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Eine Erdbeere sagt mehr als tausend Worte

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Diese Meinung (beachte Titel) vertritt das Zürcher Verwaltungsgericht, welches der Auffassung ist, dass das Bild „Erdbeere“ – beispielsweise auf einem Joghurtbecher, einer Sirupflasche oder einer Glacé – ein Symbol zu folgenden Erläuterungen ist:

„Bei der Abbildung dieser roten Frucht geht es lediglich darum, Ihnen aufzuzeigen, welchen Geschmack Sie in diesem Lebensmittel vorfinden werden. 

Als unvoreingenommene durchschnittliche Konsumentin ist Ihnen sofort bewusst, dass dieses Bild nicht auf die verarbeiteten Rohstoffe hinweist. Mit Bestimmtheit werden Sie keine ganzen Früchte oder auch nur Teilchen davon in diesem verarbeiteten Lebensmittel erwarten. Ihnen ist mit Sicherheit klar, dass der weltweite Bedarf an Erdbeeren schon lange nicht mehr mit Früchten gedeckt werden kann und dass deshalb im Verlaufe der Jahrzehnte neue Möglichkeiten bezüglich Geschmack und Farbe im Labor ausgetüftelt wurden.

Die rote Beere auf der Verpackung signalisiert Ihnen, dass in diesem Produkt mehr als 300 Einzelsubstanzen, die sogenannten Aromastoffe, verarbeitet wurden. Und Sie kennen sich ja bestens aus mit diesen Aromen: Sie werden unter dem Sammelbegriff „Aroma“ deklariert. Bestimmt ist Ihnen schon aufgefallen, dass gelegentlich mit „natürlichen Aromen“ geworben wird. Auch das können Sie auf Anhieb richtig einordnen: „Natürliche“ Aromastoffe werden durch geeignete physikalische, enzymatische, beziehungsweise mikrobiologische Verfahren aus Stoffen pflanzlichen oder tierischen Ursprungs gewonnen und haben – bezogen auf das Bild –  eher mit „natürlichen“ Sägespänen, selten aber mit Erdbeeren zu tun.

Über die Farbe des Joghurts, Sirups oder des Eiscrèmes sind Sie bestens im Bilde: Lebensmittelchemiker haben nach intensiven Marktforschungen mit künstlicher Farbe genau den Farbton getroffen, der von den Konsumenten beim entsprechenden Produkt erwartet wird. Es muss Ihnen nicht weiter erläutert werden, dass verarbeitete Erdbeeren unmöglich diese intensive Rot- oder Rosafärbung bewirken können.

Das Fazit: Wenn eine Erdbeere auf dem Lebensmittel abgebildet ist, wissen Sie als unvoreingenommene durchschnittliche Konsumentin, dass nicht davon ausgegangen werden kann, dass Erdbeeren auch wirklich verarbeitet wurden. Um Zweifel zu beseitigen gilt diese Empfehlung: Lesen Sie das Kleingedruckte auf der Packung aufmerksam durch.“

Das Verwaltungsgericht hat in einem Urteil die Bildbotschaft einer Erdbeere auf einer Sirupflasche interpretiert. Das noch nicht rechtskräftige Urteil basiert auf der Überzeugung, dass die „durchschnittlich unvoreingenommenen Konsumenten“ Bilder in obgenannter Art auslegen.

Die Schweizerische Lebensmittelgesetzgebung sieht dies jedoch anders: „Anpreisung, Aufmachung und Verpackung der Lebensmittel dürfen den Konsumenten nicht täuschen“, so der Artikel 18.

Ob im hektischen Alltagsleben wirklich die ganze Interpretationspalette eines Bildes mit allen Finessen einen Kaufentscheid beeinflusst? Mit Bestimmtheit nicht! Wir empfehlen daher der zuständigen Kontrollbehörde, das Urteil weiterzuziehen.

Denn wir wollen eine klare, aussagekräftige Bildsprache!

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Sara Stalder

Geschäftsleiterin Stiftung für Konsumentenschutz

 


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2 Kommentare zu “Eine Erdbeere sagt mehr als tausend Worte”



MAD

ganz einfach:
solchen mist nicht mehr kaufen.

hab doch keine lust
erdöl (lebensmittelfarben) und holz (aromastoffe) zu essen.
sie/ihr schon ?

aber viele fahren ja voll auf das ganze „gesundheits-food“ ab.

die „durchschnittlich unvoreingenommenen Konsumenten“
scheinen sich nur all zu gerne für dumm verkaufen zu lassen.

wenn man sieht wie un-informiert die grosse masse ist,
wundert man sich über gar nix mehr.

der gesetzgeber kann noch so viel regeln,
wenn’s die meisten gar nicht interessiert,
bringt das auch nix.



Markus Saurer

Ihr Vorschlag für eine „klare, aussagekräftige Bildsprache“ ist noch unklarer und weniger aussagekräftig als die eingeklagte Version. Schlimmer ist, das die SKS die Konsumentin notorisch für dumm hält. Nun gut, das ist wohl zum eigenen Schutz der Stiftung – jede Institution muss sich irgendwie nützlich fühlen können.

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