Startseite Blog Heisse Marroni im Sommer?

Heisse Marroni im Sommer?

Strategisch klug -nämlich an der frequentiertesten Fussgängerpassage in Bern- haben diese beiden Herren ihren Stand aufgestellt: Auf dem Markttisch liegen einige Prospekte und eine Kartonkiste mit Schlitz steht bereit. Die beiden gut gekleideten Männer sprechen freundlich lächelnd Passanten an: Der Wettbewerb mit dem verlockenden Preis „1’000 Franken Einkaufsgutschein“ wird ab und zu ausgefüllt. Ich beobachte das Treiben und begebe mich dann ebenfalls in die Nähe des Standes, der von der Versicherungsgesellschaft Groupe Mutuel betrieben wird.

Was ich vernehme, tönt interessant: Der Prämienschock vom kommenden Herbst kann diese Versicherungsgesellschaft problemlos abfedern, „da die Reserve-Bewirtschaftung tadellos ist und praktisch keine Börsenverluste verzeichnet werden mussten.“ Die Gesellschaft unterbreitet mir daher ein Super-Angebot: Wenn ich meine Grundversicherung bis Ende August bei der Groupe Mutuel abschliesse, muss ich nur mit einem monatlichen Aufschlag von sage und schreibe 8 Franken rechnen!

Während ich dem geschwätzigen Verkäufer zuhöre, hat der zweite Verkäufer einen weiteren Fang gemacht: zwei dunkelhäutige Frauen, der deutschen Sprache kaum mächtig, füllen mit tatkräftiger Hilfe des Agenten die Wettbewerbskarte aus. Wichtig dabei: das Kreuzchen oben links, welches besagt, dass weitere Informationen gewünscht werden. Der Mann setzt es selber- hilfsbereit!- und verabschiedet sich mit einem breiten Lachen. Er reibt sich die Hände, nachdem er die Karte -ebenfalls selber- in die Kartonkiste gesteckt hat und meint augenzwinkernd zu seinem Partner: „Heisse Marroni!“

Zum dritten Mal lehne ich unterdessen die nette Aufforderung ab, ebenfalls die Chance wahrzunehmen, den Einkaufsgutschein zu gewinnen. Doch ich bin genauso hartnäckig und beharre auf meiner Frage: Was ist noch an den Wechsel geknüpft, damit ich das Grundversicherungs-Top-Angebot erhalte? Der nette Herr drückt sich um die Antwort, rückt Farbstifte und Malblöckli für die Kinder heraus, verteilt Bonbons und erklärt mir ein Zusatzversicherungsprodukt mit Bonus-Malus-System.

Erst kurz vor Verabschiedung „zaubert“ er dann endlich ein weiteres Prospekt-Blatt hervor, dieses lagerte unauffällig unter dem Markttisch. Bei dem angepriesenen Grundversicherungs-Angebot gehöre eben noch diese Reiseversicherung für 5 Franken pro Monat dazu. Ja, sie sei obligatorisch, anders könne mir das Angebot nicht verkauft werden. 13 Franken pro Monat kostet also das vermeintliche Schnäppchen in Tat und Wahrheit -unter Vorbehalt, dass nicht noch weitere „Überraschungen“ unter dem Markttisch lauern.

Ich freue mich darauf, wenn ich mir an heissen Marronis wieder die Finger wärmen kann. Erst wenn diese herrlichen Früchte zum Verkauf angeboten werden, überprüfe ich meine persönliche Krankenkassensituation. Noch bin ich zuversichtlich, dass das Parlament im September die Notsituation entschärfen und den Prämienschock abdämpfen wird. Vorher verzichte ich gerne, als „heisse Marroni“ in einer Versicherungsgesellschaft gehandelt zu werden.

Sara Stalder

Geschäftsleiterin Stiftung für Konsumentenschutz


Auf Facebook teilen    Auf Google+ teilen

Es können keine Kommentare hinterlassen werden. Die Kommentarfunktion ist für diesen Beitrag deaktiviert.

Ratgeber

Ratgeber: Frühpensionierung

Gönnerpreis: 34.00 CHF
Normalpreis: 39.00 CHF

Kinder-Impfungen – eine Entscheidungshilfe

Gönnerpreis: 24.00 CHF
Normalpreis: 29.00 CHF

Miniratgeber: Komplementärmedizin

Gönnerpreis: 4.50 CHF
Normalpreis: 9.50 CHF


Hosting von oriented.net