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Lehrgeld zum Einsacken

So geht das nicht, befand das Bundesgericht im August: Schwarz- und Graufahrer dürfen nicht mit den selben Bussen bestraft werden – schliesslich hätten die Graufahrer ja ein Billet bezahlt. Nun haben die 250 Schweizer Transportunternehmen eine listige Lösung gefunden: Sie kassieren generell mehr Bussengelder ein.

Wer es sich in einem Erstklassabteil gemütlich machte, aber nur ein Zweitklass-Billet vorweisen konnte, musste bis im Sommer eine Busse von Fr. 80.- bezahlen: Darüber staunte auch ein Singhalese, der sich in einem gemischten Erst- und Zweitklasswagen der SBB versehentlich in die erste Klasse gesetzt hatte. Er ging mit dem Fall bis vor Bundesgericht, welches befand, dass es tatsächlich nicht rechtens sei: Der „Graufahrer“ zahle eine höhere Busse, weil er ja schon ein gültiges Billet gekauft habe. Die Übergangslösung, welche seit September gilt, sieht vor, dass Graufahrer eine Busse von Fr. 60.-, Schwarzfahrer eine solche von Fr. 80.- zu bezahlen haben.

Das hätte man gut so belassen können.

Heute hat der Verband öffentlicher Verkehr VöV gezeigt, wie man zu seinem Geld kommt: Die Bussen für Schwarzfahrer werden erhöht auf Fr. 90.-, hinzu kommt noch eine Fahrpreispauschale von Fr. 10.-, macht Summa summarum  Fr. 100.-! Damit Graufahrer besser fahren bezüglich der Bussen, müssen sie „nur“ Fr. 70.-  und eine Fahrpreispauschale von Fr. 5.- bezahlen. Wer damit noch nicht genug Lehrgeld gezahlt hat, muss beim 2. oder 3. Mal richtig tief in das Portemonnaie greifen: Dann kostet es Fr. 140.- und 170.-, für Graufahrer immer 25 Franken weniger.

So geht das nicht, finden wir: Der VöV wird vom Bundesgericht gemassregelt und nutzt diese Gelegenheit, um die Bussen um Fr. 15.-, bzw. um Fr. 20.- zu erhöhen! Das gleicht sich auch nicht mit den Argumenten des VÖV aus: Graufahrer mit

Fr. 5.- weniger, dafür Schwarzfahrer mit Fr. 20.- mehr, da bleibt unter dem Strich eine schöne Stange Geld in der Kasse. Einen Grund, welcher die Erhöhung rechtfertigen würde, sehen wir keinen. Aber einen Grund an den VöV zu gelangen: Wir werden ihn auffordern, diesen Entscheid zu überdenken und eine Regelung zu treffen, bei dem einem nicht das Mundart-Lied „Chouf doch es Outo“ in den Sinn kommt.

Sara Stalder

Geschäftsleiterin Stiftung für Konsumentenschutz

 

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