auch direkt Beitrittserklärungen bei den gewünschten Versicherern zu deponieren. Das BAG hatte zwar diese Dienstleistung ebenfalls geplant, allerdings drohte im Winter 2011/2012 Comparis damit, ein Verfahren wegen unlauterem Wettbewerb gegen das BAG einzuleiten. Comparis monierte,
dass dem BAG für ein solches Angebot die rechtliche Grundlage fehlen würde.“
Richtig ist: Comparis hat nie mit einem Verfahren wegen unlauterem Wettbewerb gedroht. Comparis hat lediglich die fehlende gesetzliche Grundlage für einen Bundesprämienrechner mit Offertanfragetool kritisiert. Im Winter 2011/2012 konnten die Kassen ein solches Tool an den Bundesrechner anbinden. Das haben sie zum Teil auch getan.

Falsch ist: „Tatsächlich hätte sich das öffentliche und damit kostenlose Angebot einer solch ausgebauten Dienstleistung negativ auf den Umsatz von Comparis ausgewirkt, die per Mausklick Offerten anbieten.“
Richtig ist: Das Angebot ist ebenso wenig kostenlos, wie dasjenige von Comparis. Der Bundesrechner wird durch Steuergelder, die Software für die Online-Offertanfragen resp. die technische Entwicklung bei den Krankenkassen wurde von den Kassen bezahlt. Von „kostenlos“ kann also keine Rede sein, die Vergleichsdienste werden lediglich anders
finanziert. Da über den neuen Bundesvergleichsdienst nur wenige Anfragen bei einzelnen Krankenkassen kamen, waren die Kosten pro Offertanfrage z.T. wesentlich höher als bei Comparis – wie Krankenkassen gegenüber Comparis bestätigten. Es ist auch in keiner Weise so, dass sich der Bundesvergleichsdienst auf den Umsatz von Comparis auswirkt oder dass
wir dies befürchten. Die Kritik von Comparis ist ordnungspolitischer Natur.

Falsch ist: „Unverständlicherweise konnte sich Comparis durchsetzen und eine Vereinbarung mit dem BAG unterzeichnen, gemäss welcher der Prämienrechner zwar bleibt, allerdings ohne die direkten Schnittstellen zu den Krankenkassen.“
Richtig ist: Durchsetzen konnte sich der Rechtsstaat, welcher garantiert, dass der Staat das tut, wozu er auch eine entsprechende gesetzliche Grundlage hat. Für den Bundesvergleichsrechner heisst das, dass er weiterhin sämtliche Grundversicherungsprämien transparent macht und diese Prämien sämtlichen Interessierten für den privaten Gebrauch oder
auch für kommerzielle Zwecke zur Verfügung stellt. Der Staat darf nicht ohne gesetzliche Grundlage Daten der Krankenkassenversicherten sammeln und an die Krankenkassen weiterleiten. Dies hat auch BR Berset so öffentlich bestätigt.

Falsch ist: „Zu glauben, dass die angebotenen Informationen absolut unabhängig vom jeweiligen Versicherer und dessen Beziehung zum Anbieter der Vergleichsdienste sind, scheint angesichts dessen illusorisch.“
Richtig ist: Aus dem Prämienrechner sind genau die Prämien, welche das BAG dem Prämienrechner des EDI und privaten Internetvergleichsdiensten liefert. Die auf comparis.ch publizierten Prämientarife garantieren einen objektiven Prämienvergleich, egal, welche Krankenversicherer mit Comparis einen Vertrag für Online-Offertanfragen abgeschlossen
haben. Comparis vergleicht übrigens nicht nur die Prämien, sondern auch die Kundenzufriedenheit mit den einzelnen Kassen. Auch die Kunden äussern ihre Zufriedenheit sicher nicht nach der Zusammenarbeit von Comparis mit Kassen. Der Bundesvergleichsdienst bietet im Übrigen keine Informationen zur Leistungsqualität der Krankenkassen. Ebenfalls
Medienmitteilungen von Comparis zu für Versicherte relevanten Themen wie Telefonwerbung bzw. die kritischen Reaktionen einzelner Krankenversicherer belegen die Unabhängigkeit von Comparis.

Falsch ist: „Erfreulicherweise hat der Bundesrat die Motion Ende letzter Woche angenommen.“
Richtig ist: Das Parlament entscheidet, ob eine Motion an den Bundesrat überwiesen wird oder nicht. Der Bundesrat kann dem Parlament seine Meinung dazu äussern, bevor das Parlament entscheidet.

Falsch ist: „Zudem hätte der Konsument endlich die freie Wahl: Er wäre nicht mehr den kommerziellen Vergleichsdiensten und damit der fraglichen Unabhängigkeit ausgeliefert. Und schliesslich könnten beiden stets steigenden Gesundheitskosten Einsparungen erzielt werden – die Vergütungen der Krankenkassen an die kommerziellen Vergleichsdienste werden
hinfällig.“
Richtig ist: Der Konsument hat schon jetzt die freie Wahl, wo er sich informiert und auf welchem Weg er die Krankenkasse wechselt. Auch die Krankenkassen wählen die Kanäle für die Kundenakquisition frei (Comparis, andere Internetvergleichsdienste, Makler, Broker eigene Aussendienstleute etc.). Der Fokus der SKS auf die Internetvergleichsdienste
blendet die anderen Akquisitionskanäle bzw. –kosten und den Nutzen der freien Kassenwahl für die Versicherten bzw. die Konkurrenz unter den Kassen, welche durch diese Wahlfreiheit erst Nutzen stiftet und zu geringen Verwaltungskosten von 5.4 Prozent der Grundversicherungsprämien führt, schlicht aus.

Felix Schneuwly
Head of Public Affairs

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