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Jetzt werden die Klingen gekreuzt

Messerscharf sind sie, diese Gillette-Klingen- und teuer! Viel zu teuer, wenn Mann sie in der Schweiz kauft, denn im angrenzenden Ausland wird das gleiche Produkt deutlich günstiger auf dem Markt angeboten. Eine unerwünschte Eigenschaft, die aber auch Elmex-Zahnpasta und weitere Marken-Hygieneprodukte für Mann und Frau auszeichnet.

Dabei gibt es keine Rechtfertigung für diesen Preiswucher. Das finden unterdessen auch die Detailhändler -wie Migros und Denner- und sie stellen sich gegen marktmächtige Unternehmen wie Protector & Gamble, Ferrero oder Gaba. Und sie schalten die Wettbewerbskommission ein, da Absprachen vermutet werden: Preise würden mit mündlichen Abmachungen künstlich hochgehalten. Dabei hat unser Gesetzgeber unterdessen vorgesehen, dass solch teure und ungerechtfertigte Marktbehinderungsmechanismen verhindert werden können: Einkäufe beim günstigsten Anbieter dank Parallelimporten, an der Barriere „Generalimporteur“ vorbei, das ist nun auch bei patentierten Artikeln möglich (Medikamente ausgenommen, doch das ist ein weiteres Kapitel!).

Um die Gewinne aus dem Schweizermarkt hochzuhalten, umgehen die Markenanbieter diese Gesetzesänderung nun mit allen Mitteln. Die Regulationsbehörde -die Wettbewerbskommission Weko- ist gefordert, hier nun Exempel zu statuieren und damit Detailhändler zu stützen, die diese unzulässigen Marktmechanismen aufbrechen wollen. Erwartet wird sehnlichst der Entscheid der Weko bezüglich Elmex und der Firma Gaba!

Unterdessen kreuzen die Detailhändler gestützt auf ihre Marktmacht die Klingen mit den Weltkonzernen gegen das unhaltbare Preisdiktat. Rasieren soll ab morgen rund 40% billiger werden, die Preisdifferenz will die Migros selber tragen.

Tiefere Preise bei Markenartikeln muss die Zukunft sein und zwar nicht nur bei kurzfristigen Aktionen. Wir erwarten, dass auch die Wettbewerbsbehörde mit scharfen Klingen gegen diese Marktbehinderungen vorgeht und Gewinnabschöpfungen endgültig unterbindet.

Sara Stalder

Geschäftsleiterin Stiftung für Konsumentenschutz

8 Kommentare zu “Jetzt werden die Klingen gekreuzt”



Daniel Emch

Ich habe den Eindruck, dass die SKS diese Themen theorieblind angeht. Ich empfehle Ihnen bspw. das Buch Competition Law and Consumer Protection von Katalin Judit Cseres.
Teilweise einsehbar bei google books: http://books.google.ch/books?id=ov6Vr9ev57MC&printsec=frontcover&source=gbs_v2_summary_r&cad=0#v=onepage&q=&f=false
In diesem Buch wird das Verhältnis zwischen Wettbewerbspolitik und Konsumentenschutz sehr schön ausgearbeitet. Auf Seite 277 führt die Autorin aus, dass Vertikalabreden für die Konsumenten nur dann schädlich sind, wenn kein genügender Interbrand-Wettbewerb herrscht. Bestehen für die Konsumenten hingegen Ausweichmöglichkeiten bzw. herrscht
hinreichend Interbrand-Wettbewerb, dann ist eine Intervention durch eine Kartellbehörde für die Konsumenten nachteilig. Gezeigt wird dies anhand der Wettbewerbspolitik der EU-Kommission. Gut zum Ausdruck kommt in diesem Buch zudem, dass die EU-Kommission mit ihrer Wettbewerbspolitik eben auch noch andere Ziele verfolgt als die Förderung des
consumer welfare. So wird das harte Vorgehen gegen vertikale Abreden insbesondere mit der Verwirklichung des gemeinsamen Marktes begründet. Mühsam abgebaute Staatsgrenzen sollen nicht durch private Absprachen wieder aufgebaut werden. Mit anderen Worten nimmt die EU-Kommission für die Verwirklichung des Binnenmarktes in Kauf, dass sie gewisse
Vertikavereinbarungen untersagt, obwohl diese die Wohlfahrt der Konsumenten fördern würden. Politisch lässt sich dies m.E. rechtfertigen, auch wenn ich bei diesen Fragen anders entscheiden würde. Nicht akzeptieren kann ich aber, dass die Stiftung für Konsumentenschutz von der Wettbewerbskommission Eingriffe fordert, welche den Konsumenten schaden.



Markus Saurer

Ja, Sie vertreten v.a. die Interessen von Händlern mit schmalen Sortimenten, die das Risiko von günstigen Eigenmarken oder Noname-Produkten nicht eingehen wollen. Hätten Sie mit dieser Politik grossen Erfolg, dann reduzierten Sie die wählbaren Preis-/Leistungsoptionen für die Konsumenten.



