Startseite Blog Das Jammern der Pharma

Das Jammern der Pharma

„Ein Becherli voller Pillen und dies jeden Abend! Wozu? Niemand konnte uns bisher schlüssig Auskunft geben.“ Allerlei Themen hatten wir in unserem Gespräch gestreift, kürzlich auf der Heimfahrt. Doch dieser Satz hat sich bei mir eingeprägt: Eine Bekannte schilderte mir die Situation ihrer Schwiegereltern, die sehr betagt sind, aber mit Pflege-Unterstützung immer noch zuhause wohnen. Vollkommen unverständlich für die Erzählerin ist der immense Medikamentenkonsum, Pillen und Tabletten in allen Formen und Farben: Kuriert wird Bluthochdruck, Schilddrüsenunterfunktion, Magen- und Schlafbeschwerden, vorgebeugt einer Embolie und zu hohem Cholesterinspiegel.

Und – natürlich – müssen auch Pillen geschluckt werden, damit die Nebenwirkungen der diversen Wirkstoffe nicht zu stark zum Tragen kommen. Multimedikation heisst der Fachausdruck und das Phänomen – häufig auch eine Alterserscheinung – findet erst in den letzten Jahren vermehrt Beachtung.

Gestern hat die Pharmaindustrie innerhalb weniger Wochen ein weiteres Mal verkündet, dass ihre Preissenkungen bei den Originalpräparaten Wirkung erzielten. Über 1 Prozent weniger Geld wurde im vergangenen Jahr für Medikamente ausgegeben. Um die Relationen zu wahren: Nur in der Grundversicherung geht es um einen stolzen Betrag von 4.82 Milliarden Franken! Jeder vierte Franken der Grundversicherung wird für Medikamente ausgegeben.

Bereits kurz vor Weihnachten hat die Pharma zusammen mit den Versicherungen verkünden lassen, dass nun die Schmerzgrenze erreicht sei und zukünftig weitere Einsparungen ausgeschlossen seien. Natürlich wird dabei immer die Drohung nachgeschoben, dass bei weiteren Preissenkungen nur noch billige Produkte auf den Markt kämen und damit die gefürchtete Zweiklassenmedizin Realität würde. Und: Dass der Forschungsstandort Schweiz massiv Probleme bekäme. Schöngeredet werden die Zahlen fürs Marketing: In Fachkreisen wird aber vermutet, dass der Werbeaufwand für ein Arzneimittel im Vergleich mit den Kosten von Forschung und Entwicklung rund das Doppelte ausmache.

Führen also weitere Kostensenkungs-Massnahmen bei der Pharma die Schweiz in die pharmazeutische Unterversorgung? Kaum, denn wenn ich an das Zuggespräch denke – und auch an viele andere Meldungen, die uns auf der Geschäftsstelle erreichen -, wird ersichtlich: Besonders älteren Leuten droht das Gegenteil, und dessen Nutzen oder Schädlichkeit sind noch ungenügend erforscht!

Es gibt weiterhin Einsparungsmöglichkeiten in mehreren hundert Millionen Franken pro Jahr: Die konsequente Überprüfung der Liste, auf welcher alle kassenpflichtigen Medikamente aufgeführt sind, brächte sofort grosse Einsparungen, denn die Liste würde unweigerlich kleiner, weil Medikamente der Überprüfung nicht standhielten. Werden nur noch zweckmässige und wirtschaftliche Arzneimittel in vernünftigem Mass abgegeben, dient das letztendlich der Gesundheit und dem Portemonnaie.

Sara Stalder

Geschäftsleiterin Stiftung für Konsumentenschutz

 


Auf Facebook teilen    Auf Google+ teilen

Es können keine Kommentare hinterlassen werden. Die Kommentarfunktion ist für diesen Beitrag deaktiviert.

Ratgeber

Kinder-Impfungen – eine Entscheidungshilfe

Gönnerpreis: 19.00 CHF
Normalpreis: 24.00 CHF

Miniratgeber: Komplementärmedizin

Gönnerpreis: 4.50 CHF
Normalpreis: 9.50 CHF

E-Ratgeber: Komplementärmedizin

Gönnerpreis: 3.50 CHF
Normalpreis: 7.50 CHF


Hosting von oriented.net