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Treffen weniger Prozente Ihren Geschmack?

Bisher wurden die hiesigen Lebensmittel-Industrienormen kaum von der breiten Öffentlichkeit beachtet. Seit einigen Wochen stehen einige Auflagen aber im Rampenlicht: Beispielsweise…

… der Sirup, welcher 30 Prozent Fruchtanteile beinhalten muss

… oder Vollrahm, mit einem Fettanteil von 35 Prozent

… oder der Eieranteil für Eierteigwaren.

In umliegenden Ländern wird das teilweise anders gehandhabt. Dieser Umstand beschäftigt nun seit dem Spätsommer – nach der Einführung des Cassis de Dijon-Prinzips – eine zuständige Stelle im Bundesamt für Gesundheit: Da der Bereich der Lebensmittel besonders sensibel ist, muss das Bundesamt für Gesundheit überprüfen, ob es für den Verkauf in unserem Land Stolpersteine gibt.

Mit einer sogenannten Allgemeinverfügung gibt das Bundesamt das Einverständnis, dass nun auch Lebensmittel in den Regalen stehen dürfen, die nicht unserer Industrienorm entsprechen. Der Gesetzgeber hat aber auch der Lebensmittelindustrie den Weg etwas geebnet: So dürfen neu schweizerische Produzenten nach diesen erteilten Allgemeinverfügungen Lebensmittel herstellen und müssen Schweizernormen nicht mehr beachten.

Da der grösste Teil der Lebensmittel- und Hygienegesetzgebung der EU gleichgeschaltet ist, halten sich die Gesuche, denen das Bundesamt für Gesundheit eine Bewilligung erteilt, in Grenzen: Anfang November wurden elf Allgemeinverfügungen erteilt.

So ist es nun möglich, dass als „Rahm“ definiert werden kann, wenn 5 Prozent weniger Fett drin ist oder Sirup verkauft wird, welcher weniger Fruchtanteile enthält. Zudem kann geriebener Käse als Trennmittel Stärke enthalten oder der in Dänemark getrunkene „Cidre“, welcher nicht unseren gängigen „Cidre“-Vorstellungen entspricht, muss nicht umbenannt und darf demzufolge unter diesem Namen verkauft werden.

Solange eine gut lesbare Deklaration auf dem Produkt vorhanden ist, setzt die neue Regelung genau das um, wofür wir uns stark gemacht haben: die Produktevielfalt wird grösser. Täuschungspotential besteht, wenn ein Produkt verkauft wird, welches keine Deklaration hat: das könnte bei den bisher erteilten Verfügungen beim österreichischen Schinken der Fall sein. Solcher kann in geringem Mass eine erhöhte Wassermenge (um die 4%) aufweisen.

Der Schutz vor Täuschung der Konsumentinnen und Konsumenten ist gegeben, wenn in der Deklaration die – für eine Kaufentscheidung – notwendigen Fakten aufgeführt sind: Dafür setzen wir uns ein!

Ob wässerige Getränke oder Rahm mit weniger Fettanteil den schweizerischen Geschmack treffen oder in die schweizerische Küche passen, diese Entscheidung überlassen wir getrost den Konsumentinnen und Konsumenten.

Sara Stalder

Geschäftsleiterin Stiftung für Konsumentenschutz

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