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Mehr vom Gleichen

„Und wo genau sehen Sie profitable Einnahmemöglichkeiten?“

Diese Frage habe ich am vergangenen Freitag an der SBB-Kundenbeiratssitzung beantwortet. Am gleichen Abend vernahm ich aus den Medien, dass sich auch die Politik während der von-Wattenwyl-Gespräche mit der identischen Fragestellung auseinandergesetzt hatte. Woher sollen die Milliardenbeträge für den Ausbau der Schiene (und der Strasse) kommen?

Die Antworten, die aus der politischen Gesprächsrunde an die Öffentlichkeit drangen, entbehren jeglicher Phantasie: Die Benutzer sollen vermehrt zur Kasse gebeten werden.

So wenig Ideenreichtum? Wie wäre es damit…..

Mineralölsteuer:
Mit grosser Anstrengung wurde der Bevölkerung in den vergangenen Jahren das Fahren mit den öffentlichen Verkehrsmitteln schmackhaft gemacht, denn das Umsteigen vom Auto auf die Schiene entlastet die verstopften Strassen.

=> Die Mineralölsteuer, welche heute dem Ausbau der Strassen dient, soll zukünftig zur Hälfte für den öffentlichen Verkehr verwendet werden. Genau so will es auch die erfolgreiche Initiative des VCS.

Shop-Gewinne:
Seit Jahren entwickelten sich die Bahnhöfe zu veritablen Shopping-Meilen mit traumhaftem Umsatz. So galt die Migros in Shop-Ville vom Zürcher Hauptbahnhof schon vor zehn Jahren als der Laden mit dem europaweit höchsten Umsatz pro Quadratmeter. Die SBB investiert zukünftig eine halbe Milliarde in diese lukrativen Geldquellen!

=> Ohne Zugpassagiere haben die Bahnhof-Geschäfte massiv weniger Umsätze, daher: Die Bahnhof-Shops sollen die Fahrpreise (und nicht nur die Infrastruktur) subventionieren.

Arbeitgeber-Fonds:
In den letzen zwanzig Jahren haben Arbeitgeber ihre Abläufe „optimiert“ und Produktionsstätten oder Büros zentralisiert. Wenn Arbeitnehmer ihre Stelle behalten wollten, mussten sie den längeren Arbeitsweg in Kauf nehmen. Bürotätigkeit von zuhause aus ist mit der IT-Entwicklung im gleichen Zeitraum zwar kein Fremdwort mehr, umgesetzt wird Homework aber spärlich. Wenige Arbeitnehmer können aus freien Stücken ihre Anfangszeiten, ihren Arbeitsweg und den Umfang an Homework selber bestimmen.

=> Die Betriebe sind auf gute Verkehrsverbindungen angewiesen, es entfallen ihnen zudem Kosten (Parkplätze bereitstellen), wenn die Arbeitnehmer mit dem öffentlichen Verkehr unterwegs sind. Nach dem Modell von Frankreich müssten daher auch Betriebe eine Abgabe zugunsten eines Verkehrsfonds entrichten.

„Mehr vom Gleichen“ ist es, was Politiker in dieser Frage als Antwort bereithalten. Dass sich die Fahrgäste zukünftig an stetig steigende Fahrpreise gewöhnen sollen, ist für mich kein Zukunftsszenario.

Weitere Ideen – auch sehr kreative und utopische – sind jederzeit willkommen. Denn: Es ist überfällig, dass der Denkrahmen gesprengt wird!

Sara Stalder

Geschäftsleiterin Stiftung für Konsumentenschutz

Ein Kommentar zu “Mehr vom Gleichen”



Hans Ott

Die SBB will die Billete und Abos den gestiegenen Kosten anpassen. Um zu verhindern, dass die Bahnkunden wieder auf das Auto zurückgreifen, wollen sie das schrittweise durchführen.
So weit so gut.
Nur wird dabei ausser Acht gelassen, dass die Verkehrsberuhigung und –sicherheit auf den Strassen zusammen mit einer deutlich spürbaren CO2-Reduzierung erst erzielt wird, wenn ein grosser Teil des heutigen individuellen Personen- und Güterverkehrs auf die Schiene umgelagert worden ist. Und das wiederum geschieht nur, wenn u.a. die Attraktivität
des Individualverkehrs verkleinert wird, mithin der Strassenbenutzer sich an den ÖV-Kosten beteiligen muss.
Gestiegene ÖV-Kosten (an denen er sich nicht mitbeteiligen muss) und die Aussicht auf Stehplätze in vollbesetzten Zügen bilden für den Autofahrer ganz sicher keinen Anreiz das Transportmittel zu wechseln.

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