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Australien ist meilenweit entfernt

In Australien werden – neben einem umfassenden Werbeverbot – die Zigaretten ab diesem Herbst in unansehnlich olivgrünen Einheitsverpackungen verkauft. Der Markenname ist ebenfalls in einer Einheitsschrift aufgedruckt, als einzige „Zierde“ sind Abbildungen von grauslichen Folgen des exzessiven Rauchens dargestellt.

Von solch drastischen Massnahmen sind wir in der Schweiz meilenweit – ungefähr der Distanz zwischen Australien und der Schweiz entsprechend – entfernt: Wir lassen die Tabakmultis weitgehend gewähren. Als einziges Land in Europa erlauben wir beispielsweise, dass immer noch Zigaretten-Werbung in Zeitschriften und Zeitungen geschaltet werden kann. Neben dem schweizweit gültigen Verbot von Fernseh- und Radiowerbung, bestimmen die Kantone über weitergehende Einschränkungen der Werbung. Auch da packt man die Zigarettenindustrie mit Samthandschuhen an: Gerade vier Kantone verbieten die Werbung in Kinos, zwei (!) schränken das Sponsoring ein. Bei einer Erhebung über das Ausmass der Einschränkungen der Tabakwerbung kommt die Eidgenössische Kommission für Tabakprävention zu einem eindrücklichen Ergebnis: Weniger Massnahmen gegen die Tabakwerbung ergreifen nur gerade Spanien und Rumänien, von Spitzenresultaten der nordischen Länder ist die Schweiz weit, weit abgehängt.

Dabei ist Sponsoring und das Verteilen von Werbeartikeln, sprich Gratis-Zigaretten-Packungen, ein besonders wirksames Mittel, um Jugendliche und junge Erwachsene anzusprechen: Wer an einem Open-Air oder einem anderen Event von seinesgleichen ein Gratis-Paket in die Hand gedrückt bekommt, wird eher die Zigaretten anzünden, als wenn er sie im Kiosk oder Laden extra kaufen muss. Das ganze Jahr über sehen die Jugendlichen in den Zeitschriften und Zeitungen – etwa regelmässig in der Gratiszeitung 20 Minuten – Werbung für Tabakprodukte. Bereits 13-/14-Jährige erkennen anhand der Werbung über 80% der bekanntesten Zigarettenmarken, auch wenn die Namen und Logos nicht zu erkennen sind!

Da nützt die Werbeeinschränkung  – „Keine Werbung an Jugendliche unter 18 Jahren“ – keinen Deut. Jugendliche konsumieren dieselben Medien, besuchen dieselben Anlässe wie Erwachsene auch. Sponsoring und Werbegeschenke haben zudem den Vorteil, dass sie der breiten Öffentlichkeit verborgen bleiben – man muss schon am Anlass teilnehmen, um zu sehen, wie offensiv die Zigarettenhersteller ihre jugendliche Klientel bewerben. Genau um diese geht es aber: Wer nicht schon als Jugendliche( r) zu rauchen beginnt, wird nach zwanzig vermutlich nicht mehr damit starten. 57,4 % der Raucherinnen und Raucher haben schon vor ihrem 18. Geburtstag mit rauchen begonnen!

Es ist erstaunlich, dass ein Produkt legal verkauft werden darf, das „bei normalen Konsum die Hälfte der Konsumierenden tötet, die Lebenserwartung um viele Jahre verringert und allein in der Schweiz jedes Jahr vermeidbare Kosten in Höhe von mehreren Milliarden Franken verursacht“*.  Noch erstaunlicher ist allerdings, dass wir immer noch zulassen, dass Jugendliche ungeniert beworben werden dürfen und die Politik nicht bereit ist, der Werbung einen deutlichen Riegel zu schieben.

Sara Stalder

Geschäftsleiterin Stiftung für Konsumentenschutz

*Aus dem Bericht „Neue Erkenntnisse zu Marketing und Werbung bei Tabakerzeugnissen“ der Eidgenössischen Kommission für Tabakprävention, 2011


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