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Gefunden: Der richtige Zeitpunkt für Wechselkursvergleiche

Die gleiche Leier, Comparis weist heute wiederum darauf hin: Die Mobilfunkgebühren in der Schweiz sind zu hoch und rutschen kaum. Der Wettbewerb spielt mangelhaft.

In einer Lobby-Dokumentation der Swisscom, die ich vor wenigen Tagen zugestellt erhielt, wird die Sachlage natürlich anders dargestellt. Laut diesen Unterlagen spielt der Wettbewerb, denn ein Kunde oder eine Kundin kann aus 14 Anbietern und insgesamt 105 Produkten auswählen.

Diese Information ist pure Verwirrtaktik: Hinter den „vielen“ Anbietern verstecken sich 3 Netzanbieter mit ihren Gewinnvorstellungen. Und die 105 Produkte haben ausschliesslich die Unvergleichbarkeit der Angebote und damit die Ratlosigkeit der Mobilfunk-Kundschaft zum Ziel. Das ist erwiesenermassen ein taugliches Instrument, um Wettbewerb bereits im Keim zu ersticken.

Zudem wird – wie immer – auf die massive Verteuerung der Mobilfunknetze wegen der in der Schweiz geltenden zehnmal tieferen Strahlenschutzwerte und wegen der Topologie („enge Alpentäler“) hingewiesen. Verschwiegen wird hingegen, dass in keinem Land die Erträge pro Mobilfunkkunde so massiv über den EU-Durchschnitt hinausragen wie in der Schweiz. Hier ist unser Land Spitzenreiter!

Und last but not least (und besonders dreist!): In einem internationalen 11_05_lobbypapier_swisscomVergleich stellt die Swisscom in ihrem Lobbymaterial die Mobilterminierungsgebühren (Gebühren, die sich die Mobilfunk-Netzanbieter gegenseitig verrechnen) wechselkursbereinigt dar, mit dem Stichtag 1. November 2010. Verfolgt man die Schwankungen des Euros, entdeckt man das kurze Zwischenhoch Anfang November des vergangenen Jahres (1.37) mit anschliessend rapidem Abfall. So gilt bereits dreissig Tage später der Euro nur noch 1.30 und zum Jahresende sogar nur noch 1.24.

Die fettmarkierte Randnotiz mit dem grossen Piktogramm-Ausrufezeichen klärt auf, dass diese Terminierungsgebühren bei einem Euro-Wechselkurs von 1.60 (!) dann wieder unter dem EU-Durchschnitt lägen.

Mit den unrealistischen Vorstellungen des marktmächtigsten Mobilfunkanbieters lassen sich vermutlich auch reihenweise Politiker überzeugen – und damit kann erfolgreich verhindert werden, dass per Gesetz ein starker Regulator zu hohe Tarife in einem Umfeld, in welchem kaum Wettbewerb herrscht, korrigieren kann.

Sara Stalder

 

Geschäftsleiterin Stiftung für Konsumentenschutz


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Ein Kommentar zu “Gefunden: Der richtige Zeitpunkt für Wechselkursvergleiche”



Jürg Schmid

Beschämend dass der ehemals öffentlich-rechtliche Betrieb zu solchen faulen Maschen greift. Mit der „Privatisierung“ ist offensichtlich auch die Fairness verloren gegangen. Das wäre ein Fall für die Aufsichtsbehörde.

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