Startseite Blog Hahn zugedreht

Hahn zugedreht

Mitte letzter Woche bemerkten aufmerksame Gäste in der Romandie, dass in den Coop-Restaurants die Trinkwasserbrunnen verschwunden waren. Über die Feiertage -simsalabim!- wurden die Wasserspender von kostenlosem Trinkwasser entfernt.

Unsere Nachfrage bei Coop ergab, dass auch in der Deutschschweiz die Brunnen weggenommen wurden, aus hygienischen Gründen  – und aus Platzmangel. Denn, so Coop, es könne leider nicht ausgeschlossen werden, dass die Karaffen, die zum Abfüllen bereit stehen, und der Wasserhahn leicht bakteriell verschmutzt seien.

Die Reaktion der Gäste auf solche Begründungen können Sie sich bestimmt ausmalen. Selber bin ich befremdet über die inkonsequente Marketingstrategie vom – auch im vergangenen Jahr – erfolgreichen Detailhändler. Kaum hat das neue Jahr gestartet, bringt sich Coop als wichtigen Player im Jahr der „Biodiversität“ ins Spiel. Auf ihrer Website zeigen sie auf, welche Massnahmen sie umsetzen, damit die Vielfältigkeit der Natur auch späteren Generationen erhalten bleibt. Wahrlich eine gefreute Sache…

Doch der obgenannte Entscheid der Restaurant-Verantwortlichen zielt in eine völlig andere Richtung. Weiss die eine Hand nichts vom Wirken der anderen? Abgefülltes Wasser in Flaschen, das über weite Strecken an den Bestimmungsort verfrachtet wird, belastet unsere Natur in unnötig hohem Mass. In der Schweiz haben wir die wunderbare Situation, dass das Trinkwasser nicht nur akribisch kontrolliert wird, sondern auch überall eine perfekte Qualität aufweist.

Seit rund einem halben Jahrhundert gelingt es cleveren Gechäftsleuten mit riesigem Erfolg, der Menschheit weis zu machen, dass das Wasser in zwei Klassen aufgeteilt sei: qualitativ hochwertiges (und entsprechend teures) Flaschenwasser – wahlweise angereichert mit Kohlensäure und daneben das minderwertige Leitungswasser.

Unser Nachfragen bei Coop ergab übrigens auch, dass weiterhin Wasser gratis zu haben sei, die Gäste müssten nur danach fragen. Kein einfaches Unterfangen in der jeweils hektischen Mittagszeit, wenn die Angestellten alle Hände voll zu tun haben mit dem Mahlzeitennachschub.

Coop ist mit diesem Coup der glaubwürdige Start ins Biodiversitätsjahr ziemlich missglückt. Es bleiben aber noch 354 Tage, um diesen Fehltritt wieder geradezubiegen.

Sara Stalder

Geschäftsleiterin Stiftung für Konsumentenschutz

Es können keine Kommentare hinterlassen werden. Die Kommentarfunktion ist für diesen Beitrag deaktiviert.

Ratgeber

Ratgeber: Mehr als Filet und Steak

Gönnerpreis: 29.00 CHF
Normalpreis: 34.00 CHF

Ratgeber: Gut, gesund und günstig

Gönnerpreis: 19.00 CHF
Normalpreis: 24.00 CHF

Ratgeber: Zucker – weniger ist mehr

Gönnerpreis: 29.00 CHF
Normalpreis: 34.00 CHF

Hosting von oriented.net