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Sammlen. Tauschen. Kleben. Ärgern.

In der Migros. Der Kindergärtler kommt strahlend zurück zur Mama, ein Paket Zwieback in der Hand. Sie ist zwar einverstanden, will aber lieber den Bio-Zwieback kaufen. Aber der Kleine stellt sich auf die Hinterbeine – genau dieser muss es sein. Warum, sehe ich dann beim Vorbeilaufen an den prominent ausgestellten Packungen: Auf dem Zwieback wird für die „Stickermania“ geworben. Im Migros-Magazin – prominent in einer Aussenhülle des eigentlichen Magazins – wird mir dann erklärt, was dahintersteckt: Ähnlich wie die Murmeln – erinnern Sie sich daran? – und vor allem ähnlich wie bei den unsäglichen Panini-Bildchen streut die Migros jetzt Bildchen von Tieren, die in einem Sammelalbum eingeklebt werden können. Bereits werden Daten für Sammlertreffen in der ganzen Schweiz bekanntgeben, ein Regenwald -Spielplatz macht sich auch auf Tournee. Im Magazin ist zudem das Logo des WWF unübersehbar auf der Titelseite aufgedruckt. Kommt also ein Teil der Einnahmen WWF-Regenwaldprojekten zu gute? Fehlanzeige! Auf der Rückseite wirbt die Migros und der WWF bloss für die WWF-Kindermitgliedschaft. Genauso wie auf der Stickermania-Website.

Sammeln. Tauschen. Kleben – so wirbt die Migros für ihre „Stickermania“. Und ärgern, füge ich für mich hinzu. Eltern samt Kindern im entsprechenden Alter werden nun wohl oder übel in die Stickermania verfallen müssen (und bei jedem Einkauf über Fr. 20.- brav ein Sachets mit fünf Bildchen – von insgesamt 200! – mit nach Hause nehmen, damit die Kinder es in ihr Sammelbuch einkleben können.) Am meisten ärgert mich daran, dass die Migros ihre Geschäftsinteressen auf den Spiel- und Sammeltrieb der Kinder abmünzt und dabei gnadenlos Kinder und Eltern einspannt. Und ich staune, dass auch der WWF dabei mitmacht. Irgendwie, scheint mir, werden da die Kinder schlicht und einfach für dumm verkauft.

Sara Stalder

Geschäftsleiterin Stiftung für Konsumentenschutz

5 Kommentare zu “Sammlen. Tauschen. Kleben. Ärgern.”



Daniel Emch

Jetzt scheinen mir Ihre Bedenken nachvollziebahr.

Die Frage lautet also: Wann geht eine Verkaufsstrategie zu weit und wann handelt es sich bloss um ein gutes und attraktives Produkt, welches auf die Bedürfnisse der Kinder abgestimmt ist und die Kinder/Eltern (=Konsumenten) befriedigt?

An die Paprika-Chips mit dem Spielzeug drin oder das Überraschungsei erinnere ich mich gerne zurück. Auch die Wettbewerbe waren eine schöne Sache, auch wenn nie etwas daraus geworden ist.

Genauso ist es doch mit dieser Sticker-Aktion (ich bin Familienvater und WWF-Mitglied). Die Kinder haben Freude an den Bildli und der WWF hat mit der Migros eine starke Partnerin für eine gute Sache gefunden. Warum also, sollte man die Migros hierfür anprangern?

Und wenn tatsächliche die eine oder andere Familie nur gerade wegen dieser Stickeraktion in die Migros und nicht ins Coop geht, ist das doch einfach intelligentes Marketing und nicht gleich ein Missbrauch.

Hmm, ist wohl alles etwas Geschmackssache.



Sara Stalder

@Daniel Emch: Kinder- besonders im Vorschulalter- werden in erschreckendem Mass für die „Verkaufs-Förderung“ missbraucht. Die Werbebranche forscht weltweit mit riesigen Milliardenbeträgen, um herauszufinden, mit welchen Tricks die Kinder zum Kaufen verleitet werden können ODER wie die Kinder die Erwachsenen zum Kaufen animieren/drängen. Das geht
uns entschieden zu weit. Unsere Medienmitteilung vom 15.03.09 beleuchtet das Thema eingehender: https://www.konsumentenschutz.ch/medienmitteilungen/archive/2009/03/15/faire-regeln-fuer-dickes-werbegeschaeft.html

Sara Stalder



Daniel Emch

Frau Stalder. Sie schreiben: „Am meisten ärgert mich daran, dass die Migros ihre Geschäftsinteressen auf den Spiel- und Sammeltrieb der Kinder abmünzt und dabei gnadenlos Kinder und Eltern einspannt“.

Mein Kommentar: Was ist daran falsch, wenn die Migros eine offenbar bestehende Nachfrage befriedigt und dabei Geld verdient?



Sara Stalder

Auch mit schützenswerten Urwaldtieren will die Migros über die Kinder erreichen, dass die Erwachsenen in der Migros einkaufen und den Umsatz steigern. Dank dem WWF-Logo sieht es zudem wirklich so aus, als würde der Urwald profitierten – das gibt der Migros ein grünes Mäntelchen und dem WWF eine Plattform, für die Kinder Mitgliedschaft im Panda
Club zu werben. Offenbar bekommt der WWF pro verkauftes Sammelbuch einen bestimmten Betrag – das erfährt man allerdings in der ganzen, aufwändigen Werbekampagne nirgends.

Sara Stalder



Fele

Ich sehe das ganz anders. Endlich kann man die Sammelbedürfnisse der Kinder sinnvoll befriedigen. Und dies im Gegenteil zu den Fussballbildchen & Co ohne Abriss, sondern nur mit minimalen Kosten (ausser des Kaufes des Buches für 5 CHF).
Der Inhalt des Sammelbuches ist zudem hübsch und informativ und auch der Urwald profitiert. Also wo liegt das Problem?
Fele

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