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Geistiges und anderes Eigentum

Geistiges Eigentum müsse geschützt werden, meint Comparis Chef Richard Eisler und meint damit wohl, dass er vor allem auch sein reales Eigentum schützen will: Seine Einnahmen aus dem Prämienvergleichsdienst der Krankenkassen. Denn diese sind erheblich – rund 16 Millionen Franken, so wird geschätzt, fliessen von den Krankenkassen und damit von uns Prämienzahlern jährlich in die Kasse des Vergleichsdienstes.

Da passt es Eisler natürlich nicht, wenn das Bundesamt für Gesundheit BAG ihm einen Teil der Einnahmen abgraben will: So wie die SKS zusammen mit anderen Konsumentenorganisationen und -medien dies in den letzten beiden Jahren gemacht hat, will das BAG ab Ende September selbst einen kostenlosen Prämienvergleichsdienst anbieten. Kostenlos für die Versicherten und die Krankenkassen, notabene. Denn wenn man über Comparis eine Offerte bei der Krankenkasse anforderte, musste diese dem Vermittler eine Gebühr von 30, 40 Franken zahlen.  Der Aufwand des BAG von 200’000 Franken scheint mir da gut investiertes Geld – die Prämienzahler sparen insgesamt ein schönes Sümmchen, würde alle die Dienste des BAG und nicht von Comparis in Anspruch nehmen.

Comparis hat rechtliche Schritte gegen die unliebsame Konkurrenz eingeleitet und das BAG musste nun offenbar einen Schritt zurück: Auf www.priminfo.ch wird man nicht direkt auf den Prämienrechner der gewählten Krankenkasse geführt, wie dies bei Comparis der Fall ist. Die von Comparis verwendete Software darf vom BAG nicht angewendet werden – dem geistigen Eigentum zuliebe, welches geschützt ist, argumentiert eben Comparis.

Wer in diesem Herbst über www.priminfo.ch eine Offerte anfragen will, muss also seine Angaben zweimal eintippen. Das ist an und für sich nicht so schlimm, denn so hat man Zeit zu überlegen, ob man eine solche Offerte tatsächlich will. Denn notwendig ist sie nicht. Man kann die Krankenkasse wählen, welche einem entspricht und sich einfach anmelden. In der Grundversicherung ist jede Versicherung verpflichtet, Versicherte unabhängig vom Alter, Geschlecht und Gesundheit aufzunehmen, die Leistung ist bei jedem Anbieter dieselbe.

Besuchen Sie im Herbst also www.priminfo.ch, vergleichen Sie die Prämien und melden Sie sich für das beste Angebot an: Eine Offerte anzufordern ist überflüssig. Etwa so überflüssig, wie die eigenen Pfründe mit dem Argument des geistigen Eigentums durchzusetzen.

Sara Stalder

Geschäftsleiterin Stiftung für Konsumentenschutz

Nachtrag vom 19.09.11: Comparis teilt uns am 16.09.11 mit, dass sie sich unfair behandelt fühlen. Wir weisen an dieser Stelle auf die Medienmitteilung vom 19.08.11 hin – auf der Website von comparis befinden sich ebenfalls Links zur Korrespondenz mit dem BAG.

Nachtrag vom 27. 09.11: Ein aufschlussreicher Artikel im TagesAnzeiger zur Risikoselektion der Krankenkassen


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Ein Kommentar zu “Geistiges und anderes Eigentum”



Andreas Kreis

Seltsame Sicht der Dinge. Soll dann das BAG auch die Fernseh- und Plakatwerbung der Krankenkassen übernehmen? Vielleicht auch den Telefondienst? Ist dann ja Kostenlos (zahlt ja nur der Steuerzahler) und zentralisiert. Wenn die Politik eine marktwirtschaftliche Krankenversicherung will, muss man die Marktmechanismen auch akzeptieren. Vermutlich
stört es das BAG mehr, dass comparis.ch jedes Jahr die Bevölkerung auf das Thema sensibilisiert, den Wechsel einfacher macht und transparenz in den Markt bringt.

Sollte es dem BAG nur um die Kosten gehen, zum wohle des Prämienzahlers, könnte das BAG vermutlich vieeeeel mehr bei der Pharma Lobby einsparen. Ach nein, die sind ja in Bern präsent und bezahlen Parteispenden, Comparis leider nicht. Problem gelöst :-)

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