Sara Stalder

Demzufolge vertreten wir also auch die Interessen all jener Händler, welche Schuhe, Kleider, Haushaltgeräte, Körperpflegeprodukte, Unterhaltungselektronik, Möbel, usw. usf. im Sortiment führen??
Der Elmex-Entscheid wird von vielen ausländischen Produzenten, die in der Schweiz Gewinne abschöpfen, bestimmt mit Argusaugen verfolgt! Gewinner -dank tieferer Preise- sind ausschliesslich die KonsumentInnen. Und dafür setzen wir uns ein!



Daniel Emch

Aus der Sicht des Konsumentschutzes sollte der Umstand, dass es verschiedene Zahnpasta-Sorten gibt, sehr wohl entscheidend sein. Nur wenn ich als Konsument einem Produkt sozusagen ausgeliefert bin, kann ich durch eine vertikale Preis- oder Gebietsabsprache geschädigt werden. Solange ich substituierbare Produkte beziehen kann, kann es mir egal
sein, ob der Publikumspreis für Elmex bei CHF 3.80, bei CHF 5.00 oder bei CHF 100.00 liegt. Erhöht das Unternehmen GABA bei funktionierendem Wettbewerb die Preise für Elmex zu stark, schneidet es sich in das eigene Fleisch, weil dann die Nachfrage zusammenbrechen wird.

Mit anderen Worten ausgedrückt: Mit Ihrem Postulat vertreten Sie die Interessen von einzelnen Wettbewerbern (-> Denner) und nicht jene der Konsumenten.



Sara Stalder

@Daniel Emch: Das Sortiment an Zahnpasta-Sorten in der Schweiz ist reichhaltig, da stimme ich Ihnen zu. Doch dieser Umstand hat keinen Einfluss auf unsere Forderung an die WEKO: Wir wollen endlich einen Leitentscheid, der für die Händler einen Massstab setzt. Bislang fehlt diesbezüglich ein Wegweiser! Munter behindern daher die ausländischen
Produzenten -über ihre offiziellen Betriebskanäle- den Handel in der Schweiz: Es wird verhindert, dass zu tieferen Preisen im umliegenden Ausland die identische Ware bezogen werden kann. Und: Diese Wettbewerbsbehinderung wird nicht nur bei der Zahnpasta Elmex angewandt!



Markus Saurer

Da kann ich meinen Vorschreibern nur beipflichten. Es herrscht Interbrandwettbewerb, Frau Stalder. Aber mit Ihnen hat das auch die Weko noch nicht so richtig begriffen, weshalb sie auch so bizarre Fälle führt (die – Sie werden es erleben, Frau Stalder – zu nichts führen werden).

Ich möchte aber für einmal noch etwas anderes zu bedenken geben: Die Schweiz lebt zu fast 100% von den hochentwickelten Markenartikeln ihrer Exportindustrie (inkl. Dienstleistungen und Tourismus), die diese zu weltweit möglichst differenzierten Preisen absetzt.

Würde eine Weltkartellbehörde unserer Industrie die Preisdifferenzierung untersagen, die Schweiz müsste geschlossen werden.



Daniel Emch

Frau Stalder, Sie schreiben: „Tiefere Preise bei Markenartikeln muss die Zukunft sein und zwar nicht nur bei kurzfristigen Aktionen.Wir erwarten, dass auch die Wettbewerbsbehörde mit scharfen Klingen gegen diese Marktbehinderungen vorgeht und Gewinnabschöpfungen endgültig unterbindet.“

1. Grundvoraussetzung für den Wettbewerb ist es, dass Unternehmen einen Gewinn erzielen können. Wenn im Vornherein klar ist, dass die Weko „Gewinnabschöpfungen“ unterbindet, wird kein Unternehmen mehr am Wettbewerbsgeschehen teilnehmen.

2. Tiefe Preise für isolierte Produkte (bspw. Elmex oder Gilette) kann doch kein ernsthaftes Postulat des Konsumentenschutzes sein. Zahnpasta und Rasierklingen gibt es in allen möglichen Varianten und von verschiedenen Herstellern. Es würde wohl niemand behaupten, dass auf diesen Märkten in der Schweiz kein Wettbewerbsdruck besteht. Eine
Intervention durch die Weko wäre vor diesem Hintergrund höchst fragwürdig. Wem Elmex und Gilette zu teuer sind, der soll halt ein Konkurrenzprodukt kaufen. Ich putze meine Zähne bspw. mit dem Migros-Produkt „Candida Sensitive Plus“ und bin damit sehr zufrieden.



Beat Hermann

Die wirkliche Frechheit der Nachfolger Duttis ist, dass M mit Sortimentsumschichtungen ohne Kundennutzen zusätzlichen Umsatz Deckungsbeitrag erzielen möchte (Dank an die smarten MBA’s) und dabei sacketeure Bullshit- Markenartikel pusht. „Leider“ (liebe Migros mir kommen die Tränen) fallen da die viel günstigeren und sehr guten Eigenmarken durch
und werden nicht mehr weiterentwickelt oder gar abgesetzt. Eine Budget/Prix-Garantie-Alternative gibt es nicht, meine Erfahrung mit den Rasierklingen. So gesehen ist die SKS-Forderung nach billigen Markenartikeln ein Schuss in den Ofen, einer mehr. Die beiden Detailhandelsmonopolisten ziehen uns mit ihrer Markenartikelstrategie grundsätzlich
(hallo SKS, erkennt ihr das?) über den Tisch. Zum Glück gibt es Aldi!

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