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Auf die Verpackung kommt es an

Man muss das Informationsschreiben des Bundesamtes für Gesundheit schon zweimal lesen, um ungefähr zu verstehen, was damit gemeint ist. Der Inhalt lautet ungefähr so: In Kartonverpackungen für Trockenlebensmittel hat das Kantonslabor hohe Konzentrationen an – Achtung! – Di-(2-ethylhexyl)maleat (DEHM) gefunden. Dabei handle es sich vermutlich um eine Verunreinigung von Di-(2-ethlyhexyl)sulfosuccinat (DEHSS), einem Zusatzstoff, der als anionischer Emulgator und als Netzmittel in Verpackungstinten verwendet werde. Das sei zwar unerwünscht, meint das BAG, aber es bestehe keine Gesundheitsfährdung.

So weit, so kompliziert. Aber nicht neu. Immer wieder kommt es vor, dass in Lebensmittel Rückstände von Verpackungen nachgewiesen werden – in Fruchtsäften, in Gläsern mit ölhaltigem Inhalt oder in Milchpulver. Das geht so weit, dass der Spezialist des Kantonslabors Zürich dem „Beobachter“ zu Protokoll gibt: „Die grösste Verunreinigung von Esswaren rührt von der Verpackung. Mengenmässig überschreiten sie die Pestizidrückstände um ein Hundert- bis Tausendfaches.»

Während man bei der Produktion der Lebensmittel ziemlich gut Bescheid weiss, welche chemischen Substanzen eingesetzt werden dürfen – beispielsweise für die Schädlings- oder Unkrautbekämpfung – hinken die Labors bei den Verpackungen hoffnungslos hinterher. Wer Farben, Lacke oder Tinten herstellt, weiss zwar, welche Stoffe er einsetzt. Wer diese dann für seine Verpackung verwendet, ist schon weniger im Bild. Und wer die Lebensmittel in diesen Verpackungen verkauft, hat keine Ahnung mehr, ob und wie sehr die Verpackung das Lebensmittel verunreinigen kann. Und niemand weiss mit Sicherheit, ob die Chemikalien und Stoffe, welche da zu tausenden und häufig unkontrolliert eingesetzt werden, schädlich sind oder nicht. Zudem wissen die Kontrollbehörden nicht, nach was sie denn suchen wollen – die Zusammensetzung und die eingesetzten Stoffe ändern häufig.

Zurück zu unserem Fall. Das BAG „bittet“ also alle Hersteller, Importeure und Anwender von Verpackungen, die mit DEHM verunreinigt sein könnten, sicherzustellen, dass die Herstellung gemäss den Regeln der guten Herstellungspraxis erfolgt, und alle möglichen Massnahmen zu treffen, um eine Kontamination mit diesem Stoff zu verringern. Nötigenfalls werde man eine geeignete gesetzliche Massnahme treffen, z.B. das Festlegen eines Toleranzwertes für DEHM.

Ob das ausreicht, um der Problematik Herr zu werden?

Sara Stalder

Geschäftsleiterin Stiftung für Konsumentenschutz


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