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Abgewendeter Crash im Nebel

War es knapp? Das kann ich nicht abschätzen, der Nebel war zu dicht. Klar ist in dieser Angelegenheit einzig: Der ganze Sachverhalt ist verzwickt und kompliziert!

Es geht diesmal um die sogenannte „WACC“-Berechnungsmethode. In der Strombranche bezeichnet dieser Ausdruck den Zinssatz, mit welchem ausgerechnet wird, wie viel die Investition in das Stromnetz den Strombezüger kostet.

Eine schwierige Formel, eine komplizierte Erklärung. Vielleicht gerade aus diesem Grund – weil alles so knifflig und vernebelt ist – wollte die Strombranche die einmalige Chance nutzen und etwas mehr Verwirrung in eine kaum durchschaubare Situation bringen. Notabene zu Gunsten der Stromverkäufer, denn das neue Berechnungsresultat hätte einen Mehrertrag von 50 Millionen Franken zum Ist-Zustand ergeben. Diese doch beachtliche Differenz müsste durch die Stromkonsumenten berappt werden.

Argument der Stromanbieter? Mit zu tiefen Einnahmen für das Stromnetz riskiert die Schweiz eine Verlotterung desselben. Sehen Sie mit dieser Antwort klar? Mir fehlt weiterhin der Durchblick, denn wenn ich mir die dreistelligen Millionengewinne jedes grossen Stromkonzerns in Erinnerung rufe, welche Jahr für Jahr verkündet werden, sehe ich weit und breit keinen Handlungsbedarf!

Zurück in die nebulöse Thematik: Der Antrag „Wechsel der Berechnungsformel“ der Stromkonzerne wurde vergangenen Freitag vom Bundesrat diskutiert. Im Vorfeld habe ich bei „inoffiziellen“ Gesprächen nicht viel Verheissungsvolles gehört, aber auch keine Antwort auf meine Frage zu den riesigen Konzerngewinnen erhalten. Mit Erleichterung – und gewissem Erstaunen – vernahm ich übers Wochenende, dass der Bundesrat sich gegen eine Änderung und damit auch gegen höhere Strompreise ausspricht.

Spezialisten finden in nebulöser Materie immer wieder ein exzellentes Tummelfeld, um ihre Interessen bevorteilt durchzuschleusen. Für uns (und vielleicht auch für den Bundesrat?) hat sich mit dieser Angelegenheit ein weiteres Mal die Seemannsregel bestätigt: Dichter Nebel erfordert eine besonders feine Einstellung des Radars und verstärkte Beobachtungsposten, damit kann ein Crash umgangen werden.

Sara Stalder

Geschäftsleiterin Stiftung für Konsumentenschutz

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