Startseite Blog Kein Rezept gegen Antibiotika-Einsatz?

Kein Rezept gegen Antibiotika-Einsatz?

Im Moment scheint es nur ein wirksames Mittel gegen den berüchtigten Feuerbrand – eine ansteckende bakterielle Erkrankung von Obstbäumen – zu geben: Das antibiotikahaltige Spritzmittel Streptomycin. Je nach Witterung und Feuchtigkeit kommt dieses Mittel nun schon seit 2007 zum Einsatz, wenn im Frühling in den befallsbedrohten Gegenden die Apfelbäume blühen. Damit kann vermieden werden, dass Bäume erkranken und zurückgeschnitten oder gar gefällt werden müssen.

Das Bundesamt für Landwirtschaft weist zu Recht darauf hin, dass der Einsatz von Streptomycin auch in Relation zum Antibiotika-Verbrauch in der Tier- und Humanmedizin gesehen werden müsste: Im letzten Jahr wurden schweizweit 186 kg Streptomycin versprüht, für Nutztiere werden rund 70‘000 kg pro Jahr eingesetzt und in der Humanmedizin etwa 50‘000 kg pro Jahr.

Der Einsatz von Streptomycin hinterlässt dennoch ein sehr ungutes Gefühl: Vor fünf Jahren stellte sich heraus, dass minimale Spuren von Antibiotika auf den reifen Äpfeln zurückblieben – eine Möglichkeit, die man vorher kategorisch ausgeschlossen hatte. Die Überprüfung der Früchte von behandelten Bäumen zeigten in den nachfolgenden Jahren keine Rückstände mehr. Im letzten Jahr hingegen stieg der Anteil von verunreinigtem Honig – solcher, der einen Streptomycinrückstand von mehr als 0.01mg/kg aufweist – unerklärlich hoch an: 2010 kaufte der Obstverband 120 kg verunreinigten Honig und vernichtete ihn, im letzten Jahr waren es unglaublich hohe 9‘400 kg. Weshalb das so ist, kann man nur vermuten: Die Witterung, das gute Honigjahr und die hohe Dichte an Bienenstandorten in der betroffenen Ostschweiz?

Aber auch die Resultate von Studien, welche im letzten Jahr im Zusammenhang mit dem Einsatz von Streptomycin durchgeführt wurden, verwirren mehr als dass sie zur Klärung des Gefahrenpotentials beitragen: Die Bakterienflora von behandelten und unbehandelten Obstanlagen liessen keine schlüssigen Resultate in Bezug auf die Resistenzenbildung zu.

Auch ein Versuch mit Schafen gab keinen Aufschluss: Ob die Wiese mit Streptomycin behandelt wurde oder nicht, die Schafe wiesen in beiden Versuchsgruppen während der Versuchsperiode einen Anstieg von resistenten Bakterien auf.

Auch für dieses Jahr hat das Bundesamt für Landwirtschaft BLW den Einsatz von Streptomycin bewilligt. Angesichts der zahlreichen und kaum erklärbaren Überraschungen in den letzten Jahren, welche der Streptomycin-Einsatz mit sich gebracht hat, möchte man den Einsatz lieber heute als morgen stoppen. Zum Bild einer natürlichen und nachhaltig produzierenden Schweizer Landwirtschaft passt dies jedenfalls nicht. Das verwirrende und uneinheitliche Bild, welches der Streptomycin-Einsatz bislang gibt, muss jedenfalls in ein klares Ziel münden: Genügend personelle und finanzielle Ressourcen freizustellen, damit die Forschung von Alternativen zu Streptomycin und die Züchtung resistenter Sorten rascher vorankommt.

Sara Stalder

Geschäftsleiterin Stiftung für Konsumentenschutz

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