Startseite Blog Spielregeln der freien Marktwirtschaft

Spielregeln der freien Marktwirtschaft

Stellen Sie sich folgendes vor: Ein Spiel, das eigentlich freie Marktwirtschaft simulieren soll, für diesen Zweck jedoch bizarre Regeln hat: Es gibt in einem Wirtschaftsbereich drei Anbieter, die verschiedene Preise für ihr Angebot festlegen. Die Preise können aber durch gar nichts beeinflusst werden, ausser, einer der drei Mitbestreiter klagt. Also auch nicht durch Angebot und Nachfrage- der gängigen Grundregel folgend.

Diese fiktive Spiel-Situation gibt es in Tat und Wahrheit im freien Schweizermarkt. Die Telekommunikationsanbieter Orange, Swisscom und Sunrise legen die Tarife für die Netznutzung eigenständig fest. Niemand kann gegen zu hohe Preise vorgehen, es sei denn, ….siehe oben.

Dass diese Spielregel jeglichen Wettbewerb verunmöglicht, ist in der marktwirtschaftlichen Realität unterdessen weitherum erkannt. Das Parlament hat es nun in der Hand, das Spiel neu zu mischen. Die wichtigste Änderung wäre: Neu dürfte auch die Aufsichtsbehörde ComCom gegen überhöhte Preise vorgehen und nicht erst als Reaktion auf eine Klage der drei Anbieter. Auf eine Klage, auf welche die ComCom bis zum Sankt Nimmerleinstag warten könnte. Denn aus welchem Grund sollten Tarife gesenkt werden, wenn alle drei Anbieter von Hochpreisen profitieren?

In diesem Fall Spielregeln neu zu formulieren, auch wenn das Spiel bereits im Gang ist, brächte der einen Partei ausschliesslich Vorteile (sprich: tiefere Preise ohne Qualitätseinbussen). Und dafür sind wir natürlich gerne bereit, die abgeänderte Spielanleitung auswendig zu lernen.

Sara Stalder

Geschäftsleiterin Stiftung für Konsumentenschutz

3 Kommentare zu “Spielregeln der freien Marktwirtschaft”



Markus Saurer

Dass die Regulierer mehr Macht fordern, ist doch kein Beweis dafür, dass der Markt aus der Sicht der Konsumenten mehr Interventionen benötigt.



Sara Stalder

Noch etwas Hintergrundlektüre (http://www.comcom.admin.ch/aktuell/00429/00457/00560/index.html?lang=de&msg-id=20908) für den oben erwähnten Sachverhalt: Mit der heute gängigen Regel kann leider auch die Wettbewerbskommission nicht rechtzeitig den Spielverlauf steuern.



Markus Saurer

Wenn, wie Frau Stalder unterstellt, die Anbieter stillschweigend kooperieren, um höhere Preise durchsetzen zu können, oder wenn der Wettbewerb auch sonst irgendwie verzerrrt wird, dann kann schon heute die Wettbewerbskommission von sich aus – also von Amtes wegen – einschreiten. Sie hat dies auch schon mehrmals getan. Es ist absolut unnötig, ja
sogar gefährlich, wenn hier noch mehr Staatsangestellte als unproduktive Kontrolleure und Interventionisten tätig werden. Unsere Wirtschaft besteht bald einmal nur noch aus Zuschauern und Kontrolleuren. Davon profitieren nur Juristen und ökonomische Berater, sicher aber nicht die Konsumenten.

Ratgeber

E-Ratgeber (PDF): Vorsicht Betrug!

Gönnerpreis: 3.50 CHF
Normalpreis: 7.50 CHF

Hosting von oriented.net