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Vision CHalbfleisch

Unsere Gefriertruhe ist seit heute randvoll: Ein weiteres Mal wurden bestehende Lücken aufgefüllt mit biologischem Kalbfleisch, welches auf einem nahen Landwirtschaftsbetrieb produziert wurde. Zufälle gibts! Ich entnahm heute Morgen dem Tagesanzeiger ein riesiges Inserat, in dem Aldi mit grossen Buchstaben ebenfalls für CHalbfleisch, „täglich frisch aus der Schweiz“ und mit „Suisse Garantie“ wirbt. Dieses Inserat strecke ich also unserem Fleischlieferanten unter die Nase. So stelle ich mir idyllische Tierhaltung vor!

Ob ich mir beim Essen des Fleisches auch ein solches Bild ausmalen könne, frage ich schmunzelnd, wohlwissend, dass er seinen Vierbeinern ein tiergerechtes Leben ermöglicht. Im farbigen Inserat zeigt Aldi auf, welch friedliches Leben den Tieren zuteil wird: auf einer saftig-grünen Wiese sind grosse und kleine Tiere zusammen, es scheint zudem, dass sich eine Kuh fürsorglich um ihre Kälber kümmert. Dazu heisst es im kleingedruckten Kommentar: „….Darum produzieren wir für ALDI-SCHWEIZ nur Kalbfleisch aus art- und umweltgerechter Haltung nach den strengen Vorgaben von Suisse Garantie.“

Etwas provokativ spreche ich den Bio-Fleisch-Lieferanten auf die erwähnten strengen Vorgaben an: Er bleibt gelassen, weiss genau um die Gesetze, die in der Werbung als „artgerechte Haltung“ interpretiert werden. Da steht zum Beispiel in der neuen Tierschutzgesetzgebung von 2008:

Keine Silbe des Gesetzestextes deutet darauf hin, dass die Tiere ihr Dasein auf endlosen, saftigen Wiesen verbringen, so wie es auf dem Aldi-Bild „erzählt“ wird.

Die Werbeaussage sei in der Tat visionär, da die wenigen Verbesserungen im neuen Gesetz teilweise erst in rund drei Jahren umgesetzt werden müssen, meint der Bauer beim Verabschieden augenzwinkernd. Natürlich habe ich mit ihm eine eingehende Diskussion geführt, wie es cleveren Marketingstrategen immer wieder gelingt, Konsumenten und Konsumentinnen an der Nase herumzuführen.

Morgen werden wir auf jeden Fall noch die Kantonschemiker dazu befragen. Sie haben den Auftrag, täuschende oder irreführende Werbestrategien bei Lebensmitteln zu ahnden. Daher: Was meinen diese zur Aldi-Vision „CHalbfleisch“? Und Sie?

Sara Stalder

Geschäftsleiterin Stiftung für Konsumentenschutz

 

Ein Kommentar zu “Vision CHalbfleisch”



Markus Würsch

Ich habe dieses Inserat ebenfalls gesehen und in mir stieg die Galle hoch. Als praktizierender Landwirt und ehemaliger Kontrolleur von Labelanforderungen im Tierhaltungsbereich weiss ich, dass dieses Bild und der Text in keinem Fall mit dem Kalbfleisch, das Aldi verkauft übereinstimmt. In der Schweiz kommt kein konventionell gemästetes Kalb jemals
auf die Weide, geschweige denn mit Kühen! Zudem werden die meisten Kälber, welche Aldi verkauft nicht mit reiner Milch gemästet, sondern mit angereicherter Schotte oder Magermilch und Ergänzugspulver.
Generell finde ich es gut, dass Aldi Schweizerfleisch verkauft, aber nicht unter Vortäuschung falscher Tatsachen.

Markus Würsch, Killwangen

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