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Kosmetik: Bio abschminken?

Es steht zwar Bio drauf, aber es ist nicht Bio drin. Kommt Ihnen das bekannt vor? Es ist zwar schon Jahre her, da war der Bioschwindel bei den Lebensmitteln ein grosses Thema.

Zu Beginn der Bio-Bewegung wurde der Begriff teilweise sehr grosszügig interpretiert, die Konsumentinnen und Konsumenten fühlten sich zu Recht verschaukelt. Inzwischen sind gesetzliche Grundlage längst etabliert, die Kontrollen verlässlich, die Begriffe für Bio geschützt und die Labels vertrauenswürdig.

Anders bei Kosmetika: Auch hier ist es schick geworden, mit „Natürlich“ und „Biologisch“ zu werben – dass die Realität aber zum Teil meilenweit davon entfernt ist, hat eine Untersuchung der Verbraucherzentrale Hamburg aufgezeigt: Sie hat 20 Markenkosmetika untersucht, um festzustellen, wie natürlich und biologisch sie tatsächlich sind. Das Ergebnis ist ernüchternd: Die Produkte, die zum Teil wohl auch in Schweizer Läden stehen, täuschen die Konsumentinnen und Konsumenten. Denn trotz wohlklingender Begriffe wie „Naturemulsion“ oder „Naturfarben“ handelt es sich gemäss der Verbraucherzentrale nicht um natürliche oder biologische Bestandteile. Hinzu kommt, dass sich die Minimengen an natürlichen Stoffen in einem Meer von Chemie verlieren würden, fasst die Verbraucherzentrale die ernüchternden Ergebnisse zusammen.

Ähnlich wie in Deutschland ist auch in der Schweiz der Begriff Naturkosmetik oder Bio für Kosmetik nicht gesetzlich geregelt. Es macht sich gut, mit diesen Begriffen zu werben, da sich viele Konsumentinnen überdrüssig sind, ihrer Haut oder ihren Haaren Tag für Tag eine gehörige Dosis Chemie zuzumuten. Kosmetik-Hersteller bedienen sich nun auch des Greenwashing – Werben mit Natur, ohne dass viel dahintersteht – und gaukeln ein falsches Bild vor. Dabei gäbe es verlässliche Marken und Produkte, wie beispielsweise das Label NaTrue zeigt.

Aber weder Gesetzgeber noch die Branche hat bisher wirkungsvolle Anstrengungen unternommen, um Naturkosmetik verlässlich zu definieren und Richtlinien zu schaffen. So kommt es, dass uns etliche Hersteller ungeschminkt die Unwahrheit sagen.

Sara Stalder

Geschäftsleiterin Stiftung für Konsumentenschutz

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