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Sicher ist nur die Unsicherheit

Sicher ist eigentlich nur, dass es keine Sicherheit gibt: Überraschenderweise müssen im Kanton Thurgau 7,5 Tonnen Honig  vernichtet werden, weil in diesem Honig Spuren eines antibiotikahaltigen Pflanzenschutzmittels festgestellt wurden. Das ist mehr als doppelt so viel wie 2008, als das umstrittene Streptomycin gegen den gefürchteten Feuerbrand zum ersten Mal eingesetzt werden durfte.

Das überrascht. Denn eigentlich hat man in den letzten Jahren viel dazugelernt: Das Bundesamt für Landwirtschaft hat die Anwendungen und die Anwendungszeiten stärker reglementiert und eingeschränkt. Streptomycin darf nicht während den Flugzeiten der Bienen ausgebracht werden. In den letzten beiden Jahren mussten denn auch nur 136 Kilogramm, bzw. 120 Kilogramm Honig aus dem Verkehr gezogen werden.

Aber mit dem Einsatz von Streptomycin ist es ein wenig wie Roulette, scheint es. Und das ist nicht beruhigend: Sehr gross war die Überraschung, als sich 2008 herausstellte, dass es offenbar nicht nur im Honig, sondern auch auf den reifen Früchten der behandelten Apfelbäume zu minimen Antibiotika-Rückständen kommen kann. Mit dieser Möglichkeit hat fast niemand gerechnet. Sowohl Obstverband wie auch die Behörden hatten diese Möglichkeit kategorisch ausgeschlossen.

Während der letzten beiden Jahren bleiben Überraschungen aus, sowohl beim Honig wie auch den Früchten. Routine schien einzukehren bei der Anwendung und der Rückstandskontrolle von Streptomycin. Ruhe gibt es allerdings nicht bei solchen Anwendungen, geben uns die Analyseresultate aus dem Thurgau zu verstehen.  „Wir können uns das nicht erklären“, gibt Bruno Pezzatti, Direktor der Schweizer Obstverbandes, gegenüber den Medien offen zu. Die ganze Angelegenheit ist sehr peinlich für den Obstverband. Und ärgerlich für die Imker, die zwar entschädigt werden, aber den Honig mit Sicherheit nicht produziert haben, um ihn dann verbrennen zu lassen.

Aber auch für die Konsumentinnen und Konsumenten ist es einmal mehr eine unliebsame Überraschung. Antibiotikahaltige Pflanzenschutzmittel stärken nicht das Vertrauen in die Schweizer Landwirtschaft. Die Meldungen über Rückstände im Honig und auf den Früchten noch viel weniger. Das ungläubige Augenreiben bei den Behörden und dem Produzentenverband beruhigen auch nicht eben.

Für die SKS zeigt der verunreinigte Honig einmal mehr, dass der Einsatz von Streptomycin ein Spiel mit vielen Unbekannten ist. Seit Jahren fordern wir, dass die Forschung nach Alternativen energisch vorangetrieben wird und genügend Mittel dafür zur Verfügung gestellt werden. Bis dahin sind strenge Vorgaben für den Einsatz, eine verlässliche Kontrolle und eine offene Kommunikation unabdingbar. Apropos Kommunikation: Wer heute die Website des Obstverbandes besucht, findet unter „Aktuell“ eine Meldung zur laufenden Kirschenernte…

Sara Stalder

Geschäftsleiterin Stiftung für Konsumentenschutz

 

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