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Taschentuch-Kauf und andere schwierige Entscheidungen

Leiden Sie unter Pollenallergie? Wenn ja, wann und wo kaufen Sie Ihre Massen an Papiertaschentücher? Lassen Sie mich raten: Sie schlagen zu, sobald Sie ein XXL-Paket mit einem Aktionspreis erblicken.

Wetten, dass Sie Ihren Bedarf nicht am Kiosk decken? Dort laufen Sie Gefahr, dass Sie für ein Päckli à neun Stück denselben Preis bezahlen, welcher beim Harddiscounter die mindestens fünfzigfache Menge hergäbe.

Befinden sich also in Ihrem Badezimmerschrank zu Pollen-Saisonbeginn 500 Nastücher, verhalten Sie sich nach ökonomischem Lehrbuch „rational“. Sie zählen zum Homo oeconomicus, denn Sie haben ein gesundes Mass an Egoismus und sind zudem ziemlich schlau, weil Sie die Wettbewerbsvorteile nutzen.

Sie können im geschilderten Fall Ihren Part in der freien Marktwirtschaft problemlos übernehmen, oder?

Der Kauf von Papiertaschentüchern gehört zugegebenermassen in die Sparte der anspruchslosen Geschäfte. Schwieriger wird es, wenn Sie sich beispielsweise für ein Mobilfunk-Abonnement oder eine Hausratsversicherung interessieren. Wie verschaffen Sie sich einen Überblick? Wenn Sie fähig sind, nicht nur den Preis, sondern die Angebote und Leistungen zu vergleichen, sind Sie zweifellos in einer hoch bezahlten strategischen Funktion eines Telekommunikationsanbieters oder einer Versicherung tätig. Ansonsten ist in diesem Informationswirrwarr kein Durchkommen. Auch wenn Sie sich als Durchschnittskonsument oder – konsumentin erwiesenermassen klug verhalten (siehe oben), bemühen sich mindestens so gewiefte Anbieter, Sie mit schönen Marketingworten in den Dschungel ihrer undurchsichtigen Angebote zu locken. So kreieren Telekommunikations-Preisstrategen mit Ausdauer und Fleiss immer neue Tarife, Flatrates und gebündelte Arrangements. Einzigartige Produkte, wohlverstanden – so einzigartig, dass sich weder Angebote noch Preise vergleichen lassen. Nicht nur wir, die kleinlichen Konsumentenorganisationen, finden die Preise überrissen. Auch die Regulationsbehörde will tiefere Preise – und verstrickt sich mit den Anbietern in jahrelange Rechtsstreitigkeiten. Derweil bleiben die Preise unbehelligt und unangetastet hoch.

Bevor Sie nun desillusioniert und entmutigt diesen Blog schliessen, wenden wir uns also besser wieder dem perfekt funktionierenden Markt auf Stufe „Papiertaschentuch-Kauf“ zu: Angebot und Preis sind klar. Nur, sind Sie beim Lesen auch über die Passage „neun Stück im Taschentuchpaket“ gestolpert? Schliesslich sind in einem Paket zehn Stück, so war es immer und darüber muss man sich den Kopf nicht zerbrechen. An dieser Stelle muss ich Ihnen leider die harte Realität vor Augen führen, denn es gibt tatsächlich Päckchen mit nur neun Taschentüchern drin. In diesen wilden Zeiten ist der Preis die einzige Konstante, an die wir uns halten können: er bleibt unverändert hoch.

Da kann man doch nur noch die Hände verwerfen und lamentieren über die Aktionen – die gar keine sind, über Vertragsbedingungen – die nach Belieben und zu unseren Ungunsten abgeändert werden oder über Garantieleistungen – die schliesslich doch nicht geleistet werden.

Oder man unternimmt etwas dagegen. Dafür haben wir uns entschieden. Wofür entscheiden Sie sich?

Sara Stalder

Geschäftsleiterin Stiftung für Konsumentenschutz

 

 

 

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